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Löwenleader Moll: „Der Verein gehört hoch, das ist ja kein Geheimnis“

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Von: Uli Kellner

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1860-Profi Quirin Moll sprintet im Training um Stangen herum.
Fitnessfreak: Quirin Moll schiebt gerne eine Zusatzschicht - und ist jetzt wieder eine Stütze des Teams. © Imago

Vom Führungsspieler zum Sorgenkind und zurück. Quirin Moll hat sich bei 1860 nach einer schwachen Hinrunde zurückgemeldet. Unser Interview mit dem Löwenleader.

Einer der Gründe für den furiosen Löwenlauf ist die funktionierende Achse, die sich seit dem Mölders-Aus die Verantwortung teilt. Mittendrin: Quirin Moll, der erstarke Scharnierspieler im neuen 4-1-4-1-System. In der Hinrunde zählte der Dachauer leistungsbedingt zu den Sorgenkindern, inzwischen ist er wieder eine Stütze, ein Stabilitätsgarant. Unser Interview mit dem 31 Jahre alten Defensivroutinier.

Im Internet kursieren beeindruckende Videos, die Sie bei Klimmzugübungen zeigen. Wo liegt Ihr persönlicher Rekord?

Moll: Klimmzüge? Ja, da kann ich einige, aber ich zähle sie nicht, deswegen gibt es da keinen bestimmten Rekord. Sie machen mir einfach Spaß.

Ist es wie bei Leon Goretzka eine Corona-Begleiterscheinung, dass Sie derart auftrainiert haben?

Moll: Nein, ich mache eigentlich schon seit Jahren zusätzlich was – weil es mir einfach guttut. Für mich ist das ein guter Ausgleich.

Lag der Fokus nach Ihrer Verletzung womöglich zu sehr auf der Fitness? Trainer Michael Köllner beschrieb Ihr Spiel nach der Hinrunde als „roboterhaft“.

Moll: Das ist mir zugetragen worden, und ich hab auch mit ihm gesprochen. Ich war zwar viel im Kraftraum, bin aber auch genug gelaufen. Mein Programm habe ich nicht verändert. Ich war schon immer einer, der mehr macht, trotzdem bin ich immer beweglich geblieben.

Köllner sprach auch von „erschreckenden Leistungen“. Hat Sie das getroffen oder eher angespornt?

Moll: Ich habe es wahrgenommen, aber es hat mich nicht getroffen. Ich weiß, was ich kann, wann ich gut spiele oder schlecht. Für konstruktive Kritik bin ich immer zu haben, aber ich brauche solche Aussagen nicht als Ansporn. Klar war das keine besondere Hinrunde von mir, aber das ist schon lange Vergangenheit. Ich weiß, dass man es zurückbekommt, wenn man täglich harte Arbeit reinsteckt.

Für konstruktive Kritik bin ich immer zu haben, aber ich brauche solche Aussagen nicht als Ansporn. Klar war das keine besondere Hinrunde von mir, aber das ist schon lange Vergangenheit. Ich weiß, dass man es zurückbekommt, wenn man täglich harte Arbeit reinsteckt.

Quirin Moll über Köllners deutliche Kritik nach einer „erschreckenden“ Hinrunde.

Seit ein paar Spielen sind Sie wieder ein Fixpunkt im Team, derzeit als Solo-Sechser im 4-1-4-1. Eine verantwortungsvolle Aufgabe – und ein Zeichen, dass Ihnen der Trainer immer noch vertraut?

Moll: Es ist ja nicht so, dass er mich im Stich gelassen hat. Wir waren ja trotzdem immer im Austausch. Er weiß, was ich kann – und es ist jetzt auch die Position, auf der ich mich zu Hause fühle.

Nach den Pleiten gegen Türkgücü und Halle reihte 1860 vier Siege aneinander. Was war die Initialzündung für diese Serie?

Moll: Wichtig war, dass wir die Niederlagen schnell abgehakt haben. Weder gibt es diese eine Erklärung dafür, noch gab es eine gezielte Aussprache. Umso besser, dass wir sofort wieder in die Spur gefunden haben – und das gleich mit mehreren Siegen hintereinander.

Was sagt der Führungsspieler Quirin Moll über die Aussichten für die Restsaison?

Moll: Es klingt zwar langweilig, aber ich bin einer, der wirklich nur von Spiel zu Spiel schaut. Rumrechnen bringt ja nichts. Am Ende hängt es nur davon ab, wie wir unsere eigenen Spiele gestalten.

Wann wäre für Sie der ideale Zeitpunkt, auch verbal auf Attacke umzuschalten?

Moll: Gute Frage. Ich verstehe, dass man das von uns erwartet, aber es hilft uns nicht weiter. Die nächsten Spiele werden schwer genug – da werden wir dann sehen, wohin die Reise geht.

Das Lustige ist ja: Jeder weiß, dass 1860 rauf will, immer. Trotzdem geht es der Mannschaft besser, wenn keiner darüber spricht. Können Sie diesen simplen Psychotrick mal aus Sicht des Spielers erklären?

Moll: (lacht) Ich persönlich bin schon ein Freund davon, dass man sagt, wo man hinmöchte. Das sind ja keine Träumereien. Trotzdem tun wir gut daran, demütig zu bleiben, gerade nach dem Verlauf der letzten Wochen. Man sieht ja auch, wie unterschiedlich die Spiele in dieser Liga laufen. Ich persönlich habe aber nie einen Hehl aus meinen Zielen gemacht – ich bin ja nicht einfach so in die 3. Liga gewechselt, sondern weil ich mit 1860 aufsteigen will. Der Verein gehört hoch, das ist ja kein Geheimnis.

Wer sind ihre Favoriten für die heiße Phase des Aufstiegskampfs?

Moll: Schwer zu sagen. Alle da oben haben gezeigt, dass sie Qualität haben. Trotzdem: Die Saison wird jetzt entschieden, in den letzten zwei Monaten – und dann muss man eben da sein. Für mich gibt’s da keinen Favoriten, außer vielleicht Magdeburg.

Zurück zu Ihrem Leben als Modellathlet. Sie verzichten auch auf Weizen, Zucker und Milchprodukte. Wo hört Gesundheitsbewusstsein auf, wo fängt Askese an?

Moll: Was ich mache, ist ja keine Diätform, sondern eine Lebenseinstellung. Ich fühle mich gut damit, mein Körper auch – das ist die Hauptsache.

Im Urlaub hab ich auch schon mal ’ne Pasta gegessen – oder ein Glas Wein getrunken. Aber Schokolade oder so reizt mich gar nicht.

Fitnessfreak Quirin Moll über kleine Sünden.

Sündigen Sie nie?

Moll: Naja, im Urlaub hab ich auch schon mal ’ne Pasta gegessen – oder ein Glas Wein getrunken. Aber Schokolade oder so reizt mich gar nicht.

Ist Fitnessstreben eine Sucht?

Moll: Könnte man so sehen – wenn jemand gar nichts damit anfangen kann.

Ähnlich hart zu sich selbst soll Cristiano Ronaldo sein, der noch im Alter von 37 Höchstleistungen abliefert. Ist das auch Ihr Antrieb? Wie viele Jahre haben Sie als 31-Jähriger noch im Tank?

Moll: Ich fühle mich überhaupt nicht wie 31. Im Fußball hört sich das alt an, aber körperlich fühle ich mich fitter als vor fünf Jahren. Von dem her habe ich noch einiges vor.

Also würden Sie auch sagen: 37 – na und?

Moll: Ja logisch, warum nicht?

Bei 1860 wurde Ihr Vertrag während der Reha bis 2023 verlängert. Hat der Spieler mehr profitiert oder der Verein?

Moll: Beide Seiten, würde ich sagen. Mir gegenüber war es eine Wertschätzung – aber natürlich bin auch ich dem Verein entgegengekommen. Mich freut, dass es so gekommen ist, denn ich denke, es passt so für beide Seiten.

Ihr Freund Mario Götze hat gerade erklärt, dass er sich noch den Gewinn der Champions League auf die Fahne geschrieben hat. Was steht auf Ihrer Fahne?

Moll: Ich wusste das schon länger von Mario, aber klar: Bei mir stehen nicht ganz so ambitionierte Dinge drauf. Ich denke da eher von Saison zu Saison.

Hätte für Sie ein Aufstieg mit 1860 ähnliche Bedeutung?

Moll: Man kann das nicht vergleichen, aber es wäre auf jeden Fall ein Ziel, das ich mir damals vorgenommen habe, als ich zurück in die Heimat gekommen bin.

Wäre im Fall der Fälle ein Gläschen Sekt denkbar?

Moll: Wenn es dazu kommt, könnte das eine der Ausnahmen sein, über die sich reden lässt (grinst).

Interview: Uli Kellner

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