TSV 1860: In der Unentschieden-Falle

Aufstiegsflatter bei den Löwen? Köllner: „Du darfst das Kopfkino nicht so andrehen...“

Richard Neudecker rudert hilfesuchend mit den Armen.
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Ratloser Regisseur: Richard Neudecker zählte gegen Meppen noch zu den besseren 1860-Profis.

Die Löwen treten in der 3. Liga auf der Stelle. Nach dem 1:1 gegen Meppen sagt Trainer Köllner: „Wir können aktuell keine 90 Minuten stabilen Fußball spielen.“

Nach dem vierten Remis im siebten Spiel macht sich beim TSV 1860 ein gewisser Unentschieden-Überdruss breit. Zur Erinnerung: Fröhlich, fast schon beschwingt hatten die Löwen zu Saisonbeginn die glücklichen Punktgewinne in Wiesbaden (0:0) und gegen Türkgücü (1:1) hingenommen. Als verschenkter Sieg wurde am vorletzten Spieltag das späte Ausgleichstor in Braunschweig betrauert. Am Samstag nun nach dem 1:1 gegen Meppen: Gesprächsbedarf allerorten. Noch am Mittelkreis redete Günther Gorenzel auf ein Grüppchen an Führungsspielern ein (Lex, Neudecker, Dressel). Energische Sportchef-Gestik, gesenkte Spieler-Häupter. Minutenlang ging das so. Und auch Quirin Moll, vorzeitig ausgewechselt und zum Mediendienst eingeteilt, ahnte, dass sich wohl eine längere Kabinen-Nachbesprechung anschließen werde. Ob der Trainer nach solchen Spielen laut werde? „Mal ja, mal nein“, sagte der zurückgekehrte Defensivmann und schob hinterher: „In jedem Fall findet er immer sehr gute und treffende Worte.“

In der Tat kann man Michael Köllner nicht vorwerfen, dass er den durchwachsenen Auftritt vom Samstag schönzureden versuchte. „Wir sind unzufrieden mit der Art und Weise, wie wir über 90 Minuten Fußball gespielt haben“, sagte er schonungslos. Es sei eine „Herkulesaufgabe“ gewesen, auf das gelupfte Konter-Gegentor durch René Guder (18.) mit einem von Marcel Bär (40.) ins Tor geköpften Eckball zu antworten. „Die erste Minute der zweiten Halbzeit waren wir dann richtig gut“, täuschte Köllner ein Lob an, um mit dem vernichtenden Satz fortzufahren: „Danach hat unser Spiel an Qualität verloren, das muss man so deutlich sagen.“

Die erste Minute der zweiten Halbzeit waren wir dann richtig gut. Danach hat unser Spiel an Qualität verloren, das muss man so deutlich sagen.

1860-Coach Michael Köllner über den Leistungsabfall nach der Pause.

Mit dem Halbzeitwechsel Staude für Tallig wollte der Coach Ballfertigkeit ins Spiel bringen, um die tief stehenden Meppener auszuhebeln, doch wie von Köllner angedeutet: Der Löwen-Vortrag wurden nicht griffiger, sondern sogar belangloser. Der Lattenkracher von Mölders unmittelbar nach Wiederanpfiff war nicht etwa der Auftakt zu einem 44-minütigem Sturmlauf, sondern zu einem Hin und Her, bei dem sich die Heimmannschaft am Ende mal wieder bei Marco Hiller bedankten durfte, dass er gegen Krüger (88.) und Puttkammer (90.) wenigstens den einen Punkt festhielt. Ausgerechnet Hiller, der bei Meppens Gegenstoß zum 0:1 übereilt aus seinem Tor geeilt war. Aber, sagte Köllner: Geärgert habe ihn weniger die falsche Sekundenentscheidung seines Torwarts, sondern das halbherzige Abwehrverhalten zuvor – und ganz allgemein: diese Wankelmütigkeit, die sein vorige Saison so konstantes Team derzeit ausstrahle. „Wir können aktuell keine 90 Minuten stabilen Fußball spielen“, lautete Köllners bitteres Fazit.

Den Willen wollte er allerdings keinem seiner Spieler absprechen. „Ich glaube eher, dass wir zu viel gewollt haben“, sagte Köllner und nährte damit den Verdacht, dass nicht jeder in seiner Mannschaft gemacht sein könnte für die mental fordernde Aufgabe des Aufstiegskampfes aus der Position eines Mitfavoriten. „Wenn du vorne dabei sein willst, ist es das Härteste, was du spielen kannst“, dozierte der Coach, „denn jeder Punkt, den du liegen lässt, trifft dich hart – zumindest im ersten Moment. Du musst daher immer schauen, dass dein Schädel in Ordnung bleibt. Da darfst du das Kopfkino nicht so andrehen, dass du sagst: Jetzt haben wir was verloren und schaffen unser Ziel nicht. Sondern dass du stattdessen schaust: Was ist deine nächste Aufgabe?“

Deichmann empfiehlt: Nicht auf die Tabelle schauen!

Die nächste Liga-Aufgabe für die auf Platz 11 notierten Löwen ist das Auswärtsspiel beim Halleschen FC – zuvor jedoch gilt es, im Totopokal die heikle Hürde Wacker Burghausen (Mittwoch, 19 Uhr) so zu überwinden, dass das Team idealerweise Selbstvertrauen tankt, dabei aber nicht zu viel Energie vergeudet, die sonst am Sonntag fehlen würde. „Diesen Spagat müssen wir hinkriegen“, forderte Köllner und bezog das Streben nach Konstanz auf sämtliche sportlichen Bereiche: auf die lange Saison, die einzelnen Spiele – und auf die unterschiedlichen Phasen in den 90 Minuten. „An dem Thema müssen wir arbeiten“, sagte er: „Da reiben wir uns keinen Sand in die Augen.“

Der Unentschieden-Falle zu entkommen, bleibt aber der übergeordnete Auftrag für die nächsten drei Punktspiele im September (Halle, Zwickau, Verl). Einstweilen empfiehlt Yannick Deichmann das Prinzip ,Augen zu und durch‘. „Es bringt nichts, jetzt auf die Tabelle zu gucken“, rät er: „Wir müssen schauen, dass wir ruhig bleiben und in einer Struktur spielen.“ Er ahnt: „Halle wird auch kein einfaches Spiel.“ Zumindest nicht in der aktuellen Form.

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