TSV 1860: Fußballgott-Dämmerung

Muss Mölders erneut auf die Bank? - Köllner: „Ich bin noch unentschlossen...“

1860-Kapitän Sascha Mölders trägt eine Trainingsjacke.
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Der Stammspieler-Status wackelt: Sascha Mölders in der Zuschauerrolle - auch gegen Viktoria Berlin?

Beim 1:1 gegen Verl saß Sascha Mölders bis zur 78. Minute auf der Bank. Was aussah wie eine Verschnaufpause für den Kapitän, könnte nun zur Dauerlösung werden.

Das muss man den Löwen lassen: Seit die Chaos-Jahre überwunden sind, hat der Anstand Vorfahrt, selbst in sportlich trüben Zeiten. Sponsoren erhielten kürzlich ein Zuckerl, indem die Mannschaft trotz zuvor erlittener Heimniederlage auf der „Sechzger-Wiesn“ erschien. „Auf diese Weise wollen wir Danke sagen“, erklärte Trainer Michael Köllner. Ähnliches hatte am Freitag Günther Gorenzel im Sinn, als er die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Viktoria Berlin (Samstag, 14 Uhr) mit einer kleinen Hommage eröffnete. Adressat war Torhüter-Ikone Petar Radenkovic, der gestern 87 Jahre alt wurde. „Ganz viel Gesundheit nach Belgrad“, sagte der Sportchef: „Er ist eine absolute Vereinslegende – da gibt es keine zwei Meinungen.“ Der Trainer schloss sich diesen Wünschen ausdrücklich an.

Den Geschehnissen der Woche war es geschuldet, dass Köllner dann nahtlos auf eine Löwenlegende der Neuzeit zu sprechen kam. Über Kapitän Sascha Mölders, der nach seiner Startelf-Pause beim SC Verl (1:1) auch noch eine Plauzen-Debatte ertragen musste, sagte er auf entsprechende Nachfrage: „Ich weiß, dass Sascha ein toller Spieler ist, keine Frage. Ich weiß aber auch, dass Sascha vor zwei Jahren schon aufhören wollte, sich dann aber hat überzeugen lassen, dass er hier noch benötigt wird.“

Die Fan-Sicht ist ja immer, dass du deine Helden und Legenden am liebsten spielen lassen würdest, bis sie 80 sind.

1860-Trainer Michael Köllner über die blauen Fußballgötter.

Ein schönes Lob eigentlich. Getrübt wurde es durch die Ausführungen danach, als Köllner den aktuellen Kapitän verbal ins Pantheon der blauen Fußballgötter einsortierte. „Im Trainerjob bist du gepeinigt von Entscheidungen, die du zu treffen hast“, holte der 1860-Coach aus: „Die Fan-Sicht ist ja immer, dass du deine Helden und Legenden am liebsten spielen lassen würdest, bis sie 80 sind. Jeder denkt sich: Der Radenkovic müsst’ noch mal im Tor stehen! Und der Fredi Heiß sollte am besten gleich mit über den Platz rennen.“ Aber, merkte er an: „Diese Zeit ist halt irgendwann mal vorbei.“

Ist sie das jetzt auch für das Idol der aktuellen Fan-Generation? Für den Kultstürmer, der 1860 zurück in die 3. Liga schoss und vorige Saison noch einmal 22 Treffer aus seinem in die Kritik geratenen Körper herausholte? Auf die konkrete Frage, ob Mölders Hoffnung haben darf, am Samstag in die Startelf zurückzukehren, sagte Köllner mit einem einleitenden Lächeln: „Das wird sich zeigen. Es ist ja nicht so, dass wir unsere Aufstellung würfeln oder an an der Vergangenheit festhalten, sondern wie immer zählen zwei Dinge: A) Leistung. B) Erfolg. Sascha hat die Woche über gut trainiert – in dem Punkt kann man ihm nichts unterstellen. Am Ende müssen wir aber schauen: Was ist die beste Ausrichtung für das Spiel?“ Eine abschließende Antwort konnte oder wollte der Trainer am Freitag noch nicht geben: „Ich bin in dem Punkt noch unentschlossen, das sage ich ganz offen und ehrlich.“

Köllner: Seine Lebensgefährtin liest ihm beim Frühstück die Schlagzeilen vor

Die Zukunft von Mölders als Stammspieler ist also ungeklärt. Köllners Trainerzukunft bei 1860 hingegen wird nicht infrage gestellt, wie Präsident Robert Reisinger in unserem Interview betonte. Es freut Köllner, dass er weiterhin ruhig in München arbeiten kann – der Realist in ihm weiß jedoch, dass es im Fußball schnell gehen kann. Seine Frau, versicherte er, behält die aktuelle Stimmungslage im Blick: „Beim Frühstück liest sie mir jeden Morgen die Überschriften vor . . .“

Köllner weiß: Ein Sieg gegen den starken Aufsteiger wäre das beste Argument, um drohende Alarmschlagzeilen zu verhindern. Auch gegen ein (Joker-)Tor seines Kapitäns hätte er wohl nichts einzuwenden, ebenso Mölders selbst. Den Gesetzen der Biologie hat der 36-Jährige schon manches Mal getrotzt; jetzt kämpft er gegen die einsetzende Götterdämmerung.

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