Legende im tz-Interview

Glückwunsch: Radi (79) hat wieder geheiratet

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„Radi“ und seine Olga im Jahr 2005

München - Herzlichen Glückwunsch, Radi! Die Torwart-Legende (79) des TSV 1860 hat wieder geheiratet. Im tz-Interview spricht er über seine "Mimi" und seine Löwen.

Im Januar werden es fünf Jahre, dass seine Frau Olga an Krebs gestorben ist. Für Petar Radenkovic war es eine ganz, ganz schwere Zeit. Und viele Freunde hatten Angst, dass die Torhüterlegende des TSV 1860, 1966 mit den Löwen Deutscher Meister, diesen Schicksalsschlag nicht überwinden würde. Er hat es aber geschafft. Dank Slobodanka (63), die einige Zeit nach dem Tod von Olga seine Lebensgefährtin wurde. Und jetzt erst kam heraus, dass Petar (79) und seine „Mimi“, wie er Slobodanka liebevoll nennt, in diesem Jahr geheiratet haben. Der „Radi“ ist wieder glücklich. Die tz sprach mit ihm.

Glückwunsch Herr Radenkovic, mit der Hochzeit haben Sie sich ja ein schönes Weihnachtsgeschenk gemacht.

Radenkovic: Nein, nein. Mimi und ich haben bereits im April geheiratet. Aber nur standesamtlich in Belgrad.

Was Sie ja dann lange gut verheimlicht haben.

Radenkovic: Ach, das musste nicht sein, dass ich das an die große Glocke hänge. Nicht mal meine beiden Töchter waren dabei.

Wie haben Sie und Mimi sich denn kennengelernt?

Radenkovic: Kennen tun wir uns schon etliche Jahre. Aber ein Paar sind wir seit etwa vier Jahren. Nach dem Tod von Olga hielt ich mich wieder öfters in Belgrad auf, und da sind wir uns dann nähergekommen. Mimi tat mir in der schweren Zeit richtig gut.

Inwiefern?

Radenkovic: Wissen Sie, die ersten Monate ohne Olga waren richtig schlimm. Denn allein zu bleiben, ist das Allerschlimmste. Das wäre nicht mehr gegangen. Deshalb bin ich auch so froh, dass ich wieder eine Partnerin gefunden habe. Und dazu gehörte jetzt eben auch, dass ich wieder geheiratet habe. Jetzt bin ich wieder im realen Leben.

Glauben Sie, dass Ihre erneute Heirat auch im Sinne Ihrer verstorbenen Frau war?

Radenkovic: Das glaube ich sicher. Wenn es andersherum gewesen  wäre, hätte ich ihr das Gleiche empfohlen. Wie gesagt, es ist nicht gut, wenn man allein ist. Ich habe natürlich auch mit meinen Töchtern darüber gesprochen, ob sie damit einverstanden sind, dass ich noch mal heirate. Und sie haben gesagt, ja, mach’ es.

Wobei Sie mit damals 78 Jahren ein für einen Hochzeiter etwas ungewöhnliches Alter hatten...

Radenkovic: Ach, wissen Sie, heiraten kann man eigentlich in jedem Alter.

Wie sieht Ihr Leben an der Seite Ihrer neuen Frau jetzt aus?

Radenkovic:  Unser Lebensmittelpunkt ist inzwischen wieder meine Heimatstadt Belgrad, nicht mehr München. Ich habe in Belgrad ja noch viele Freunde, aber Mimi und ich sind auch viel auf Reisen. Wir waren zuletzt in Dubai. Oder sind nach Brüssel und London geflogen, wo die Töchter und Enkelkinder von Mimi leben.

Und was ist mit München? In Garmisch waren Sie ja im Mai, als Sie sich an der Hüfte operieren ließen. 

Petar Radenkovic als Meister 1966. Die 1860-Legende hat wieder geheiratet.

Radenkovic: Die Operation ist gut verlaufen, und natürlich komme ich öfters hierher, schließlich befindet sich das Grab meiner Frau in Unterhaching. Im Januar werde ich wieder da sein, und vor vierzehn Tagen war ich auch in München, um meine jüngere Tochter Darinka und ihre beiden Kinder zu besuchen. Leider fiel in diese Zeit kein Heimspiel der Löwen, das ich mir sonst natürlich gern angeschaut hätte. In dieser Saison habe ich nämlich noch kein Spiel live im Stadion gesehen.

Was sagen Sie zur Entwicklung beim TSV 1860?

Radenkovic: Diese vier Siege in Folge zuletzt haben mir wieder etwas Hoffnung gegeben, aber dann kam der Tiefschlag mit der Heimniederlage gegen den FC St. Pauli. Mit Friedhelm Funkel allerdings hat 1860 jetzt endlich einen guten und erfahrenen Trainer bekommen, deshalb sehe ich die Entwicklung positiv.

Halten Sie den Aufstieg für möglich?

Radenkovic: Nur wenn im Winter neue Spieler kommen. Die Mannschaft braucht unbedingt Verstärkungen, um eine reelle Chance zu haben.

Interview: tz

Olga war die Liebe seines Lebens

Nicht mal seine Freunde und Kollegen aus der Meistermannschaft haben Bescheid gewusst. „Was, der Radi hat wieder geheiratet?“, zeigte sich Fredi Heiß verdutzt, als er von der Hochzeit seines alten Kumpels erfuhr. „Das freut mich schon ungemein für ihn“, fügte Heiß dann hinzu. „Denn seine Mimi ist wirklich eine absolut tolle Frau. Ich habe sie ja schon kennengelernt. Und ich gratuliere den beiden aufs Allerherzlichste, dass sie diesen Schritt getan haben. Denn der Radi braucht einfach eine Frau an seiner Seite. Genauso wie ich übrigens wäre er ohne einfach hilflos. Seine Olga hat ja auch immer alles für ihn getan.“

Als „Radis“ Frau vor knapp fünf Jahren gestorben ist, war der Mann, den alle Fußballfans in den Anfangszeiten der Bundesliga stets nur als großen Spaßvogel und Entertainer auf und außerhalb des Fußballplatzes erlebt haben, total am Boden zerstört. Olga war die Liebe seines Lebens.

In einem Feriencamp von Roter Stern Belgrad hatten sich der Fußballer und die Basketballerin, die beide später auch in ihre Nationalmannschaften berufen wurden, 1952 kennengelernt. Im Sommer 1955 wurde geheiratet, erst mehr als 53 Jahre später wurde die Ehe durch Olgas Tod beendet.

Ihre letzten Monate verbrachte Olga in einem Münchner Krankenhaus, und so oft es ging saß der „Radi“ bei ihr am Krankenbett. In dem Wissen, dass es keine Hoffnung mehr geben und dass es bald zu Ende gehen würde.

Als es dann Ende Januar 2009 so weit war, rief Radenkovic bei Manni Wagner an. „Der Radi war kaum in der Lage mit mir zusprechen, als er mir die Nachricht von Olgas Tod mitteilte“, sagte sein langjähriger Mannschaftskollege und Weggefährte. Jetzt aber hat der 79-Jährige dank seiner neuen Liebe wieder Freude am Leben gefunden.

 

Quelle: tz

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