Von Linde - die Abrechnung!

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"Ich hätte Ziffzer am ersten Tag feuern sollen". Albrecht von Linde.

Der Neuanfang ist gemacht. Mit Rainer Beeck, Dr. Michael Hasenstab und Franz Maget haben die Löwen ein Präsidium, dem die Unterstützung beider Fanlager sicher ist.

Auf der Strecke blieben Karsten Wettberg und Dr. Albrecht von Linde. Während Ersterem am Montag zumindest ein Posten im Aufsichtsrat angeboten wurde, ist der Ex-Präsident raus bei 1860. Der tz gab von Linde ein Abschieds-Interview, das an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Feuer frei!

Herr von Linde, am Montagabend traten Sie als Präsident des TSV 1860 zurück. Was überwiegt nach 14 Monaten Amtszeit: die Erleichterung oder der Zorn?

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von Linde:Die Erleichterung. Man muss zu diesen 14 Monaten ja auch noch den langen, quälenden Wahlkampf zählen. Das war alles schon sehr beanspruchend. Ich bin mit Gedanken an 1860 aufgewacht und ins Bett gegangen.

Fühlen Sie sich abgeschoben?

von Linde:Nein. Ich hatte ohnehin vor, zum Ende des Geschäftsjahres am 30. Juni zurückzutreten oder spätestens Ende September. Jetzt hatte sich eben früher eine neue Mannschaft formiert, da hätte es keinen Sinn mehr gehabt, weiterzumachen.

Was bleibt nach 14 Monaten Linde-Präsidentschaft?

von Linde:Ich denke, dass ich vor allem zwei Dinge für mich reklamieren kann. Erstens: Ich habe das 150 000-Euro-Loch im Budget des e.V. gestopft und damit indirekt auch die KGaA vor der Insolvenz gerettet. Und zweitens: Mit mir und Karsten Wettberg ist 1860 beim Kampf um den Erhalt des Grünwalder Stadions erheblich vorangekommen.

Was waren rückblickend Ihre größten Fehler?

von Linde:(lacht) Der größte Fehler war wohl, dass ich Herrn Ziffzer nicht schon am ersten Tag gefeuert habe. Damit hätten wir klare Verhältnisse gehabt. Das ging aber nicht, weil die NF-Bank gedroht hat, für diesen Fall unsere Kreditlinie zu kündigen. Ein zweifelhaftes Geschäftsgebaren.

Was war Ihr Kernkonflikt mit Ziffzer?

von Linde:Ich habe immer darauf gedrängt, das Minus im KGaA-Budget von der Kostenseite her anzugehen, er wollte nur die Erlösseite betrachten. Daran hat sich alles immer wieder entzündet.

Der Finanzausschuss hat festgestellt, dass es kein Einsparpotenzial gab…

von Linde:Da wurde nicht alles genau erörtert. Fakt ist, dass 1860 bei rund 24 Millionen Euro Ausgaben rund 21 Millionen Euro Einnahmen hat. Und Fakt ist zum Beispiel auch, dass 1860 in der Verwaltung mit über 30 Leuten rund doppelt so viel Personal hat wie vergleichbare Zweitligisten. Da gäbe es Einsparpotenzial. Aber es ist klar, dass sich mit zwei Politikern im Präsidium und Aufsichtsrat, die sich noch dazu im Wahlkampf befinden, Themen wie Personalabbau schwer anfassen lassen.

Sie sind nach wie vor der Meinung, dass sich das kalkulierte Minus von drei Millionen Euro durch Kostenreduktion erheblich vermindern ließe?

von Linde:Ja, der Meinung bin ich. Wenn man alles anfassen würde, könnte man bei den Kosten erheblich runterkommen. Ich habe es bei der Sanierung des e.V. vorgemacht.

Ihr Nachfolger als Präsident, Rainer Beeck, sieht das Potenzial von 1860 wie Ziffzer in der Steigerung der Einnahmen und der Kapitalakquise.

von Linde:Natürlich braucht 1860 Investoren. Aber es kann doch nicht sein, dass das meiste Geld erst mal zum Löcherstopfen verwendet werden muss. Und darüber hinaus kann ich Herrn Beeck und seinem Team nur raten: Schaut euch die Investoren genau an.

Heißt konkret?

von Linde:1860 braucht keinen Investor, der schnell Geld reinschießt, um sich mit einer schönen Rendite noch schneller wieder zu verabschieden. Was 60 braucht, ist ein langfristiger unternehmerischer Partner wie ihn Bayern mit adidas hat.

Ist so ein Partner denn in Sicht?

von Linde:Von den drei Investorengruppen, die Interesse an 1860 haben, ist eine dabei, die meinen Vorstellungen entspricht.

Auch Beeck will keine Finanz-„Heuschrecken“.

von Linde:Ich hoffe für 1860, dass wir denselben Heuschrecken-Begriff haben.

Zurück zu Ihren Fehlern. Haben Sie das Konfliktpotenzial bei 1860 generell unterschätzt?

von Linde:Das habe ich – leider. Diese Intrigen, die in manchen e.V.-Abteilungen gegen mich gesponnen wurden, habe ich nicht für möglich gehalten. Ein Peter Lutz (Aufsichtsratschef des e.V., d. Red.) zum Beispiel. Der Mann hat sich auf unserem Ticket ins Gremium geschlichen und sich dann sofort um 180 Grad gewendet und permanent gegen Karsten Wettberg und mich agiert und intrigiert. So etwas empfinde ich als charakterlich minderwertiges Handeln. Ich könnte da nicht mehr in den Spiegel schauen.

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Ärgert es Sie, dass Ziffzer mit seiner „Fisch-Kopf-Schande“-Rede letztlich das erreicht hat, was er wollte: Ihren Sturz?

von Linde:Ach, diese Ausfälle haben meine Amtszeit ja nur ein bisschen verkürzt. Ich denke, dass sein Schaden größer ist. Er verliert zwei Jahre Gehalt und sein Ruf in der Wirtschaft ist nachhaltig ramponiert.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

von Linde:Alles Glück dieser Welt, das er auch brauchen wird.

Wie werden Sie 1860 weiter verfolgen?

von Linde:Mit großem Interesse, aber nie mehr in der Allianz Arena.

Warum das?

von Linde:Jetzt kann ich’s ja sagen: Es hat mich immer Überwindung gekostet, dieses Bauwerk zu betreten. Für mich ist die Arena ein architektonischer Bastard. Von Außen futuristisch, innen eine Mischung aus IKEA und McDonald’s mit massiven baulichen Fehlern. Wie man so viel Geld für so etwas Mittelmäßiges ausgeben kann, das wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben.

Die Löwen-Führung

Die Löwen-Führung © dpa/sampics/Jantz
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Der Präsident: Rainer Beeck (46), Prokurist der Flughafen München GmbH, Klubmitglied seit Dezember 2005, will Ruhe bei den Löwen reinbringen. Dem Fahrer eines roten (!) Porsches werden Macher-Qualitäten nachgesagt. © sampics
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Der Vize: Michael Hasenstab (38), Volkswirt, selbstständiger Investmentbanker und Enkel des Ex-Löwen-Spielers Adolf Hasenstab. In den letzten zwei Jahren schon beratend tätig. © sampics
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Der EX-Vize: Franz Maget (54), Chef der Münchner SPD und der SPD-Landtagsfraktion. Seit September 2007 Vizepräsident, trug die fristlose Entlassung von Geschäftsführer Stefan Ziffzer mit. © dpa
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Der Geschäftsführer: Stefan Reuter (41), Fußball-Weltmeister 1990. Seit Januar 2006 hauptamtlich bei den Löwen, seit dem Ziffzer-Rauswurf der starke Mann im operativen Geschäft. Muss jetzt seine Klasse beweisen. © dpa
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Der Aufsichtsrats-Boss des Vereins: Prof. Dr. Peter Lutz (51), Rechstanwalt in einer Münchner Kanzlei mit den Schwerpunkten Urheber- und Verlagsrecht, Presse- und Multimediarecht. Seit Dezember 2006 im Amt. © sampics
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Der Aufsichsrats-Boss der KGaA: Christoph Öfele (40), Sachverständiger für geschädigte Kapitalanleger. Seit Dezember 2006 im Amt. Mitglied auf Lebenszeit. © Sigi Jantz
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Der Oberbürgermeister: Christian Ude (60), Mitglied in den Aufsichtsräten von Verein und KGaA. © dpa
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Der EX-Vize-Präsident: Karsten Wettberg, führte die Löwen als Trainer in der Saison 1990/1991 in die zweite Liga und verdiente sich dadurch den Fan-Titel "König von Giesing". © Schlaf
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Der EX-Präsident: Dr. Albrecht von Linde war von März 2007 bis Mai 2008 im Amt. Er musste als Folge der Führungskrise seinen Hut nehmen. © sampics
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Der EX-Geschäftsführer: Dr. Stefan Ziffzer ist am 11. Mai 2008 der Kragen geplatzt. In seiner Wut-Rede am 11. Mai 2008 attackierte er das Präsidium. Das kostete ihn seinen Job. © sampics
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Der Trainer: Marco Kurz. Der Löwen-Coach übernahm den Posten von Walter Schachner. In seiner ersten Trainersaison führte er das Profi-Team auf Platz 8, im zweiten knapp am Abstieg vorbei. © dpa
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Das Maskottchen: Der Löwe steht vor der Geschäftsstelle und ist unverwüstlich, unumstritten, unentlassbar, chaosresistent und der einzige Löwen-Offizielle, dem noch keiner die Schuld am Niedergang gegeben hat. © dpa

Löwen-Kurz-News:

Wettberg, bleib!

Natürlich freut es auch Thomas Miller, dass die Löwen nun ein von beiden Fanlagern akzeptiertes Präsidium haben. Dennoch bleiben Sorgen: „Wenn man sich die Gremien anschaut, dann fällt auf, dass es jetzt nur noch Leute aus der Wirtschaft und Politik gibt und keinen mehr aus dem Fußballgeschäft“, sagt Miller, der deshalb für einen Aufsichtsrat Karsten Wettberg plädiert: „Ich hab’ ihm am Telefon gesagt: ,Karsten, bitte bleib! Einen Fußballer braucht der Aufsichtsrat mindestens.‘“ Wettberg will sich bis Montag entscheiden.

Türker zu 1860?

Wird Torjäger Suat ­Türker von Absteiger ­Offenbach ein Löwe? Laut goal.com ist an dem 32-Jährigen neben dem FSV Frankfurt auch 1860 interessiert.

Quelle: tz

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