Lösung im Abwehrzentrum

Wird er Bierofkas neuer 450-Euro-Verteidiger? 

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Marco Raimondo-Metzger spielte in der Vergangenheit bei Wortmatia Worms. 

Daniel Bierofka ist mit dem aktuellen Kader für die kommende Saison alles andere als zufrieden. Nun könnte es eine Lösung aus der eigenen Reihen geben.

München - Vier Wochen Fußballpause (bis 17. Juni) – nach diversen Relegations-Sommern purer Luxus für den dauerbeanspruchten Daniel Bierofka. „Jetzt habe ich endlich Zeit zum Reflektieren“, sagte der Löwen-Coach vor dem Saisonfinale in Jena (0:4): „Ich brauche zwei Wochen zum Runterkommen, erst danach kann ich relaxen.“ 

Der ehrgeizige Fußballlehrer macht auch gar keinen Hehl daraus, dass er die freien Tage dazu nutzen wird, die eigene Karriereplanung (Vertrag bis 2022) zu hinterfragen. „Klar mache ich mir Gedanken, wenn ich nur einen Innenverteidiger zur Verfügung habe“, sagte er.

An keiner Position im künftigen an einen Torso gemahnenden Profikader lässt sich die Misere der Löwen besser festmachen, als auf jener des zweiten Innenverteidigers. 

Routinier Jan Mauersberger – wechselt ins Marketing. Kämpfer Simon Lorenz – muss zurück nach Bochum. Semi Belkahia – fällt mit schwerer Knieverletzung acht Monate aus. Stand jetzt ist Kapitän Felix Weber der einzige Innenverteidiger für die neue Saison. „Dafür gibt es aber kein System“, ätzte Bierofka, als er seinen ersten öffentlichen Hilferuf funkte: „Ich hoffe, dass jetzt mal einige im Verein aufwachen.“

Zumindest zwei im Verein schlafen nicht: Bierofka und Sportchef Günther Gorenzel. Die Anregung von Präsidium und Hauptsponsor, „kreativ“ zu sein, hat das Duo wörtlich genommen – und eine interne Lösung für die Position des zweiten Innenverteidigers gefunden. 

TSV 1860 München: Wird Marco Vincenzo Raimondo-Metzger Daniel Bierofkas neuer 450-Euro-Verteidiger? 

Stand jetzt taucht auf dem Reißbrett ein Spieler auf, der bislang nur Vereins-Insidern bekannt ist. Einer, der bereit sein soll, künftig sogar auf 450-Euro-Basis die Knochen hinzuhalten. Schon sein Name klingt wie ein Versprechen: Marco Vincenzo Raimondo-Metzger, 27, erfahrenste Stütze der Bayernliga-Mannschaft, zuletzt sogar deren Kapitän.

Der frühere U 17-Nationalspieler wittert die Chance, seine anfangs hoffnungsvolle Karriere doch noch in Schwung zu bringen; finanziell scheint er es sich leisten zu können, auf die Geldnot der Löwen Rücksicht zu nehmen. Eine Interviewanfrage lehnte der Deutsch-Italiener ab, dafür äußert sich Ex-Profi Necat Aygün, sein Berater. 

„Er ist ein Spielertyp, der jede Mannschaft qualitativ weiterbringt“ schwärmt Aygün, der selber ein zuverlässiger Innenverteidiger war. Zu Raimondo-Metzgers Beweggründen, nach Stationen in Hoffenheim (U 17, 19), Freiburg, Kaiserslautern und Worms (jeweils im Regionalligateam) nach Giesing zu wechseln, wo er 2013 bereits im Probetraining gefiel, sagte Aygün: „Er hat den Step zur zweiten Mannschaft von 1860 gemacht, um wieder auf sich aufmerksam zu machen – das ist ihm auf beeindruckende Weise gelungen.“ 

TSV 1860 München: Das kann Marco Vincenzo Raimondo-Metzger 

Mit Raimondo-Metzger habe sich die anfangs in der Bayernliga überforderte U 21 gefangen und stabilisiert. Aygün sieht es so: „Er hat das Potenzial dazu, höher zu spielen.“ Auch die 3. Liga traut er seinem Schützling zu, „definitiv“. Menschlich sei der Pfälzer ohnehin über jeden Zweifel erhaben: „Er ist ein absoluter Führungsspieler, hat einen Topcharakter – und gibt in jedem Spiel 100 Prozent.“

Solche Spieler sind ganz nach Bierofkas Geschmack. Die Frage ist nur, ob der Coach selber bereit ist, einen so dünn gestrickten Kader durch das Stahlbad namens 3. Liga zu führen – ohne Aussicht auf bessere Zeiten. 

Seine jüngsten Andeutungen lassen tief blicken. Der leidenschaftliche Löwe zieht einen Abschied ernsthaft in Erwägung, sollte sein Ruf nach einer Etat- und Kaderaufstockung nicht erhört werden. 

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Uli Kellner

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