Schneiders Krisengipfel

+
Finanziell sind die Löwen ein Sanierungsfall, sportlich ein Problemfall: 1860-Vize Schneider.

München - Bei den Löwen herrscht dicke Luft. Nicht nur die finanzielle Situation bereitet Sorgen, auch das zuletzt schwache Auftreten der Mannschaft nervt. Jetzt wurde an der Grünwalder Straße Tacheles geredet.

Lange Zeit galt die sportliche Situation der Löwen als das einzig Positive in dieser Saison. Noch bei der Delegiertenversammlung Ende November und beim Comedy-Abend Anfang Dezember (nicht verwechseln!) standen die Spieler, Sportdirektor Miki Stevic und Trainer Reiner Maurer außerhalb der Kritik. Das hat sich geändert!

Bilder und Einzelkritik zur 1860-Schlappe: Dreimal Note 5

Der TSV 1860 hat einen Fehlstart ins neue Jahr hingelegt und gegen den VfL Bochum mit 1:3 verloren. © dpa
Schlüsselszene kurz vor der Halbzeit: Schiedsrichter Welz schickte Bülow mit einer Roten Karte vom Feld und entschied auf Strafstoß. © dpa
Kurz danach der Jubel. © dpa
Denn dieser Mann hatte getroffen. © dpa
Zlatko Dedic © dpa
Die Schiedsrichter-Entscheidung war höchst umstritten. © dpa
Das sieht man an Kiralys Verhalten. Auch Coach Reiner Maurer zeigte sich sauer - und wurde nach der Halbzeit von Schiedsrichter Welz auf die Tribüne geschickt. © dpa
Die Löwen steckten nicht auf. © dpa
Benny Lauth erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich. © dpa
Doch Aydin und später Dabrowski machten alles klar für Bochum. © dpa
Endstand: 1:3 gegen die Löwen - klicken Sie sich nun durch die Noten. © dpa
Kiraly: Dreimal ernsthaft geprüft, dreimal auf dem Posten. Beim vierten Mal, beim Schuss von Aydin, patzte der Ungar. Bitter. Note: 4 © dpa
Rukavina: Solide, konzentrierte Partie des Serben, aber nach vorne muss man von einem Nationalspieler einfach mehr erwarten dürfen. Vor allem mehr Präzision. Note: 4 © dpa
Bell: Lange souverän, Spitzenpass auf Lauth zum 1:1. Dann patzte er vor dem 1:2 und 1:3. Note: 4 © sampics
Bülow: Abgeklärt, weitgehend stellungssicher. Dann kam kurz vor der Pause die Situation, die zum Elfmeter und zum Platzverweis führte. Bülow wird den Löwen fehlen. Note: 4 © dpa
Buck: Sehr engagiert auf links, aber nicht immer sicher im Passspiel. Note: 4 © dpa
Ignjovski: Dem kampfstarken Serben war die jüngste Verletzungspause deutlich anzumerken. Fand nicht ins Spiel. Zur Pause raus. Note: 5 © dpa
ab 46.: Ghvinianidze: Mal wieder ein Einsatz für den Partylöwen. Grund zum Feiern hatte er nach diesem Spiel nicht. Note: 4 © dpa
Lovin: Licht und Schatten beim dürren Serben. Eine Führungsfigur ist er in dieser Form sicher nicht. Note: 4 © dpa
Aigner: Die fehlende Spielpraxis konnte "Aiges" nicht kaschieren. Zahlreiche Fehlpässe. Das kann nur besser werden. Note: 5 © dpa
ab 63.: Volland: o.B. © dpa
Bierofka: Engagiert wie immer, aber meist nur zweiter Sieger in den Zweikämpfen. Immerhin eine guter Torschuss. Note: 4 © dpa
Ludwig: Bemerkenswerter Aufwand, überschaubarer Effekt. Note: 4 © dpa
ab 55.: Rakic: Der Serbe gibt womöglich sein Bestes, das langt leider nicht für gehobenes Zweitliganiveau. Note: 5 © dpa
Lauth: Kaum brauchbare Anspiele, der Stürmer konnte einem leid tun. Das Tor machte er in Klassemanier. Note: 3 © dpa

Maurer, Stevic und die Profis seien gleichermaßen gefordert. Schneider gibt Gas: „Man kann nicht immer nur streicheln. Man muss die Ziele und Erwartungen ganz klar formulieren! Es kann nicht sein, dass die Mannschaft ihr Potenzial auf Dauer nicht abruft!“ Das Verhältnis zwischen Maurer und Stevic gilt nach wie vor als problematisch. Nach dem Bochum-Spiel äußerte der Serbe aufgebrachten Fans gegenüber sein Unverständnis, dass Maurer mit Benny Lauth nur eine echte Spitze aufgeboten hatte.

Schon vor Weihnachten, nach Stevic’ öffentlicher Kritik an Maurer („zu wenig fachlicher Austausch“), hatte Schneider schlichten müssen. Am Dienstag wiederholte er seinen Friedensappell. Doch wie viele Niederlagen verträgt das fragile Gebilde noch? Nach dem Training wurde Maurer erstmals die Jobfrage gestellt. Seine Antwort: „Ich habe keine Angst um meinen Job!“ Natürlich sei es offensiv derzeit „zu wenig“, was die Mannschaft biete, doch gegen Bochum sei mit der Roten Karte für Kai Bülow, dem Fehler von Gabor Király und der Verletzung von Stefan Bell halt auch alles zusammengekommen, was negativ möglich ist.

Auch Stevic gilt längst nicht mehr als unantastbar. Außer Ignjovski und mit Abstrichen Király hat keiner seiner Zugänge auf Dauer überzeugt – weder unter Stevic’ Wunschtrainer Ewald Lienen noch unter seinem Nicht-Wunschtrainer Maurer. Im Sommer läuft sowohl Maurers als auch Stevic’ Vertrag aus. Gemeinsame Verlängerung äußerst unwahrscheinlich.

Bleibt die Gegenwart. Da muss Maurer am Freitag improvisieren. Für Bülow (gesperrt) und Bell (verletzt) werden Ghvinianidze und Aygün oder Buck spielen, Ignjovski stünde als Linksverteidiger parat. Könnte turbulent werden im Osnabrücker Hexenkessel.

lk

Quelle: tz

Auch interessant

Kommentare