Schalker hat viel Sympathie für die Löwen

Potofski: "1860 ist der beste Klub der Welt"

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Reporter-Legende Ulli Potofski.

München - Sky-Reporter Ulli Potofski macht aus seinem Herzen keine Mördergrube und offenbart: Er hängt an den Löwen. Woher diese Leidenschaft kommt und ob er noch an den Klassenerhalt, verrät er im tz-Interview:

Als er am Samstag die Partie der Löwen in Braunschweig (0:2) für Sky kommentierte, machte Ulli Potofski am Mikrofon wieder mal kein Hehl daraus, welche Sympathien er dem TSV 1860 entgegenbringt. Da war die Rede von „einem der berühmtesten Vereine Deutschlands“, oder dass es sich um den „weitaus traditionsreicheren Klub aus der bayerischen Landeshauptstadt“ handele, „auch wenn es dort noch einen Verein gibt, dessen Namen ich hier nicht nennen will“. Woher kommt diese Zuneigung von einem Mann, der in Gelsenkirchen geboren ist und dessen Herzensverein ja eigentlich Schalke 04 heißt? Die tz fragte nach.

Herr Potofski, erklären Sie uns bitte, was Sie am TSV 1860 so mögen.

Potofski: Das rührt natürlich von den alten Zeiten her. Ich bin Jahrgang 52 und habe in den Sechzigerjahren die ganz große Mannschaft der Löwen erlebt. Grosser, Patzke, Heiß, Bründl und wie sie alle hießen. Und natürlich der „Radi“ im Tor. Er war der Neuer der Sechzigerjahre. 1990 habe ich mit einigen Kollegen einen Rap-Sampler aufgenommen, in dem ich seinen Hit Bin i Radi, bin i König untergebracht habe. Bernd Patzke habe ich später sogar selbst näher kennengelernt, als ich bei RTL mit ihm zusammengearbeitet habe. Aber er hat dann schnell gemerkt, dass das Ganze für ihn wohl doch nicht so das Wahre ist. Und natürlich hat auch die Farbe eine Rolle gespielt: Die Löwen waren blau, so wie Schalke. Aber Sechzig hatte damals weitaus mehr Erfolg, ich denke nur an das Europacup-Finale gegen West Ham United 1965, damals haben wir aus dem Ruhrgebiet schon recht anerkennend nach München geblickt.

Sie haben sogar mal während einer Übertragung eines Zweitligaspiels gesagt, dass Sie damals gedacht hätten, 1860 sei „der beste Verein der Welt“…

Potofski: Als Junge mit dreizehn, vierzehn siehst du manches noch anders. Aber wenn ein deutscher Klub vor 100 000 Menschen im Wembley-Stadion ein Finale bestreitet, dann kommt man in diesem Alter schon auf solche Gedanken.

Das mit dem „besten Verein“ hat sich mittlerweile ja erledigt…

Potofski: Ja, leider. Aber ich habe nach wie vor ein Herz für solche Vereine, mit denen es das Leben jetzt nicht so gut meint. Da ist natürlich auch viel ­Nostalgie dabei. Vor Kurzem hatte ich in dieser Hinsicht übrigens ein besonderes Erlebnis.

Ja?

Potofski: Am Gründonnerstag war ich in München und ging in der Nähe des Hofbräuhauses spazieren. Da sah ich einen Bettler sitzen, der hatte ein Löwen-Käppi auf. Sofort kamen wieder alte Erinnerungen auf, und ich habe dem Mann fünf Euro gegeben. Ein paar Meter weiter standen übrigens die Menschen Schlange vor dem Bayern-Fanshop zum Einkaufen. Um einen reichen Verein noch reicher zu machen…

Mross, Snoop Dogg, der Kaiser: Diese Promis sind 1860-Fans

TSV 1860 München, Promi, Fans
Der TSV 1860 ist einer der Traditionsvereine in Deutschland. Nicht nur deshalb haben auch viele Prominente ihr Herz an die Löwen verloren. Wir zeigen eine Auswahl. © sampics
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Seit dem 3. September 2014 ist der heilige Vater ein echter Löwe. Papst Franziskus ist seither Ehrenmitglied bei 1860. Ob der Argentinier wirklich ein Fan ist, ist nicht überliefert... © dpa
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In seiner Paraderolle als Fonsi, dem grantelnden Kassenwart von Schloss Neuschwanstein, passt Kabarettist Christian Springer (r., hier mit Ex-Löwe Daniel Bierofka) perfekt zu 1860. Logisch, dass sein Herz weiß-blau schlägt. © Stefan Matzke / sampics
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Hier sehen wir Christian Springer (l.) mit seinem Kabarett-Kollegen Michael Altinger. Auch er ist ein Löwe durch und durch. Seit Oktober ist er Mitglied bei Sechzig. "Es wurde Zeit, dies auch endlich einmal formal zu erledigen", sagte er damals. © dpa
1958 wäre der Kaiser beinahe zum TSV 1860 gewechselt, doch wegen einer Ohrfeige eines Löwen-Jugendspielers ging er zum FC Bayern. Dennoch sympathisiert Franz Beckenbauer mit Sechzig, ist sogar Mitglied im Verein. © dpa
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Er ist Löwenfan durch und durch – und er hat es auch schriftlich. Auf dem neuen Personalausweis von Bayern2-Moderator Achim Bogdahn prangt seit Juni 2014 der Künstlername "Sechzig". Mehr Löwe geht nicht! © Privat
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Kennen Sie den noch? Der Mann in gelb ist Flat Eric, der im Jahr 1999 durch den Song "Flat Beat" europaweit bekannt wurde. Der Mann, der hinter Flat Eric steckt, ist großer Löwen-Fan. © Stefan Matzke / sampics
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Zwei Drittel der Germeringer Band Sportfreunde Stiller sind den Löwen zugewandt. Während Peter Brugger (Mitte) den Bayern die Daumen drückt, sind Florian Weber (l.) und Rüdiger Linhof (r.) echte Sechziger. © picture-alliance / dpa
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Der 20. November 2013 war ein traurigs Datum für die Löwen: Kabarettist Dieter Hildebrandt (Mitte), ein glühender Sechzig-Fan, starb im Alter von 86 Jahren. Die Fans in der Nordkurve würdigten ihn mit einem Spruchband: "Ein großer Löwe verlässt die Bühne..." © sampics
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Der Obststandl-Didi ist Kult in München! Dieter Schweiger ist Inhaber des Obststandes an der Ludwig-Maximilians-Universität und macht keinen Hehl daraus, ein echter Sechziger zu sein. © Westermann
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Was viele nicht wissen: Tatort-Kommissar Horst Schimanski war ein Löwe! Schauspieler Götz George war seit dem 13.08.1986 Lebensmitglied beim TSV 1860. Bei seinem Tod trauerte natürlich auch die Löwen-Familie. © dpa
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TV-Moderator Werner Schulze-Erdel wurde durch die tägliche RTL-Gameshow Familien-Duell bekannt, von der er von 1992 bis 2003 insgesamt 2275 tägliche Sendungen sowie zahlreiche Spezialausgaben moderierte. Zuvor war von 1982 bis 1991 Stadionsprecher der Löwen - das verbindet! © Jantz
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Fernseh-Moderatorin Isabella Müller-Reinhardt ist gebürtige Münchnerin und drückt den Löwen die Daumen. © MIS
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Eishockey-Torhüter Markus Janka (r.) wurde 2014 sensationell mit dem ERC Ingolstadt deutscher Meister. Doch im Training taucht der gebürtige Wolfratshausener gern im 1860-Pulli auf. Mittlerweile spielt er für Schwenningen. Seine Rückennummer: Klar, die 60! © picture alliance / dpa
Eishockey-Nationalspieler Korbinian Holzer ist gebürtiger Münchner, spielt aber seit 2013 für das NHL-Team der Toronto Maple Leafs. Sein fußballerisches Herz gehört 1860. "Ich bin froh, dass ich ein paar Spiele anschauen kann, wenn ich da bin", sagte er vor kurzem gegenüber dem Münchner Merkur. © picture alliance / dpa
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Das war ein Hingucker: 2008 präsentierte sich US-Rapper Snoop Dogg bei einem Konzert in München in einem Löwen-Trikot. Seither nennen wir ihn gerne "Snoop Lion". © dpa
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Ganze 18 Jahre war er Dritter Bürgermeister von München, Löwen-Präsident war Hep Monatzeder allerdings nur etwas mehr als drei Monate. Sein Herz schlägt aber noch immer weiß-blau. © dpa
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Sky-Kommentator Fritz von Thurn und Taxis ist berühmt für sein "Heidewitzka" und "Huiuiui" während Fußball-Spielen. Privat drückt er den Sechzigern die Daumen. © Götzfried
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Michael Lerchenberg ist vielen Münchnern vor allem Dank seiner Rolle des "Bruder Barnabas" auf dem Nockherberg ein Begriff. Er weiß: "1860, das ist Tradition pur, das ist Kultur. Das ist der Verein der Münchner – während der FC Bayern ja eher ein Verein des Umlandes ist." © sampics
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James-Bond-Bösewicht Götz Otto kommt zwar eigentlich aus Hessen, wohnt aber in München und ist bekennender 1860-Fan. © picture alliance / dpa
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Dieser 1860-Fan sorgte im Frühjahr 2004 für richtig Wirbel: Als Vizepräsident der Löwen verkündete CSU-Politiker Hans Zehetmair (r.) vorzeitig die Entlassung von Trainer Falko Götz (Mitte) - doch der wusste von nichts. © Stefan Matzke / sampics
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Ottfried Fischer ist der wohl mitunter prominenteste Fan der Löwen überhaupt. Seit seiner Parkinson-Erkrankung sieht man den Niederbayer allerdings nicht mehr so oft in der Öffentlichkeit. © Stefan Matzke / sampics
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Volksmusikstar und TV-Moderator Stefan Mross ist gebürtiger Traunsteiner. Beim Fußball drückt er aber den Münchner Löwen die Daumen. © dpa
Schauspielerin Monika Baumgartner wurde in den 1980er Jahren durch ihre Rolle im Zweiteiler „Die Rumplhanni" und in der Serie „Der Millionenbauer" bekannt. Später spielte sie unter anderem im „Tatort", „Der Bergdoktor", „Derrick" oder „Heiter bis tödlich" mit. Die gebürtige Münchnerin fiebert seit ihr Kindheit mit Sechzig. © picture alliance / dpa
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Klaus Toppmöller gab einst zu, dass er als Neunjähriger zu Weihnachten ein 1860-Trikot geschenkt bekam. Zu einem Engagement an der Grünwalder Straße hat es für den Fußballlehrer aber nie gereicht. © picture-alliance/ dpa/dpaweb
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Er hielt jahrelang die weiß-blaue Fahne im Rathaus hoch und musste sich regelmäßig bei den Bayern-Meisterfeiern ein gellendes Pfeifkonzert anhören. Ex-Oberbürgermeister Christian Ude ist Löwen-Fan, doch wegen seiner Ablehnung eines 1860-Stadions ist er in der Beliebtheit bei den Blauen deutlich gesunken... © Stefan Matzke / sampics-tz
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Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) hat zwei Markenzeichen: Zum Einen seine Augenbrauen, zum anderen sein Herz für den TSV 1860. © picture-alliance / dpa
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Der Ur-Münchner und einstige Publikumsliebling spielt mittlerweile für die Frankfurter Eintracht, doch Stefan Aigner macht keinen Hehl daraus, dass sein Herz immer noch für 1860 schlägt - trotz Adler auf der Brust. © MIS
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Franz Maget (l.) gesellt sich in die Reihe von Politikern, die Löwen-Fans sind und eine Position im Verein bekleideten. Er war Vizepräsident seines Herzensvereins. © MIS
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Von 1974 bis 1981 war CSU-Politiker Erich Riedl Präsident des TSV 1860. Allerdings verschuldete er den Verein dermaßen, dass Sechzig die Lizenz verlor und in die Bayernliga musste. © Westermann Michael
TSV 1860 München, Promi, Fans
Schlager-Star Michael Holm schrieb extra zum 150. Geburtstag der Löwen seinen Hit "Mendocino" um und sang stattdessen "60 München" - was für eine Geste für seine Löwen! © Jantz Sigi

Zur Löwen-Nostalgie gehört natürlich auch das Stadion an der Grünwalder Straße. Im Fall des Abstiegs ziehen die Löwen möglicherweise wieder dorthin um. Was halten Sie davon?

Potofski: Ich war in früheren Jahren auch ein paarmal drin. Allein die Anzeigetafel mit der Uhr – das hat was. Wenn es so weit kommen sollte mit der Dritten Liga, was ich nicht hoffe, dann hätten Spiele in diesem Stadion schon einen gewissen Charme und wären von der Atmosphäre her eine Alternative zum FC Bayern.

Glauben Sie denn noch an den Klassenerhalt der Löwen?

Potofski: Wenn sie weiterhin so spielen wie in der ersten Halbzeit in Braunschweig, dann wird’s unendlich schwer. Aber ich glaube dennoch, dass sie es mit Hängen und Würgen schaffen werden.

Und dann?

Potofski: Es ist schon erstaunlich, was bei 1860 in den vergangenen Jahren schiefgelaufen ist. Aber ich bin nicht nah genug dran, um beurteilen zu können, warum und was man anders machen müsste. Aber der Verein hat immer noch Potenzial und Ausstrahlung. Da müsste eigentlich was gehen, wenn kluge Menschen am Werk sind.

Wer war eigentlich Ihr Lieblingsspieler?

Potofski: Rudi Brunnenmeier. Ein richtiger Torjäger. Augen zu und drauf. Ein Typ, den ich einfach mochte.

Interview: tz

Quelle: tz

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