Eingesetzte Mannschaft im Check

Die Legende der jungen Löwen: Ist der TSV 1860 wirklich zu „grün“?

+
25,88 Jahre sind die eingesetzten Löwen im Schnitt alt - ein überaus gewöhnlicher Wert in der Dritten Liga.

Der Altersschnitt der Drittliga-Mannschaft des TSV 1860 ist mit 25,88 Jahren um einiges höher als viele glauben - offenbar auch Trainer Daniel Bierofka. Ist die Nachwuchsabteilung der „Löwen“ noch legendär?

München – Das Zitat stammt aus durchaus berufenem Munde. Immerhin war Reiner Maurer, der künftige Türkgücü-Trainer, vier Jahre lang Trainer des TSV 1860. Dieser Tage sagte der 59-Jährige nun: „Ich hatte damals sieben Spieler unter 23 in der Startaufstellung in der Zweiten Liga. Ich muss schmunzeln, wenn ich heute bei 1860 oft lese: Wir haben eine junge Mannschaft. Dann müssen junge Spieler auch eine Chance bekommen!“

Nun hat es also einer ausgesprochen. Ist der von Trainer Daniel Bierofka, Sportchef Günther Gorenzel und zuletzt auch Sascha Mölders gebrauchte Satz von der jungen Löwen-Mannschaft, der man ihre Naivität und Inkonstanz nachsehen müsse, nur eine Schein-Erklärung? Der Alters-Check erbrachte folgendes Ergebnis: Von einer im Drittliga-Vergleich (zu) jungen Mannschaft kann im Falle der Löwen keine Rede sein.

Die Zahlen: Der jüngste eingesetzte Spieler in dieser Saison ist Simon Lorenz (21). Der Leih-Verteidiger aus Bochum war als einziger Profi in allen 26 Punktspielen mit von der Partie. Ähnlich jung ist von der Stammelf nur noch Torwart Marco Hiller (22). Der Rest des Kernpersonals? Bewegt sich im besten Fußballer-Alter zwischen 24 (Kapitän Felix Weber) und 29 Jahren (Stefan Lex).

TSV 1860: Die Doppelspitze der Alterspyramide ist 33 Jahre alt

Als Außreißer nach unten kann beim TSV 1860 Efkan Bekiroglu gesehen werden. Der 23-jährige Deutsch-Türke kam im vergangenen Sommer von der 2. Mannschaft des FC Augsburg nach Giesing. Ganz oben auf der Alterspyramide balancieren Sascha Mölders und Jan Mauersberger mit jeweils 33 Lenzen. Der Altersdurchschnitt der in der 3. Liga eingesetzten Löwen beträgt 25,88 Jahre – ein solider Mittelwert.

Naivität? Mangelnde Cleverness? Daniel Bierofka und Günther Gorenzel haben viel zu korrigieren.

Interessant in diesem Zusammenhang: Neben dem KFC Uerdingen sind die Löwen der einzige Klub der Liga, der bislang keinen U21- Spieler eingesetzt hat. Innenverteidiger-Talent Semi Belkahia und Jungregisseur Dennis Dressel (beide 20) durften nur im Toto-Pokal ran und spielen ansonsten mit der zweiten Mannschaft in der Bayernliga. Gleiches gilt für den russischen U19-Nationalspieler Leon Klassen (18), den die Löwen 2017 aus der U17 des 1. FC Köln an die Isar lockten.

Auch mangelnde Erfahrung im Profifußball lässt sich der Mannschaft kaum unterstellen. Daniel Wein, Aaron Berzel, Phillipp Steinhart, Nico Karger – alles Spieler, die sich im höherklassigen Fußball bestens auskennen. Von Lex, Mölders, Moll und Mauersberger ganz zu schweigen.

Woran es also liegt, dass die längste Löwen-Siegesserie dieser Saison bei zwei Spielen liegt (jeweils gegen Aalen und Cottbus)? Möglicherweise ist es ein altersunabhängiger Mangel an Cleverness. Möglicherweise ist auch der Erwartungsdruck bei Heimspielen ein Hemmnis. Drei Auswärtsniederlagen stehen bereits fünf Schlappen auf Giesings Höhen entgegen.

Am Samstag geht’s zum Aufstiegsaspiranten nach Wehen. Durchschnittsalter der eingesetzten Spieler: 25,48 Jahre.

Video: So feierten die Löwen den Aufstieg

Lesen Sie auch: Nach Pyro-Aktion im Stadion - Sechzig kündigt „sichtbare Konsequenzen“ an

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Noten und Bilder der Löwen: Viele Zweier und eine Vier gegen Meppen
Noten und Bilder der Löwen: Viele Zweier und eine Vier gegen Meppen
1860-Spielplan in der 3. Liga: So sieht das Restprogramm der Löwen aus
1860-Spielplan in der 3. Liga: So sieht das Restprogramm der Löwen aus
Ex-Löwe Kevin Volland im Interview: „Wäre schön, meine Karriere hier ausklingen zu lassen“
Ex-Löwe Kevin Volland im Interview: „Wäre schön, meine Karriere hier ausklingen zu lassen“
Manchmal gehört auch Glück dazu: Trainer Bierofka happy über „dreckigen“ Sieg
Manchmal gehört auch Glück dazu: Trainer Bierofka happy über „dreckigen“ Sieg

Kommentare