Ex-Löwe ist in Dortmund heimisch geworden

Weigl über sein Leben als Ruhrpott-Bayer: „Die würden mir einen Vogel zeigen“

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Julian Weigl.

Mit Borussia Dortmund greift Julian Weigl nach der seiner ersten deutschen Meisterschaft. Der Ex-Löwe ist im Pott heimisch geworden.

Dortmund - Julian Weigl muss manchmal über sich selbst lachen. Zum Beispiel dann, wenn er gerade Bairisch spricht, zwischenzeitlich wieder auf Hochdeutsch umschwenkt und seinen Satz letztendlich aber im tiefsten oberbairischen Dialekt beendet. Kein Wunder: Seit vier Jahren lebt der BVB-Spieler nun schon in Dortmund.

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Den gebürtigen Bad Aiblinger kann man also getrost als Ruhrpott-Bayer bezeichnen. Bei Interviews nach Spielen würde man nie auf die Idee kommen, dass Weigl waschechter Oberbayer ist. „Abtrainiert habe ich mir meinen Dialekt nicht! Ich kann ganz gut zwischen Dialekt und Hochdeutsch switchen. Schon als ich aus Rosenheim zu 1860 München gewechselt bin, habe ich vermehrt Hochdeutsch gesprochen. Die meisten Mitspieler damals hatten keinen Dialekt.“

Gern gesehener Überraschungsgast in Rosenheim

Sein Oberbairisch kann der Ju, so wird er daheim genannt, sprudeln lassen, wenn er mit Eltern und Freunden aus der Heimat in Kontakt ist. „Da reden alle Bairisch, die würden mir einen Vogel zeigen, wenn ich plötzlich mit ihnen nur noch Hochdeutsch sprechen würde“, sagt der 23-Jährige und lacht.

Auch wenn es sein prall gefüllter Profikicker-Kalender nur schwer zulässt, versucht Weigl regelmäßig in Rosenheim vorbeizuschauen. Wenn sein Heimatverein SV Ostermünchen beispielsweise einmal im Jahr ein Jugendturnier veranstaltet, versucht Weigl bei der Siegerehrung als Überraschungsgast aufzutauchen. Genau so besucht er mit seiner Familie an Heiligabend jedes Jahr den Kinder-Gottesdienst in der Dorf-Kirche. „Heimat ist mir enorm wichtig, sie erdet dich. Ich hatte eine unheimlich schöne Kindheit. Ich mag das Lebensgefühl bei uns, die Berge und natürlich auch das Oktoberfest in München oder das Herbstfest in Rosenheim. Heimat ist für mich da, wo meine Familie ist“, erklärt er.

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Zweite Heimat in Dortmund

Seine schönsten Kindheitserinnerungen schießen Weigl sofort in den Kopf, als ihn die tz danach fragt. Die haben natürlich mit Fußball zu tun: „Jedes zweite Wochenende hatte die erste Mannschaft meines Heimatvereins SV Ostermünchen ein Heimspiel. Ich habe dann mit den anderen Kindern am Nebenplatz Fußball gespielt. Da hat uns nicht interessiert, ob der SVO gewonnen oder verloren hat. Wir haben uns nur auf unser Spiel und unsere Gaudi konzentriert. Wir hatten alle zusammen so viel Spaß. Daran denke ich heute noch gern zurück, wenn ich beispielsweise vor einem Heimspiel im Signal-Iduna-Park den Rasen besichtige.“

Trotz seiner Heimatverbundenheit genießt der BVB-Star auch sein Leben im Pott: „Dortmund ist für mich mittlerweile zu meiner zweiten Heimat geworden, weil ich hier mit meiner Freundin Sarah glücklich bin. Bayern hat die Weißwurst und der Pott dafür die Currywurst. Mir schmeckt beides. So lässt sich das ganz gut vergleichen. Aber an dieser Stelle muss ich eine Lanze für die Leute hier im Ruhrpott brechen: Sie sind so unglaublich freundlich und aufgeschlossen. Und das ist schon etwas, das den Pott ausmacht.“

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Trotz aller bayerischer Heimatliebe zögerte Weigl vor vier Jahren keine Sekunde, als sich ihm die Möglichkeit bot, zum BVB zu wechseln: „Klar war es am Anfang schwer, alles hinter sich zu lassen. Aber es war eine Riesen-Chance in Dortmund und ich habe mir darum wenig Gedanken darüber gemacht, dass ich meine Heimat verlassen muss. Ich bin ja schon mit 16 von zu Hause ausgezogen und ins Löwen-Internat. Darum war alleine wohnen für mich nie ein Problem. Auf die Chance in Dortmund hatte ich mich so sehr gefreut, dass ich mein Heimweh ausblenden konnte.“

Manuel Bonke

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