Die Vertretung der Vertretung

Oliver Beer: Trainer auf Zeit beim TSV 1860 München

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Boss für zwei Tage: Co-Trainer Beer (l.) vertritt Chef Bierofka (nicht im Bild) und Sportdirektor Gorenzel (r.). 

Während Daniel Bierofka seine Ausbildung zum Fußballlehrer durchläuft, frischt Vertreter Gorenzel seine Lizenz auf. Dadurch trainiert Co-Trainer Oliver Beer aktuell die Münchner Löwen.

München – Am Sonntag ist es Daniel Bierofka besonders schwer gefallen, in den Zug zu steigen. Er pendelt ja schon seit ein paar Wochen in die kleine nordrhein-westfälische Stadt Hennef, wo er sich zum Fußballlehrer ausbilden lässt. Dieses Mal war es aber anders. Der Cheftrainer musste seine Mannschaft, den TSV 1860, verlassen – einen Tag, nachdem sie in Kaiserslautern das erste Spiel in der dritten Liga mit 0:1 verloren hatte. Er sagte: „Nach einer Niederlage ist das immer schwierig.“

Nun hat sich der Verein für diesen Fall vorbereitet. Er hat seinen Sportdirektor Günter Gorenzel, der die Fußballlehrer-Lizenz bereits seit 2015 besitzt, zum ständigen Vertreter ernannt. Das Problem ist nur: Auch Gorenzel fehlt. In Dresden frischt er bis Mittwoch seine Lizenz auf. Um die Löwen für das erste Heimspiel gegen die Sportfreunde Lotte (Samstag, 14 Uhr) einzustellen, rückt heute und morgen also ein dritter Mann in die Verantwortung: Co-Trainer Oliver Beer.

Auf den ersten Blick ist Beer, 38, am Samstag nur aufgefallen, wenn er seinem Chef am Spielfeldrand etwas ins Ohr geflüstert hat. Wer seine Handschrift sucht, muss die Ecken und Freistöße genauer betrachten. Beer denkt sich beim TSV die Strategien für Standards aus. In Kaiserslautern fiel etwa auf, dass die Löwen die tornahen Situationen stets mit elf Mann im eigenen Strafraum verteidigten.

In Abstimmung mit Daniel Bierofka treibt Beer bis Mittwoch nun Entwicklungen voran, die eigentlich nicht in seinen engen Kompetenzbereich fallen. Er wird mit der Viererkette arbeiten, die am Samstag immer mal wieder in Schwierigkeiten geraten war – vor allem, nachdem Innenverteidiger Jan Mauersberger zur Halbzeit mit Rückenproblemen ausgewechselt werden musste. „Er hat jeden Kopfball gewonnen“, sagte Bierofka, „er hat uns dann schon gefehlt.“ Heute soll er aber wieder trainieren.

Das gilt auch für Stefan Lex, der am Samstag einen Schlag aufs Knie erhalten hatte. Der frühere Bundesliga-Stürmer war in seinem ersten Spiel für 1860 nur eingewechselt worden. „Lexi braucht noch ein bisschen“, sagte Bierofka. Er halte das für ganz normal, weil Lex für seinen alten Verein, den FC Ingolstadt, kaum noch gespielt hatte. „Er muss die Überzeugung in sich selbst finden.“ Lex’ Fähigkeiten könnte der Trainer gut gebrauchen. Schon am Samstag hatte er angemerkt: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir uns im Eins-gegen-Eins mehr zutrauen.“

Daniel Bierofka muss noch bis Donnerstag warten, um seinen Spielern solche Botschaften wieder persönlich zu vermitteln. Jetzt, da seine Mannschaft in die 3. Liga eingetaucht ist, wird sich zeigen, wie sehr ihn die Ausflüge und der Unterricht belasten. Er hatte schon am vergangenen Freitag angedeutet, wie knifflig der regelmäßige Abstand zum Team sein kann. Sie haben das schon geprobt, jetzt tritt aber der Ernstfall ein.

Im Notfall kann Bierfoka einen Joker ziehen. In Hennef darf er sich 20 Prozent Fehlzeit leisten. „Nachdem wir ein Spiel verloren haben“, sagte er, „ist das aber nicht der richtige Zeitpunkt.“

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