Ex-Profi Vorbeck nicht mehr im Kader: "Ausbildung ist am wichtigsten"

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„Ich kämpfe nach wie vor mit Knieproblemen, das zieht sich schon durch die ganze Saison.“

TSV 1860 Rosenheim - Seine Verpflichtung war eine Sensation. Doch es sollte eine der wenigen positiven Schlagzeilen von Ex-Profi Marco Vorbeck beim TSV 1860 Rosenheim sein. Trainer Martin Pongratz verbannte den Stürmer zur Reserve. Wir sprachen mit Vorbeck.

Am 14. August 2002 war es für Marco Vorbeck soweit: Er durfte den Rasen riechen. Fühlen, wie der Boden nachgibt, wenn die Stollen in die Erde dringen. Sein großer Traum wurde war: Der Rostocker betrat gegen den TSV 1860 München im Olympiastadion die große Bühne „Fußball-Bundesliga“ – und das mit erst 21 Jahren.

In der 44. Minute flankte sein Mannschaftskollegen Gerd Immer nach innen. Vorbeck steht frei, köpft. Der Ball zappelt im Netz. Vorbeck jubelt, Rostock jubelt, Deutschland jubelt. Hansa-Trainer Armin Veh prophezeit dem U21-Nationalspieler eine große Karriere.

Vorbecks Karriere: Von der Bundes- in die Bayernliga

Marco Vorbeck Bayernliga TSV 1860 Rosenheim
Marco Vorbeck galt als eines der größten Sturmtalente in Deutschland. Doch nach Stationen in Rostock, Dresden und Augsburg verabschiedete sich er ehemalige U-21-Nationalspieler aus dem Profigeschäft. Er suchte sein Glück in der Bayernliga beim TSV 1860 Rosenheim. Doch auch hier war Vorbeck nicht die erhoffte Verstärkung. Seine Karriere in Bildern: © Hübner
Marco Vorbeck Bayernliga TSV 1860 Rosenheim
Vorbeck lernte das Fußball spielen bei Traktor Kröpelin und TSG Neubukow. 1996 heuerte er in der Jugend von Hansa Rostock an. © dpa
Marco Vorbeck Bayernliga TSV 1860 Rosenheim
2001 schaffte Vorbeck bei Hansa Rostock den Sprung zu den Profis. Gleich im ersten Spiel gelang ihm sein erstes Tor. Sein Trainer Armin Veh sagte, Vorbeck habe großes Talent. © dpa
Marco Vorbeck Bayernliga TSV 1860 Rosenheim
Doch in Rostock konnte sich Vorbeck nie wirklich durchsetzen. 2005 wechselte er von der Ostsee zu Dynamo Dresden. © dpa
Marco Vorbeck Bayernliga TSV 1860 Rosenheim
In Dresden schlug Vorbeck zunächst ein. © dpa
Marco Vorbeck Bayernliga TSV 1860 Rosenheim
Doch mit der sportlichen Tahlfahrt des Klubs ließ auch die Leistung des ehemaligen U21-Nationalspielers nach. © dpa
Marco Vorbeck Bayernliga TSV 1860 Rosenheim
Trotz des Abstiegs der Dresdner verlängerte Vorbeck seinen Vertrag und ging mit in die Regionalliga. © dpa
Marco Vorbeck Bayernliga TSV 1860 Rosenheim
2007 heuerte Vorbeck beim FC A ugsburg an. Vorbeck unterzeichnete einen Zweijahresvertrag bis Sommer 2009. Doch auch in Augsburg schaffte er den Durchbruch nicht. Sein Trainer Holger Fach zählte nach einer Knieverletzung nicht mehr auf die Dienste des Ex-Rostockers. Am 23. Januar 2009 gab Vorbeck in einem Interview bekannt, seine Karriere auf Grund anhaltender Knieprobleme zum 30. Juni 2009 beenden zu wollen. © dpa
Marco Vorbeck Bayernliga TSV 1860 Rosenheim
Doch bereits in der Saison 2009/2010 tauchte Marco Vorbeck wieder auf dem Trainingsplatz eines Bundesligisten auf: bei den Münchner Löwen. © dpa
Marco Vorbeck Bayernliga TSV 1860 Rosenheim
Vorbeck sollte zunächst bei der zweiten Mannschaft trainieren, um wieder fit zu werden. Doch am Ende entschieden sich die Löwen gegen eine Verpflichtung. © dpa
Marco Vorbeck Bayernliga TSV 1860 Rosenheim
Nachdem Vorbeck auch von einem Probetraining beim SC Austria Lustenau in Österreich ohne Vertrag zurückkam, beendete er seine Karriere endgültig. Doch die Schuhe wollte er noch nicht an den Nagel hängen. © Hübner
Marco Vorbeck Bayernliga TSV 1860 Rosenheim
Im Sommer 2010 heuerte Vorbeck beim TSV 1860 Rosenheim in der Bayernliga an. Am achten Spieltag traf der Ex-Profi gegen die SpVgg Bayern Hof zum ersten Mal. Doch auch in Rosenheim hatte Vorbeck wieder mit Knieproblemen zu kämpfen. Zuletzt verbannte Trainer Matthias Pongratz den Ex-Profi zur zweiten Mannschaft. © Hübner

Achteinhalb Jahre später steht Marco Vorbeck an einem Bankschalter in Rimsting – ein Dörfchen kurz hinter Rosenheim. Kein Trikot, keine Stollenschuhe. Vorbeck trägt jetzt Schlips und Kragen. Er kümmert sich um Finanzen. „Ich wollte etwas Sicheres machen. Deshalb habe ich bei der Sparkasse einen Ausbildung begonnen“ erzählt der frühere Stürmer. Vorbeck ist 29, stand unter anderem bei Hansa Rostock, Dynamo Dresden und dem FC Augsburg unter Vertrag. Experten würden vom besten Fußballeralter sprechen, doch der Ex-Profi sagt: „Ich habe nach Augsburg gemerkt, wie schwer es ist, einen Verein zu finden. Es juckt zwar immer noch in den Stiefeln. Aber meine Zeit ist vorbei.“

Nach seiner Zeit in Augsburg versuchte Vorbeck nochmal Fuß zu fassen. Doch Gastspiele beim TSV 1860 München oder in Österreich scheiterten. „Lienen, der damalige Löwen-Trainer wollte mich haben. Aber Miki Stevic hat sich dann für einen anderen Stürmer entschieden“, erzählt Vorbeck. Als der 29-Jährige im Sommer 2010 immer noch vereinslos war, zog er die Reißleine und verabschiedete sich vom Profifußball.

„Ich brauche jetzt Spieler, die sich mit ganzem Herzen für den TSV 1860 Rosenheim engagieren“

Doch die Stiefel an den Nagel hängen wollte Vorbeck noch nicht: Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe, als der TSV 1860 Rosenheim im August 2010 bekannt gab, dass Vorbeck künftig in der Bayernliga auflaufen werde. Doch acht Monate nach seiner Vertragsunterschrift scheint auch in Rosenheim die Zeit für Vorbeck vorbei zu sein: Beim TSV 1860 Rosenheim sind Stürmer derzeit Mangelware. Dennoch verzichtet Trainer Matthias Pongratz auf die Dienste des Ex-Profis: „Ich brauche jetzt Spieler, die sich mit ganzem Herzen für den TSV 1860 Rosenheim engagieren“, sagte Pongratz zuletzt.

Der Trainer verbannte Vorbeck zur zweiten Mannschaft. Vorbeck erfüllte die Erwartungen nicht, wurde aussortiert - wieder einmal. Doch aus dem Mund des Stürmers klingt das anders: „Es ist auch für mich enttäuschend, dass ich nicht nochmal angreifen konnte. Ich habe mir hier mehr vorgenommen.“ Vorbeck ringt nach einer Erklärung: „Ich kämpfe nach wie vor mit Knieproblemen, das zieht sich schon durch die ganze Saison.“

Der Fußball lässt Vorbeck nicht los, doch die Priorität liegt inzwischen wo anders: „Rosenheim ist nicht die Bundesliga. Ich habe dem Verein von vornherein gesagt, dass mir die Ausbildung am wichtigsten ist. Wenn's hoch kommt, habe ich es vielleicht zwei Mal die Woche ins Training geschafft.“

Wie es nach der Saison weitergeht, weiß Vorbeck noch nicht. „Ich würde gerne in den Trainerbereich einsteigen. Ansonsten hoffe ich natürlich, dass sie mich in der Bank übernehmen.“ Dass Vorbeck mal eine der Sturmhoffnungen Deutschlands war, hat sich in seiner Filiale in Rimsting noch nicht herumgesprochen. „Eine Dame hat mich mal schräg angeschaut, und gemeint: 'Ich kenne Sie doch!' Ansonsten hält sich meine Prominenz hier schwer in Grenzen. Wir haben überwiegend ältere Kundschaft.“

von Christoph Seidl

Serie

fussball-vorort.de stellt in unregelmäßigen Abständen Spieler vor, die im Profifußball aktiv waren und jetzt im Amateurbereich kicken.

Ihr kennt einen Ex-Profi wie Marco Vorbeck, der jetzt im Amateurbereich spielt? Oder hat ein Fußballer in einer der unteren Ligen gekickt und behauptet sich jetzt im Profigeschäft?

Dann schickt uns den Namen des Spielers an info@fussball-vorort.de

Quelle: fussball-vorort.de

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