Bilanz eines Trainers ohne Sieg

„Wir waren auf Augenhöhe“ ist einer der Lieblingssätze von Trainer Roman Grill in Pressekonferenzen. Foto: Gerald Förtsch

FC Ismaning - 10 Spiele, 0 Siege, 3 Punkte, 3:16 Tore. Das ist die erste Bilanz des neuen Ismaninger Trainers Roman Grill. Vor dem Heimspiel in der Regionalliga gegen Illertissen (Samstag, 14 Uhr) zieht unsere Zeitung deshalb eine Bilanz.

Personal

Grill kam und in Rekordzeit war das Tischtuch mit den Leistungsträgern der Vorrunde zerschnitten. Ohne zwei suspendierte und sechs zurückgetretene Spieler war klar, dass der Regionalliga-Klassenerhalt schwer bis unmöglich zu realisieren ist.

Menschliches

Jeder, der mit Grill zu tun hatte, kann es bestätigen. Der neue Chef auf der Bank ist kein einfacher Mensch. Grill hält alle Fäden in der Hand. Es wirkt gewollt, dass es in der Mannschaft keine Wortführer gibt und Gerüchten zu Folge auch keinen Mannschaftsrat.

Jugendstil

Mit den Ex-Hachingern Achatz und Merwald holte Grill im Winter zwei Talente mit viel Potenzial. Durch den personellen Super-Gau wurden beide ins kalte Wasser geworfen und können nicht in Ruhe aufgebaut werden.

Defensivspiel

Gegen den FCI 2013 war der italienische Catenaccio der 80er-Jahre noch ein Feuerwerk. Angesichts der Spielerverluste ist die Mauertaktik Grills aber verständlich. Sein Team arbeitet diszipliniert und taktisch gut.

Offensivspiel

Ismaning sucht sein Heil in langen Bällen mit durchschnittlich eineinhalb Torschüssen pro 90 Minuten. Direkte Freistöße aus 45 Metern sind keine Großchancen.

Auswechslungen

Ein Meister der Wechsel ist Roman Grill sicher nicht. Zu den gleichen Zeiten kommen fast immer die gleichen Spieler. Zuletzt beim Stand von 1:2 gegen Bayern wurde positionsgetreu gewechselt und das Risiko keinen Millimeter erhöht. Der Trainer verzichtete mehrfach bei einem Tor Rückstand auf die Schlussoffensive Marke „Alles oder Nichts“

Chancengleichheit

Dem Ex-Trainer Frank Schmöller wurden zweifelhafte Dinge vorgeworfen. Unter anderem: Er stelle immer die Gleichen auf. Roman Grill machte letztens sogar deutlich, dass er trotz der Negativserie an keine Veränderungen denkt. Dabei sitzen mit Bakovic und Grujicic zwei richtig gute Kicker draußen mit der Maximalchance der Einwechslung ab der 75. Minute.

Pressekonferenzen

Roman Grill benutzt bei seinen Analysen gerne ähnliche Sätze. Zwei Beispiele: „Wir waren auf Augenhöhe.“ „Wir befinden uns auf einem guten Weg.“ Über die Augenhöhe regten sich nicht nur die Heimstettener nach der 0:0-Derbyzumutung auf. Den guten Weg sehen Beobachter, Funktionäre und Fans nicht so ganz. Auf eine Abwehrschlacht folgt die nächste.

Aussicht (kurzfristig)

Gegen Illertissen (2.) und TSV 1860 II (1.) dürfte nichts zu holen sein. Es steht zu befürchten, dass der Abstand zum Relegationsplatz (zwei Punkte) weiter wächst. Alles andere als der Abstieg wäre ein mittelschweres Wunder.

Aussicht (langfristig)

Der Ruf des FCI hat in vier Monaten brutal gelitten. Im Sommer müssen viele neue Spieler her, wobei viele Kicker aus höherklassigen Nachbarclubs abwinken. Angebote vom FCI waren früher eine Ehre, das hat sich geändert. Deshalb steht viel auf dem Spiel bei der anstehenden Entscheidung des FCI, ob er mit Roman Grill in die Bayernliga gehen möchte. Der Trainer sagt: „Mir macht die Arbeit Spaß. Ich würde gerne bleiben.“

Nico Bauer

Quelle: fussball-vorort.de

Auch interessant

Kommentare