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Haching hofft auf Schub im Abstiegskampf

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Unterhaching - Die Herrlich-Elf gibt sich beim 3:2 gegen Jahn Regensburg nie auf und beweist, dass die Moral intakt ist.

Es war eine Stimmung wie lange nicht im Unterhachinger Sportpark. Jubelnde Fans. Spieler, die sich in den Armen lagen und die La Ola-Welle vor der Südtribüne machten. Sogar auf der Haupttribüne dauerte es lange, bis sich die Reihen lichteten und die Zuschauer den Heimweg antraten. Und Stadion-DJ Charly Vielhuber spielte ein paar Stücke Stimmungsmusik mehr als sonst und auch eine Spur lauter. Ein irrer Pokalabend mit einem tollen Ende hatte sich zugetragen - obwohl es „nur“ das Viertelfinale im wenig beachteten Toto-Pokal war. Ein Wettbewerb, der sonst daraus besteht, lästig zu sein, weil man über bayerische Dörfer tingeln muss, und doch ernst geredet wird, weil er das kleine Eintrittstor zur großen Welt des DFB-Pokals bedeutet.

Die SpVgg Unterhaching rang Drittliga-Kontrahent Jahn Regensburg, dort in der Tabelle immerhin sieben Plätze und elf Punkte besser platziert, nieder. Mit einer Dramatik, die - man verzeihe die Floskel - an die eigenen Gesetze erinnert, die Pokalspiele manchmal haben. Ein Spiel zu drehen, ist den Hachingern lange nicht gelungen, Glück hatten sie in letzter Zeit auch nicht im Überfluss. „Für die Moral war dieser Sieg enorm wichtig“, sagte Präsident Engelbert Kupka und zog den Hut vor der jungen Elf: „Sie haben bis zum Schluss daran geglaubt, dass sie das noch drehen können.“

0:2 lagen die Hachinger zurück, die Gäste vergaben eine Riesenchance zum dritten Treffer, als sie ihn tatsächlich erzielten, pfiff ihn der Schiedsrichter wegen Abseits zurück. In der 86. und 89. Minute machte die SpVgg aus einem Rückstand einen Sieg und darf so weiter auf die erste Hauptrunde hoffen. Eine Chance, im Konzert des großen Fußballs mitzugeigen, was in den Niederungen der Dritten Liga so weit entfernt ist.

„Wir haben lange gebraucht, bis wir in die Gänge gekommen sind und waren nach dem 0:2 total im Hintertreffen“, lautete die Analyse von Trainer Heiko Herrlich, der sich den Jubelarien seiner Spieler entzog und direkt nach Schlusspfiff in die Kabine marschierte. Es war wohl die Anspannung, denn er gab zu: „Ich habe wirklich fast nicht mehr dran geglaubt, dass wir das noch drehen können. Aber Kompliment an die Mannschaft.“

Dran geglaubt hatten die Akteure auf dem Platz angeblich immer, auch als schon die letzten fünf Minuten eingeläutet waren. „Wenn so ein Schuss wie der zum 2:1 reingeht, dann muss noch was gehen“, sagte Innenverteidiger Patrick Ziegler, der im Gewühl nach einer Ecke plötzlich den Ball vor den Füßen hatte und ihn beherzt ins Tor schoss. „Wir haben ja nicht schlecht gespielt und nach dem Rückstand nie aufgesteckt. Nach dem Anschluss war Regensburg nervös.“ Yannick Thiel, der vorm 0:1 eine unglückliche Figur machte und am Ende durch seinen Siegtreffer zum Helden wurde, versicherte: „Wir haben immer an den Sieg geglaubt, auch nach dem 2:2 haben wir nicht ans Elfmeterschießen gedacht. Wenn du immer weitermachst, wirst du belohnt. Und dass ich das Tor gemacht habe, war gut. Das 0:1 habe ich mit eingeleitet, da musste ich ja irgendwas zurückgeben.“

Der Traum vom DFB-Pokal lebt, möglicherweise war der dramatische und triumphale Abend aber auch ein Schub für die Dritte Liga, wo der Alltag Abstiegskampf heißt. „Auch dafür war’s positiv, so eine Leistung muss jetzt auch in Darmstadt möglich sein“, sagte Thiel, „den Schwung nehmen wir am Samstag mit.“

Präsident Kupka hoffte auch auf diesen Effekt, ohne aber den DFB-Pokal als wichtiges Ziel aus den Augen zu verlieren: „Dieser Sieg war aus zwei Gründen wichtig. Erstens, weil es um viel Geld geht. Zweitens, weil es die Mannschaft aufbaut für das nächste Auswärtsspiel.“

Der finanzielle Aspekt dürfte für den Klub-Boss dabei im Vordergrund stehen, würde eine DFB-Pokalteilnahme doch wesentlich die Existenzangst des Klubs verkleinern. Für die Spielern, die zum Großteil null Planungssicherheit für ihre eigene Zukunft und sich teilweise bereits ab Juli vorsorglich arbeitslos gemeldet haben, war’s dennoch zweitrangig. Endlich mal wieder Drama, Jubel, Erfolgserlebnis - auch danach lechzt die junge Fußballerseele.

Christian Amberg

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