Vom Stimmungsmacher zum Bundesliga-Star

Ex-Hachinger Niederlechner: So wurde er vom FCB- zum 1860-Fan

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Freiburgs Stürmer Florian Niederlechner (li.) hat sich bis in die Bundesliga hochgekämpft. 

Florian Niederlechner hat sich von Hohenlinden bis in die 1. Bundesliga zum SC Freiburg hochgekämpft. Bei Fussball Vorort spricht der 28-Jährige über seine außergewöhnliche Karriere. 

In seiner Heimat steht Florian Niederlechner ausnahmsweise mal nicht auf dem Platz. Dort ist er an der Seitenlinie im Sportpark in Hohenlinden und schaut seinen ehemaligen Teamkameraden beim Spiel zu. Hier hat vor über zwanzig Jahren seine fußballerische Laufbahn angefangen. Statt Kreisliga spielt er heute aber in der ersten Bundesliga für den SC Freiburg vor tausenden Stadionbesuchern.

„Ich bin Sechzger durch und durch“

Niederlechner ist gebürtiger Ebersberger. Mit bayrischem Zungenschlag beantwortet er die Fragen im Interview mit Fussball Vorort. Von Tag eins an war der Ball einer der treuesten Begleiter des Bundesliga-Stars. Nicht nur der Ball spielt im Leben des Stürmers eine besondere Rolle, auch der TSV 1860, obwohl Niederlechner ursprünglich ein Anhänger des FC Bayern war. „In meiner Nachbarschaft waren viele Jungs, mit denen ich oft Fußball gespielt habe“, erinnert sich der Freiburg-Profi. „Ich kam einmal mit meinem Bayern-Trikot an, aber dann wollten sie mich nicht mehr mitspielen lassen. Ab dem Zeitpunkt bin ich dann TSV-1860-Fan geworden.“

Umso schöner war die Nachricht für Niederlechner, der „durch und durch Sechzger ist“, als die Münchner Löwen ihn in ihrer Jugendmannschaft haben wollten.

„Ich habe keinen Gedanken mehr an eine Profikarriere verschwendet“

Dennoch blieb der Hohenlindner dort nur von 2002 bis 2006, da er als zu klein und zu langsam abgestempelt wurde. Niederlechner schlug das Angebot der SpVgg Unterhaching aus und wechselte stattdessen zum Nachbarverein des SVH. „Ich wollte damals eher wieder Richtung Heimat zu meinen Freunden.“ So entschied er sich für den TSV Ebersberg. Das Kapitel Profisport war vorerst abgehakt. „Da habe ich dann keinen Gedanken mehr daran verschwendet.“

Mit 16 Jahren begann Niederlechner seine Ausbildung zum Industriekaufmann in Markt Schwaben. Um Sport und Arbeit zu verbinden, wechselte er nach zwei Jahren in Ebersberg zum FC Falke Markt Schwaben und fasste dort bei den Herren Fuß. Das Kicken verkam zum Hobby, denn der Fokus lag zunächst auf dem Job. „Das hat mir richtig Spaß gemacht. Ich habe mich richtig wohl dort gefühlt.“

„Flo war bei uns der Stimmungsmacher, der freche Hund“

Beim damaligen Landeslligisten begann sein Aufstieg. Die nächste Station war Bayernligist FC Ismaning. Dort verdiente er sich etwas Geld dazu und spielte für seine Fußballkarriere eine entscheidende Saison. Mit Anfang 20 schoss Niederlechner mit seinen 19 Toren in 34 Spielen den FCI zur Meisterschaft. „Wir waren mit Abstand die beste Mannschaft der Liga und hatten die besten Einzelspieler. Mijo Stijepic hat mir unfassbar geholfen.“

Der heutige Coach des FCI selbst gibt das Lob an seinen ehemaligen Sturmpartner zurück. „Niederlechner hat ein sehr gutes Näschen und steht immer goldrichtig. Wenn ich ihm helfen konnte, freut mich das. Insgesamt hat sich der Junge jedoch selbst am meisten geholfen.“

Auch Ex-HSV-Stürmer und damaliger FCI-Coach Frank Schmöller spricht in höchsten Tönen vom Hohenlindner. „Gleich beim Probetraining hat er seine außerordentlichen Fähigkeiten gezeigt. Allerdings hat er auch sechs Kilo zu viel gewogen. Er musste abnehmen.“ Dass Niederlechner das Wunschgewicht erreichte, zeigte eine der größten Stärken des Stürmers. „Er war positiv drauf und hat Ratschläge immer angenommen.“ Auf die Frage, wie der Bundesliga-Star damals neben dem Platz getickt hat, lacht der Coach. „Flo war bei uns der Stimmungsmacher, der freche Hund. Genau wie er auch frech auf dem Platz ist.“

„Ich habe immer gehofft, dass der TSV 1860 München anruft“

Dass Unterhaching den Hauptsponsor verlor, war für Florian Niederlechner ein Glücksfall. Die SpVgg war auf günstige Alternativen aus der Region angewiesen. 

So trug Niederlechner ab 2011 das Trikot des Drittligisten. „Unterhaching hat mich richtig geformt und Manni Schwabl (Präsident der SpVgg Unterhaching, Anm. d. Red.) hat immer zu mir gehalten.“ Zwar hatte Niederlechner ein kleines Tief in der Rückrunde der ersten Saison, erhielt aber in der zweiten Spielzeit deutlich mehr Einsätze (22) und zahlte es mit acht Toren zurück. Eine Zeit, an die er sich auch heute noch „sehr gerne“ zurückerinnert. „Ich hoffe unbedingt, dass Unterhaching aufsteigt, weil wenn es einer verdient hat, dann Manni Schwabl.“

Allerdings legt der 1,87-Mann auch ein Geständnis ab: „Als ich in Haching war, habe ich immer gehofft, dass vielleicht der TSV 1860 München anruft. Im Profibereich kam das dann leider nicht zustande.“

„Es war sportlich gesehen keine glückliche Zeit“

In Heidenheim hatte Niederlechner das Glück, dass Frank Schmidt stark auf ihn setzte. Ein Gegensatz zu seiner Zeit bei Mainz 05, wo er erstmals Luft in der 1. Bundesliga schnuppern durfte (2015/2016). „Ich bin ein Spieler, der Vertrauen braucht, was ich dort nicht bekommen habe. Es war sportlich gesehen keine glückliche Zeit.“ Dennoch sei der Wechsel nach Mainz keine falsche Entscheidung gewesen. „Menschlich war es eine super Mannschaft, ich habe mich dort trotzdem wohlgefühlt. Im Nachhinein war es gut zu sehen, wie es ist, wenn es mal nicht so gut läuft.“

Bereits zur Rückrunde ging Niederlechner in die zweite Liga zum SC Freiburg. Erst per Leihe, später verpflichten ihn die Breisgauer fest. Auch wenn es am Anfang kleine Kommunikationsprobleme gab. „Mit der Zeit habe ich gelernt, ein bisschen Hochdeutsch zu reden. Es hört sich zwar nicht sehr gut an, aber meine Mitspieler haben sich auch sehr bemüht“, schmunzelt er. „Den Trainer habe ich nicht immer verstanden, wenn er so richtig badisch geredet hat, aber mit der Zeit habe ich mich sehr daran gewöhnt.“

Dort stieg dann auch wieder das Selbstvertrauen Niederlechners. Er war einer der entscheidenden Faktoren auf dem Weg zur Meisterschaft des SCF in der zweiten Liga. „Das Wichtigste, was man nicht ersetzen kann, sind Tore. Es lief dann einfach.“

Die schnellste gelbe Karte in der Geschichte der 1. Bundesliga

Auch wenn Niederlechner eher ein Spätzünder ist, schnappte er sich doch einen Rekord in der 1. Bundesliga. Nach nur acht Sekunden sah der Stürmer der Freiburger im Match gegen seinen Ex-Verein Mainz 05 die gelbe Karte. „Da werde ich leider sehr oft darauf angesprochen“, lacht er. „Beim Spaziergang vor dem Spiel hat mich der Trainer noch gewarnt, dass ich nicht zu motiviert bin. Es war ja keine Absicht, es war einfach ein Zweikampf.“

Allerdings musste Niederlechner im vergangenen Jahr zwei große Rückschläge einstecken. Im November 2017 zog er sich eine Knieverletzung zu und pausierte sieben Monate. Kurz nach dem Saisonstart in dieser Spielzeit folgten die nächsten Beschwerden - Sprungelenksverletzung. Nochmal sieben Wochen Pause. So etwas schafft aber auch eine ungeahnte Freizeit. „Ich war viel daheim, habe viel Zeit mit Familie und Freunden verbracht.“

Die genaue Rückkehr ist noch unbekannt, allerdings saß Niederlechner gegen Werder Bremen immerhin schon wieder auf der Bank. „Das Sprunggelenk macht keine Probleme mehr, ich bin schmerzfrei. Ich kann der Mannschaft hoffentlich bald wieder helfen“, sagt er. Zwar bedeutet das weniger Besuche beim SV Hohenlinden mit einer Bratwurst in der Hand, aber auch wieder die ganz große Fußballbühne.

Jan Ahrens

Quelle: tz

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