Zuschauerzahlen: Mit 1860 geht's abwärts

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Ein gewohntes Bild bei 1860-Heimspielen in der Allianz Arena.

München - Die Löwen leiden nicht nur unter finanziellen und sportlichen Problemen. Auch die schwindenden Zuschauerzahlen bereiten Verantwortlichen und auch Fans Sorgen. Was kann man dagegen tun?

"Es sieht immer so leicht aus, wie die ­gewinnen. Bei uns fühlt es sich immer so schwer an.“

Bemerkenswerte Sätze von Bayern-Star Thomas Müller, wenn er Tabellenführer Borussia Dortmund mit seinem Klub vergleicht.

Sätze, die auf den ersten Blick auch gut zu den Löwen passen. Auf den ersten. Denn die Sechziger gewinnen ja nicht mehr. Nicht leicht, nicht schwer, gar nicht. Und sie treffen nicht mehr. Drei Tore in den letzten fünf Spielen, kaum zwingende Chancen – kein Wunder, dass immer weniger Fans in die Arena kommen.

13 500 vor Weihnachten gegen Paderborn, am Samstag beim 1:3 gegen Bochum offiziell 16 150. Der Saisonschnitt rutschte damit auf 19 294. Seit der Arena-Eröffnung im Jahr 2005, als im Schnitt 41 371 Leute kamen, haben sich die Zuschauerzahlen mehr als halbiert. Vor allem in den letzten drei Jahren ging’s rapide bergab. Und eine Bodenbildung ist nicht in Sicht.

So schön leuchtet die Allianz Arena - und kaum einer geht hin

Was tun? Die tz fragte Fans und Verantwortliche nach Lösungsansätzen. Hier die Antworten:

Dieter Schneider, 1860-Vizepräsident: „Die Zuschauer haben das Recht, kämpferischen und attraktiven Fußball zu erwarten. Bei uns ist das zu selten der Fall. Wir haben einen Kader, der besser ist, als er sich derzeit präsentiert. Gegen Bochum war in der ersten Halbzeit komplett tote Hose, erst danach ging was – das langt einfach nicht. Robert Schäfer (1860-Geschäftsführer, d. Red.) und ich werden uns im Laufe der Woche mit der sportlichen Leitung zusammensetzen und die Lage analysieren. Das Auftreten der Mannschaft macht mir schon Sorgen. An die Fans kann ich nur appellieren, gegen Duisburg, ins Stadion zu kommen. Das ist der einfachste und direkteste Weg, 1860 zu helfen.“

Christian Poschet, ARGE-Regionsbeauftragter Stadt München (32 Fanklubs): „Sechzig ist mein Leben, ich kann nicht verstehen, dass die Leute unsere Löwen jetzt so im Stich lassen. Freilich ist viel falsch gelaufen in den vergangenen Jahren, aber mit Dieter Schneider ist jetzt ein Mann am Ruder, der die Dinge anpackt. Es heißt doch immer, Sechzig hat die besten Fans der Welt. Ja, dann muss ich auch ins Stadion gehen und nicht in die Pay-TV-Wirtschaft! In den schlechten Zeiten gilt es, Flagge zu zeigen. Ein Schnitt unter 20 000 ist ein Armutszeugnis für jeden, der sich Löwe nennt.“

Löwen-Momente aus Sicht der Fans

Franz Hell, langjähriger Delegierter: „In jedem Krematorium ist mehr los als in der Allianz Arena. Mit dem Schnitt lässt sich das Stadion auf Dauer nicht bezahlen. Gerade die Leute, die bei der Delegiertenversammlung so für die Arena plädiert haben, sollten sich jetzt an die Nase fassen. Die Gefahr ist, dass mit den Zuschauern auch die Sponsoren wegbröckeln.“

lk

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