Bierofka im tz-Interview: Ich war viel zu vorsichtig

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Zwei Löwen-Legenden im tz-Doppelinterview: Daniel und Willi Bierofka

München - Glückliche Löwen-Legenden: Willi Bierofka freut sich für seinen Sohn Daniel, dass er nach vielen harten Jahren wieder die Kurve gekriegt hat. Dafür hat Daniel seine Einstellung geändert.

Treffen mit zwei Löwen-Legenden: Bierofka und Bierofka. Daniel

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(32) hat die Löwen gerade mit zwei Toren zum 3:1-Sieg in Karlsruhe geschossen, Willi (58), sein Vater, trug einst ebenfalls das blaue Trikot und war außerdem als Cheftrainer an der Grünwalder Straße tätig. Jetzt ist er vor allem Fußballervater und richtig glücklich, dass der Sohn nach vielen harten Jahren wieder die Kurve gekriegt hat. Die tz lud beide zum Gespräch.

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Daniel, wie sehr weiß jemand wie Sie es zu schätzen, wenn er Weihnachten nicht an Krücken, mit Gipsbein oder nur auf dem Sofa liegend verbringen kann?

Daniel Bierofka: Sehr natürlich. Es kam schon einige Male vor, dass ich mit Krücken unterm Christbaum saß oder wie vor sechs Jahren mit einer offenen Wunde. Aber da will ich auch gleich mal mit einem Mythos aufräumen.

Nämlich?

Daniel Bierofka: Die Geschichte mit den 19 Operationen. Die Zahl stimmt schon, aber neun Operationen waren allein in jenen vier Monaten fällig, als ich wegen der Bakterien im Schienbeinkopf nach meinem Beinbruch vier Monate im Krankenhaus lag. Damals musste ich achtmal unter Vollnarkose Eingriffe hinnehmen, damit nachgeschaut werden konnte, ob das Ganze auch wie vorgesehen verheilt.

Damals waren Sie 26 und Ihre Karriere hing am seidenen Faden. Ihr Vater musste seine Karriere in diesem Alter wegen einer Verletzung beenden. Eine Parallele, die damals sicherlich Angst gemacht hat, oder?

Willi Bierofka: Ja natürlich. Mir hat’s im April 1978 im Lokalderby nach einem Zusammenprall mit Karl-Heinz Rummenigge den Knorpel im Knie regelrecht rausgesprengt. Ich habe immer wieder versucht, mich ranzukämpfen, aber es half nichts. Ein Arzt hat mir gesagt, es könnte gehen, aber die Gefahr, dass das Knie steif wird, sei auch gegeben. Da habe ich es lieber sein lassen. Daniel war gerade auf der Welt, und ich wollte nicht riskieren, dass sein Vater mal nicht mit ihm im Garten Fußall spielen könnte.

Aber eine hoffnungsvolle Karriere war dahin.

Willi Bierofka: Ja. Ich stand 1978 im 40-Mann-Kader für die WM in Argentinien, und auch der Wechsel zu Borussia Mönchengladbach, wo ich Nachfolger von Berti Vogts werden sollte, war schon so gut wie sicher.

Daniel, Sie haben Ihren Vater nie spielen sehen. Ihr Sohn David, so haben Sie vor zwei Jahren erzählt, als Sie die gesamte Saison wegen der Schambeinentzündung ausgefallen sind, habe damals gesagt: Papa, ich will dich noch mal spielen sehen. Diesen Wunsch haben Sie eindrucksvoll erfüllt. Und das auch noch auf einer neuen Position – vom Außenstürmer zum Sechser. Wie kam’s?

Daniel Bierofka: Ich hatte meine Einstellung geändert. In der Saison davor war ich zu vorsichtig rangegangen. Bei jedem Zwicken habe ich mir gleich wieder Gedanken gemacht. Heuer war das anders. Ich hatte ja auch nicht viel zu verlieren. Auf den Außenpositionen standen Aigner und Halfar vor mir, und als dann Reiner Maurer die Idee mit mir als Sechser hatte, dachte ich mir: Entweder oder. Wobei die Umstellung nicht einfach war, aber ich habe mich mit dieser Position richtig auseinandergesetzt. Ich weiß ja auch, dass ich mit bald 33 nicht mehr so schnell wie früher bin, aber auf der Sechser-Position kommt es vor allem auf Handlungsschnelligkeit und Erfahrung an. Und beides, glaube ich, besitze ich.

Sechs gelbe Karten zeigen auch, dass Sie mehr austeilen als früher…

Daniel Bierofka (lacht): Genau, jetzt kann ich für all das zurückzahlen, was ich als Außenstürmer habe einstecken müssen.

Willi, auch Sie wurden vom Außenstürmer zum Defensivmann umgeschult. Von wem?

Willi Bierofka: Das war in der Saison 74/75 unter Max Merkel. Wir hatten kaum Linksfüßer im Team, aber Merkel wollte einen Verteidiger, der mit links die Bälle diagonal nach vorn auf die rechte Seite schlägt. Aber ich war damals noch jung. Knapp 22.

Daniel, fünf Tore als Defensivmann, die zweitmeisten Trainingseinheiten aller Löwen-Spieler auf dem Konto, nur einmal wegen einer Gelbsperre gefehlt – wie sehr staunt Ihr Arzt über Ihre Verfassung?

Daniel Bierofka: Ich muss nicht zum Arzt. Mir geht es gut, ich fühle mich gut, und ich mache zu Hause viele Dehnübungen.

Willi Bierofka: Fünf Tore als defensiver Mittelfeldspieler – ich glaube, da gibt es in der 2. Liga nicht viele Kollegen, die das vorweisen können.

Wenn ihr beide so zusammensitzt, dann vermittelt das einen sehr harmonischen Eindruck. Oder täuscht der?

Willi Bierofka: Das täuscht. Wir streiten viel über Fußball.

Daniel Bierofka (grinst): Schon in den Zeiten, als ich in der Jugend spielte, hat nur die Meinung des Vaters gezählt. Das ging lange so. Ich habe wirklich alles geschluckt. Aber mit bald 33 habe ich inzwischen auch ihm gegenüber meine eigene Meinung.

Interview: tz

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