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Köllner nach der 9-Punkte-Woche: „Haben an der einen oder anderen Stellschraube gedreht“

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Von: Uli Kellner

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Merveille Biankadi erzielt ein Traumtor per Scherenschlag-Volley gegen Verl.
Wenn’s läuft, dann läuft’s: Der erstarkte Merveille Biankadi bei seinem Traumtor per Scherenschlag-Volley gegen Verl. © Imago

Das Wort Aufstieg steht bei 1860 weiterhin auf dem Index. Aber: Es läuft wieder. Drittbestes Rückrundenteam, erstarke Reservisten - und eine Booster-Chance...

Vor dem freien Wochenende kam natürlich die Frage aller Fragen zur Wiedervorlage – doch selbst in der Euphorie nach einer Neun-Punkte-Woche ließ sich Michael Köllner nicht locken. „So schnell auf jeden Fall nicht“, sagte der 1860-Coach auf die Frage, wann er das Wort Aufstieg offiziell in den Mund nehmen werde. Das Himmelhochjauchzende ist genauso wenig Köllners Ding, wie er nach vier sieglosen Spielen im Februar bereit war, sich vom zu Tode betrübten Vereinsumfeld anstecken zu lassen. „Vor eineinhalb Wochen waren wir noch krachend gescheitert“, erinnerte er an manch voreiliges Gesamturteil.

Dabei regt der Ist-Zustand längst nicht nur die Fantasie tiefblauer Träumer an. Die Löwen sind das drittbeste Rückrundenteam, liegen nur zwei Punkte hinter ihrer Vorjahresmarke, der Anschluss an die Aufstiegszone ist geschafft – und da ist ein möglicher Joker noch gar nicht mitberücksichtigt: nämlich die Chance, weiter in der Tabelle zu klettern, wenn Insolvenzclub Türkgücü endgültig die Segel streichen muss. Die Löwen würden dann zwei schwache Derbyresultate verlieren (1:1, 1:2), die vier Clubs vor ihnen drei Punkte (Magdeburg, Braunschweig, FCK) bzw. sechs (Saarbrücken).

Das drohende Aus des Stadtrivalen als Booster-Chance (Entscheidung wohl am 19. März)? Ein Pragmatiker wie Köllner spricht natürlich lieber über die neue sportliche Qualität, die in den Tiefen seines oft unterschätzten Kaders schlummerte – und sich bei den Siegen gegen Zwickau (3:1), Kaiserslautern (2:1) und Verl (2:0) in Form von Vitamin B entfaltete. B wie Bank, denn speziell die ehemaligen Sorgenkinder Merv Biankadi, Erik Tallig und Kevin Goden kommen immer besser in Schwung. „Wir haben an der einen oder anderen Stellschraube gedreht“, sagte Köllner und lobte seine wertvollen Ex-Reservisten: „Sie helfen jetzt der Mannschaft brutal – und das wird auch am Ende sehr wichtig sein, dass du auf jeden Spieler zählen kannst.“

Überhaupt war es Köllner ein Bedürfnis, seinen Kader zu loben, der nun auch ohne Winterzukäufe von Sieg zu Sieg eilt. „Man muss seiner Mannschaft vertrauen, das ist das A und O“, sagte Köllner und betonte: „Ich habe nie an der Mannschaft gezweifelt. Wir haben seit Dezember einen Zwei-Punkte-Schnitt und sieben Spiele gewonnen. Es ist entscheidend, dass du immer wieder zurückkommst.“ Diese Tugend, von Köllner „Comeback-Qualität“ genannt, habe sein Team zuletzt eindrucksvoll bewiesen.

Und wie das so ist: Kaum wurde der Kader erfolgreich starkgeredet, gilt es, die nun unübersehbare Aufstiegschance kleinzureden. Nicht nur der Trainer beherrscht diese Kunst, auch seine Mannschaft. „Wir schauen, wie viele Punkte es am Ende sind und ob es dann reicht oder nicht. In der Kabine diskutieren wir das nicht“, behauptete Torhüter Marco Hiller. „Wir gucken von Spiel zu Spiel“, hielt auch Biankadi verbal den Ball flach (anders als bei seinem Scherenschlag-Traumtor gegen Verl): „Vor zwei Wochen wurden wir totgesagt. Wir tun gut daran, weiter demütig zu sein. Nur übers Sprechen ist noch keiner aufgestiegen.“ Ganz im Sinne von Köllner, der nach dem Relax-Wochenende nur dem nächsten Gegner Aufmerksamkeit schenken will: „Wir haben am Freitag ein schweres Spiel in Berlin. Das gilt es, in den Fokus zu rücken und sich nicht mit irgendwelchen Themen zu beschäftigen, die erst am Ende der Saison relevant sind.“

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