Volland: 18 Jahre, sieben Joker-Einsätze - und bald weg

München - Sturmtalent Kevin Volland ist wohl der Nächste, den die Löwen verkaufen müssen. Ernst Tanner will ihn nach Hoffenheim holen. Drei weitere Löwen sind dagegen nur schwer zu vermitteln.

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Miroslav Stevic ist manchmal nicht um seinen Job zu beneiden. Als Sportchef firmiert der Serbe offiziell beim TSV 1860, doch dieser Begriff ist irreführend. Chefs haben in der Regel einen gewissen Handlungsspielraum, Stevic hat diesen nicht - seine Arbeit besteht vereinfacht ausgedrückt darin, Spieler zu Geld zu machen, um dem Verein das Überleben zu sichern.

Um seinen aktuellen Auftrag ist Stevic nicht zu beneiden: Mit Beda, Cooper und Ghvinianidze soll er drei Besserverdiener von der Gehaltsliste bringen, die als schwer vermittelbar gelten - mit dem Sturmtalent Kevin Volland (18) muss er zudem ein weiteres Stück Zukunft verkaufen. Die wirtschaftliche Lage des Vereins zwingt ihn dazu. Bis kommenden Donnerstag will die DFL nachgewiesen haben, dass die Sechziger liquide genug sind, um die Saison zu Ende zu spielen. Es geht um 5,3 Millionen Euro.

Für Löwen-Fans bedeutet das, dass sie mal wieder tapfer sein müssen. Pünktlich zum Start ins erste Sanierungsjahr wurde der an Dortmund verkaufte Moritz Leitner zum Erzrivalen Augsburg umgeleitet. Jetzt steht der nächste 18- Jährige vor dem Absprung. Mit Volland ist ein ähnliches Modell wie mit Leitner geplant. 1899 Hoffenheim, das sich dank des Insiderwissens von Ernst Tanner (14 Jahre Jugendleiter bei 1860) bereits Peniel Mlapa zum Vorzugspreis geschnappt hat, will das Sturmtalent verpflichten, die Kraichgauer bieten eine Ablöse im hohen sechsstelligen Bereich - im Gegenzug soll der Bundesligist bereit sein, Volland noch ein, zwei Jahre an die Löwen auszuleihen.

Freiwillig geht Stevic so einen Deal nicht ein; ihm seien da, wie er seufzend einräumt, die Hände gebunden. „Das Wort Muss ist ein ständiger Begleiter bei uns“, klagt er. Mag der Geschäftsmann in Stevic auch sagen: Tolle Rendite, denn Volland bestritt erst sieben Zweitligaspiele für 1860, insgesamt 124 Minuten, nie von Beginn an. Der Fan und Förderer in Stevic denkt sich: Einem wie Volland hätte man gerne noch länger beim Erwachsenwerden zugeschaut. Cheftrainer Reiner Maurer hatte den Marktoberdorfer nach den jüngsten Ausfällen gerade zur ersten Einwechseloption erklärt.

Im Angebot: Beda, Cooper, Ghvinianidze

Nicht ganz so emotional wie die Sache mit Volland sehen die Bosse die drei anderen Fälle. Weder Kenny Cooper (zu verletzungsanfällig) noch Mate Ghvinianidze (zu partyanfällig) spielen eine Rolle in Maurers Plänen, der phlegmatische Mathieu Beda wurde bereits im Sommer zur U 23 abgeschoben. Cooper soll nun zurück in die USA wechseln, Ghvinianidze in das Herkunftsland des Wodkas (Stevic: „Es gibt Angebote aus Russland“), Beda ist bei Standard Lüttich ein Thema. „Diese drei Personalien wollen wir bis zum Rückrundenstart erledigen“, sagt Stevic. Vor allem die Personalie Coo-per (35 000 Euro Monatsgehalt) drängt, denn für den US-Stürmer ist noch eine Ablöserate an die Major League Soccer (MLS) fällig, angeblich 250 000 der ursprünglich vereinbarten 750 000 Euro. „Einen Großteil der Summe“, so Stevic, würde 1860 bei einem Rücktransfer einsparen. Laut www.fussballdaten.de gab es bereits eine Einigung mit den Portland Timbers.

Es sind kleine Erfolge wie diese, aus denen Stevic derzeit Motivation bezieht. Einmal, erzählt er, hat er es sich sogar erlaubt, stur zu sein. Der FC Ingolstadt wollte Stürmer Rakic verpflichten, bot sogar ein nettes Sümmchen, Stevic lehnte ab. Seine Begründung: „Wir brauchen wenigstens zwei gestandene Stürmer.“ Dass somit alle Stammspieler an Bord bleiben, ist für die Fans zumindest ein kleines Trostpflaster.

Rubriklistenbild: © getty

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