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Gepoltere als Lebenszeichen

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Arg sauer war Hachings Stürmer Marc Nygaard (l.) nach der Niederlage beim FC Bayern II – für seinen Ausraster in der Kabine hat er sich nun entschuldigt. Foto: Pressefoto ULMER/Claus Cremer

Unterhaching – Was im „Allerheiligsten“ der Sportler – ihrer Umkleidekabine – passiert, davon gelangt selten etwas nach draußen. Am Dienstagabend war es in Haching allerdings nicht zu überhören.

Durch die Katakomben des Stadions an der Grünwalder Straße polterte und krachte es – gerade war die Drittliga-Partie des FC Bayern II gegen die SpVgg Unterhaching zu Ende gegangen. Die Gäste hatten verloren – und aus deren Kabine kam der unüberhörbare Lärm.

Man könnte es als Zeichen werten, dass die soeben gegen den Tabellen-Letzten blamierte Mannschaft doch noch lebt. Oder dass die Pleite bei den Spielern, die gerade auf dem Platz recht ideen- und leblos umhergeirrt waren, doch noch an der Ehre gekratzt hat. Immerhin einer haute im wahrsten Sinne des Wortes auf den Tisch und fegte Flaschen und Becher quer durch den Raum: Stürmer Marc Nygaard. Am Tag danach entschuldigte er sich bei seinen Kollegen für den Ausraster. Bei Trainer Klaus Augenthaler erntete er Respekt – nicht für sein „Sorry“, sondern für die Aktion.

„Es war zum ersten Mal nach einer Niederlage, dass ich überhaupt was gehört habe“, sagte der Coach gestern und war sichtlich froh, dass „endlich einer mal eine Reaktion gezeigt hat“. Irgendwie war es an der Zeit, dass jemand Taten folgen ließ nach dem endlosen Beschwören von Zusammenhalt und Aggressivität. Auf dem Platz setzt es die Mannschaft nicht um. Nun hofft Augenthaler, dass Nygaards Ausbruch ansteckend wirkt und auch auf dem Platz mal jemand dazwischenhaut. „Wir werden nicht Kegeln gehen und ich werde keinen Mentaltrainer installieren“, so der Weltmeister, „ich will, dass die Mannschaft am Samstag Gas gibt und sich ihr Glück selbst erkämpft. Und ich möchte kein Gejammer hören, wir haben uns in die Siatuation selbst gebracht.“

Die stellt sich vor dem Heimspiel gegen den Tabellen-Zweiten Hansa Rostock am Samstag (14 Uhr) durchaus bedrohlich dar. Just gegen den Zweitliga-Absteiger holte Abstiegskandidat Aalen am Mittwoch einen Punkt und kassiert dabei erst in der Nachspielzeit den Ausgleich. Das bedeutet zwar, dass auch Rostock verwundbar ist, aber eben auch, dass die Kellerkinder ihre Aufholjagd gestartet haben. Bremen II siegte ebenfalls am Mittwoch 2:0 in Regensburg. Der Vorsprung der SpVgg auf die Abstiegsplätze ist damit auf vier Punkte geschrumpft.

Unterhaching befindet sich im Abstiegskampf – und macht daraus keinen Hehl mehr. „Wir nehmen die Situation sehr ernst“, versicherte Kapitän Torben Hoffmann gestern, „der Abstand wird immer kleiner, davor dürfen wir die Augen nicht verschließen.“ Sollte es für die neue Erkenntnis einen Startschuss gebraucht haben, Marc Nygaard hat ihn am Dienstag gegeben. Christian Amberg

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