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Zurück aus der Folterkammer - Stefan Lex vor Comeback

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Von: Uli Kellner

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Cooler Typ: Stefan Lex in der Eistonne – und bald wieder auf dem Spielfeld.
Cooler Typ: Stefan Lex in der Eistonne – und bald wieder auf dem Spielfeld. © Foto: Kolbert-Press

Stefan Lex hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Nun trainiert er wieder mit Ball - und Daniel Bierofka hat bald eine weitere Offensiv-Option.

VON ULI KELLNER

München – Über Wochen bot sich Stefan Lex die gleiche, trübe Perspektive. Er selbst im Glaskasten auf dem Vereinsgelände, wo er ausdauernd die „Folterinstrumente“ von Fitnesscoach Matthias Luginger („Lugi“) bearbeitete, stets die Welt im Blick, die ihm so fehlte: Kollegen, die in der Früh zum Training laufen, nach zwei Stunden scherzend zurück, manchmal wurde auch der Kunstrasenplatz direkt hinter der Scheibe zum Schauplatz – die Sehnsucht in Lex wuchs jedenfalls. Bis er am Montag offiziell als genesen halt, erstmals selber wieder mittrainieren durfte und nach zwei Stunden dachte: „Boah, 30 Grad heraußen – ich geh wieder zum Lugi z’ruck. Da ist es deutlich entspannter.“

War natürlich ein Scherz. Ein typischer Lex. Einen Atemzug später fügte der Urbayer hinzu: „Naa, Schmarrn. Es macht natürlich Spaß, wenn man endlich wieder am Platz steht. Für das ist man ja Fußballer – und nicht dafür, dass man im Kraftraum am Crosstrainer steht.“

Diese mühsame Zeit, hofft Lex, 29, hat er nun endgültig hinter sich gelassen. Verletzt hatte er sich am 30. April im Halbfinale des Totopokals (2:3 in Aschaffenburg). Riss des Syndesmosebandes war die bittere Diagnose. Eine typische Fußballerverletzung, die Michael Ballack (2010) und Marco Reus (2014) um WM-Teilnahmen brachte. Bis zu einem Vierteljahr dauert es im Regelfall, bis die Sehne, die Schien- und Wadenbein verbindet, nach einer Ruptur zusammenwächst. Zwischenzeitlich sah es so aus, als könnte Lex schneller als geplant zurückkehren. Sportchef Günther Gorenzel bescheinigte dem fleißigen Crosstrainer-Nutzer „sehr gutes Heilfleisch“. Zuletzt jedoch zügelte Lex seinen Eifer, „weil das Band doch ein bisschen reagiert hatte“. Gestern jedoch meldete er: „Ich konnte alles mitmachen, hab mich auch nicht gescheut, in die Zweikämpfe zu gehen.“ Ein gutes Zeichen für Lex – und ein noch besseres für Trainer Daniel Bierofka, der ja für jede Verstärkung seiner Offensivabteilung dankbar ist.

Mitte August, nach der Pokal-Pause, könnte es also sein, dass Lex sein Comeback im Löwen-Trikot feiert. Dann womöglich in neuer Rolle, denn Bierofka spielt mit dem Gedanken, den Außenstürmer ganz vorne reinzustellen – als Entlastung für den alternden Einzelkämpfer Sascha Mölders, 34. Eine nachvollziehbarer Idee, doch wie kommt sie an bei Lex, der es ja gewohnt ist, Kreide an den Sohlen haben? „Im Grunde ist es mir wurscht“, sagt der flinke Siebener: „Ich hab das schon gespielt. Je nach Spielanlage kann das auch funktionieren. Für hohe, weite Bälle bin ich wahrscheinlich nicht der richtige Mann, aber wenn wir über die Tiefe kommen, über Konter, dann ist es sicherlich etwas, das mir entgegenkommen würde.“

Lex, neben Mölders und Timo Gebhart der einzige Spieler mit Erstliga-Erfahrung im Kader, könnte den Löwen auch in punkto Reife weiterhelfen. Gerade mit Blick auf den Spätsommer, wo ein kniffliges Spiel nach dem anderen ansteht (erst drei Ostclubs, dann Absteiger Duisburg und Kaiserslautern) und es gilt, Winterspeck in Form von Punkten anzusammeln. Lex glaubt übrigens nicht wie so viele andere, dass die Löwen zwingend in den Abstiegskampf verwickelt werden. „Im Grunde haben wir nicht viele Stammspieler verloren“, sagt er: „In der Breite haben wir sicherlich was eingebüßt. Dafür sind ein paar Junge wie der Greile (Fabian Greilinger) dazugekommen.“ Er jedenfalls findet, „dass wir sicher nicht schlechter besetzt sind als letztes Jahr.“

Außerdem ist er ja jetzt zurück, der Experte für das Ressort Humor und Mundart. Lex empfiehlt dem stets aufgeregten Umfeld des Vereins eine insgesamt weniger melodramatische Grundhaltung: „Wir g’winnen zweimal, dann heißt’s: Wir steigen auf! Dann verlieren wir zweimal und sind wieder die größen Deppen. Ein g’sünderes Mittelmaß wäre am Ende wahrscheinlich g’scheiter.“

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