Investor wollte Grünwalder abreißen lassen

Stadt lässt Ismaik abblitzen: Kein Neubau auf Giesings Höhen

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Kein Ort für Profi-Fußball: Das Stadion an der Grünwalder Straße ist lediglich drittligatauglich.

München - Hasan Ismaik würde der Stadt gerne das Grünwalder Stadion abkaufen, um dort einen neuen Löwen-Käfig zu bauen. Doch das Veto kam prompt.

Hasan Ismaik will eine eigene Heimat für seinen ambitionierten Zweitligisten. Nach der Abfuhr in Riem hat der 1860-Investor nun das populäre Thema Giesing entdeckt. Wenn ihm Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter das Signal gäbe, „dass das Grünwalder Stadion zum Verkauf stünde und die Stadt die Genehmigung für einen Neubau erteilen würde, dann würden wir sofort zuschlagen“, ließ Ismaik am Mittwochabend über die Homepage der Löwen verbreiten.

Das Signal kam prompt. Allerdings nicht in Ismaiks Sinne. „Das Grünwalder Stadion steht nicht zum Verkauf und wird auch nicht abgerissen“, stellte Reiter am Mittwoch Mittag gegenüber der tz klar. Ausführlicher äußerte sich Christine Strobl (SPD), als Dritte Bürgermeisterin u.a. zuständig für den Sportausschuss: „Das Planungsreferat hat das doch alles schon oft geprüft. In der von Ismaik angesprochenen Größenordnung 50.000 plus sprechen wir ja von einem Neubau. Wenn ihm schon das Gelände in Riem zu klein war, weiß ich nicht, wie er das an der Grünwalder Straße realisieren will.“

Investor Hasan Ismaik.

80.000 bis 90.000 Quadratmeter hält der Investor für notwendig, an der Grünwalder Straße stünde ihm maximal ein Drittel dieser Fläche zur Verfügung. Und das ist längst nicht alles, was gegen ein solches Mammutprojekt auf Giesings Höhen spricht. Strobl: „Man muss zum Beispiel Stellplätze nachweisen, da gibt es entsprechende Vorschriften. Bei einem Neubau gibt’s natürlich auch ein Anhörungsverfahren mit den Anwohnern. Wir haben das Grünwalder Stadion drittligatauglich gemacht und dabei aufpassen müssen, bestimmte Dimensionen nicht zu überschreiten.“

1860-Präsident Peter Cassalette wollte sich am Donnerstag nicht zum Thema Grünwalder äußern. Dr. Markus Drees, Vorsitzender des 1860-Verwaltungsrats und der „Freunde des Sechz’ger Stadions“, sagte auf tz-Nachfrage: „Am Geld würde es bei Hasan Ismaik nicht scheitern, aber der politische Wille ist bei der Stadt München nicht gegeben. Man müsste tiefer in den Candidberg bauen, um die gewünschte Kapazität zu erreichen. Dazu müssten Zusatzflächen geschaffen werden, sollte Ismaik an seinen Plänen eines neuen Nachwuchsleistungszentrums in Stadionnähe festhalten.“

Die Standortsuche geht also weiter. Das Olympiastadion erachtet Ismaik nur als „Übergangslösung, bis wir in unser eigenes Stadion einziehen können. Das Olympiastadion steht unter Denkmalschutz und nicht zum Verkauf“. Und mit dem Dasein in der Arena des FC Bayern, die ihm keine Möglichkeit zur Logenvermarktung bietet, will sich Ismaik nicht abfinden.

Das Olympiastadion im Fakten-Check

„Ich fühle mich auch nicht wohl in diesem Stadion“, solidarisiert er sich mit den Arena-Gegnern. „Ich werde alles dafür tun, dass dieser unglückliche Zustand bald ein Ende hat. Wir würden alle gerne in München bleiben. Aber wir müssen auch spüren, dass wir willkommen sind.“ 

Für einen Abriss und Neubau sieht die Stadt keinen Grund.

Gutes Geschäft

Für uns wäre es natürlich ein gutes Geschäft, wenn die Fans ein größeres Stadion kriegen. Um 50.000 Plätze zu füllen, müsste Sechzig natürlich schon in der Ersten Liga spielen. Und der Mehraufwand für die Polizei wäre natürlich groß: Schon jetzt wird bei Spielen immer halb Untergiesing gesperrt.

Edi Skrbo (22), Kellner im Wienerwald

Bitte nicht!

Hier wird doch sowieso noch ständig umgebaut. Und es ist so schon anstrengend bei Spielen. Wegen den Besoffenen gehen wir dann mit den Zwergen nicht raus. Fans schreien und das Flutlicht scheint grell in unsere Wohnung. Natürlich wussten wir das, bevor wir hergezogen sind. Aber mehr muss nicht sein.

Melanie (35) und David Hofer (34)

Mehr Chaos

Eine Baustelle und ein größeres Stadion würden noch mehr Chaos bedeuten. Unsere Kunden finden hier sowieso keine Parkplätze. Wo sollen dann bitte 50.000 parken? Hier auf der Stadion-Ostseite könnte wegen der Tram aber nicht groß erweitert werden. Deswegen würde uns als Löwen ein Neubau nicht grundsätzlich stören.

Martin Langer (30) und Enis Zahirovic (36), Verkäufer

Hier sind unsere Wurzeln

Als Sechzig-Fan will ich natürlich ein Stadion in Giesing. Wir haben alles: drei U-Bahnhaltestellen, Tram und Bus. Hier sind unsere Wurzeln. St. Pauli spielt auch mitten in Hamburg. Die haben gesagt: Entweder wir dürfen in der Stadt bleiben oder den Verein gibt es nicht mehr. Für die Stadt ist das ein Politikum. Allerdings hat das Grünwalder Stadion schon Mängel, z.B. brüchigen Beton.

Daniel Riedmüller (36), Journalist

Kommentar zur Stadionsuche: Und ewig sucht der Löwe…

Ein Jahrzehnt Bauarbeiten

Mit einer 3:4-Niederlage gegen Ahlen ging die Zweitliga-Zeit des TSV 1860 im Grünwalder Stadion am 22. Mai 2005 zu Ende. Im Juli 2006 schlug der Sportausschuss des Münchner Stadtrats vor, das Stadion abzureißen, weil die Unterhaltskosten zu hoch seien. Zwei Jahre später kam die Kehrtwende. Damit das Stadion die Zulassung zur 3. Liga, in der damals der FC Bayern II spielte, erhalten konnte, wurden 2008 insgesamt 800.000 Euro in Baumaßnahmen gesteckt. Die Kapazität betrug nun 10.240 Plätze.

Die nächste Phase wurde im Dezember 2009 eingeläutet. Der Stadtrat entschied, das Stadion für 10,28 Millionen Euro (allein die Rasenheizung würde 2,2 Millionen kosten) drittligatauglich zu sanieren. Die künftig 12.500 Zuschauer fassende Spielstätte sollte auch Heimat der Bayern-Frauen sein. Abgelehnt wurde eine Machbarkeitsstudie des TSV 1860. Sie enthielt Pläne, das Stadion bundesligatauglich für 30.000 Fans umzubauen. Die Umbaumaßnahmen begannen im Sommer 2010, der Großteil der Arbeiten war von Frühjahr 2012 bis 2013. Damals war das Stadion gesperrt. Das erste Spiel nach dem Umbau war eine Partie der Regionalliga Bayern: Der TSV 1860 II besiegte am 24. Juli 2013 Illertissen mit 2:0. Die Zuschauerzahl betrug 1745.

In England läuft der Hase anders

Im Stadionhandbuch schreiben DFL und DFB: „Der Größe des Stadions angemessene … Parkplätze für Pkw und Busse mit ausreichenden Rückstauräumen sollen im Nahbereich vorhanden sein, um den Zuschauern einen angemessenen sicheren Zugang zum Stadion zu ermöglichen.“ In England sieht man das anders: Das Emirates (o.), die Arsenal-Heimat, hat nur 80 Parkplätze. Der Klub rät: „Anhängern wird dringend empfohlen, nicht mit dem Auto zum Stadion zu fahren.“ Gleiches gilt für Stamford Bridge (Chelsea) und White Hart Lane (Tottenham). 

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