SV Heimstetten: Bayernliga als Familienangelegenheit der Matejkas

+
Aufstehen, Heimstetten: Am Samstag geht es für den Aufsteiger um den Klassenerhalt in der Bayernliga.

SV Heimstetten - Nicht immer geht es gut, wenn Vater und Sohn einen Fußballverein führen. Siehe die Wildmosers beim TSV 1860. Beim SV Heimstetten aber bilden Ewald und Michael Matejka ein recht erfolgreiches Gespann.

Gemeinsam wollen sie nach dem Aufstieg nun den Klassenerhalt in der Bayernliga feiern.

Familienangelegenheit: Ewald (l.) und Michael Matejka

Hat es eine ähnliche Konstellation schon mal gegeben im Münchner Fußball? Ewald Matejka lacht, sagt: „Ja, die Wildmosers bei 1860.“ Das nicht allzu glückliche Ende dieser Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn ist bekannt, auch deshalb will der Präsident die Situation beim SV Heimstetten nicht unbedingt damit vergleichen. Michael Matejka, der Sohn, steht knapp vor seinem größten Erfolg als Manager, seiner klugen Einkaufs- und Personalpolitik, abgesegnet vom Vater, ist zu verdanken, dass der Verein kurz vor dem Klassenerhalt in der Bayernliga steht. Der direkte Abstieg ist verhindert, nun geht es am Samstag gegen Bamberg noch darum, auch die Relegation zu vermeiden. Dass das noch möglich ist, wirkt fast wie ein Wunder. Bis zur Winterpause nämlich hatte man lediglich 19 Zähler aus 21 Partien gesammelt.

Starke Verstärkungen im Winter sollen den Klassenerhalt schaffen

Man habe „Lehrgeld bezahlen müssen“, darauf sei man allerdings vorbereitet gewesen, erklärt der junge Matejka selbstbewusst. Im Winter wurde mit Spielern wie Orhan Akkurt, Quirin Löppert, Fernando Ernesto und Sascha Steinacher qualitativ enorm zugelegt, die Rettung soll nun zur Punktlandung werden. Und der Erfolg des Münchner Vorort-Vereins ist auch ein Erfolg der Matejkas. „Vor 17 Jahren“, berichtet der 59-jährige Vater, sei die Familie nach Kirchheim gezogen.

Dem Fußball sei er schon immer verbunden gewesen. Zunächst musste die Wahl getroffen werden, welchem der beiden ortsansässigen Klubs man sein Herz schenkt: Dem Kirchheimer SC, oder dem in „Kirchheim- Bahnhof“, wie Matejka junior die bis heute tief verankerten Ressentiments zwischen den Ortsteilen zynisch skizziert, beheimateten SV Heimstetten. Da der KSC in der Kreisklasse dümpelte, Heimstetten aber schon damals in der Bezirksliga Ost aktiv war, fiel die Entscheidung nicht schwer. Erst 1967 gegründet, hatte der rasante Aufstieg des kleinen Vereins in den 1990er Jahren begonnen, spätestens mit der Fertigstellung des schmucken, 2800 Zuschauer fassenden, Sportparks Heimstetten im Jahr 2001 war der Weg nach oben vorgezeichnet. Jahrelang trugen hier auch einige Nachwuchsmannschaften des TSV 1860 ihre Heimspiele aus.

Frank Schmöller führte Heimstetten in die Bayernliga

Der Grundstock für den Erfolgsweg der „jungen Wilden“, wie die spielfreudigen Heimstettener genannt wurden, war von Thomas Langer gelegt worden, „der hat als Abteilungsleiter das alles aufgebaut“, schildert der Präsident. Neben Langer stand mit Trainer Frank Schmöller ein Mann Pate, der gerade mit Lokalkonkurrent FC Ismaning Bayernliga-Meister geworden ist. Sechs Jahre war der Ex-Profi in Heimstetten, führte das Team im Jahr 2006 erstmals in die Bayernliga. Nach einer überzeugenden Debüt-Saison (10. Platz) musste der 44-jährige Übungsleiter im Frühjahr 2008 seinen Hut nehmen. „Jetzt hauts’n endlich naus“, habe er geraten, erzählt Michael, nachdem der Coach der Mannschaft die Bayernligatauglichkeit abgesprochen und seine eigene Motivation in Frage gestellt hatte.

Vitormir Moskovic wird von Michael Matejka bis heute als „Glücksfall“ bezeichnet.

Das Debüt von Nachfolger Vitomir Moskovic sollte jedoch gründlich daneben gehen: „Wir sind nach Großbardorf gefahren, haben fünf Stück gekriegt und am Ende sind wir abgestiegen“, berichten die Matejkas. Dennoch wird Moskovic von Michael Matejka bis heute als „Glücksfall“ bezeichnet. Akribisch hatte sich der 44-jährige Kroate, der gerade mit Falke Markt Schwaben aus der Landesliga abgestiegen ist, von der G-Jugend über die zweite Mannschaft hoch bis zur „Ersten“ gearbeitet. Just nach Erfüllung der Mission Wiederaufstieg musste er jedoch gehen. Über die Gründe gibt es bis heute differierende Versionen. Mit dem ehemaligen U-19-Trainer des TSV 1860, Claus Schromm, aber wurde ein Nachfolger gefunden, der laut Matejka junior eine „optimale Lösung“ darstellt.

Die Vereins-Karrieren der Matejkas begannen im Frühjahr 2006, als Ewald, damals SPD-Vorsitzender in der Gemeinde, sich von Langer „überreden ließ“, die Abteilungsleitung zu übernehmen. Seit November 2007 amtiert er als Präsident. Sohn Michael absolvierte derweil „meine Lehrjahre“ als Teammanager der zweiten und dritten Mannschaft, ebenfalls ab 2006. „Mit zwei Abstiegen“ habe auch er einen denkbar unglücklichen Einstand erlebt, trotzdem sei diese Phase ein „Sprungbrett“ gewesen, welches ihm mittlerweile einen Aufstieg in die Bayernliga ermöglichte. Er hatte einfach das, was man als Manager braucht. Gespür für die richtigen Spieler, für einen homogenen Kader.

Diese Personalpolitik soll nun den Weg in die Zukunft weisen. Man verstehe sich in Heimstetten durchaus „auch als Breitensportverein“, betont Matejka senior. Doch Nachwuchs für die Bayernliga muss nicht aus der eigenen Jugend kommen: „Es gibt genügend Spieler jedes Jahr bei den drei großen Münchner Vereinen, die den Sprung nicht schaffen“, sagt Ewald Matejka, denen biete man „hier eine Basis für höherklassigen Amateurfußball“. Den Klassenerhalt vorausgesetzt, möchte man in der kommenden Saison unbedingt die Qualifikation für die neue Regionalliga Bayern bewältigen.

"Nächstes Jahr gehen Ismaning 6 Punkte ab!"

Angriffslustig schickt der Manager einen Gruß an die Konkurrenz: „Wenn wir drinbleiben, dann können die sich nächste Saison warm anziehen“, er wisse, „was diese Mannschaft kann und wer bei mir auf der Telefonliste steht“. Ausdrücklich bezieht er hierbei auch Lokalkonkurrent Ismaning mit ein. „Dann gehen dem bayerischen Meister nächstes Jahr sechs Punkte ab“, krönt der Senior die Kampfansage. Andererseits wäre es „auch überhaupt keine Katastrophe, Landesliga zu spielen“, betont der 59-Jährige, im Gegenteil, bestätigt der Junior, diese sei sogar „perfekt für uns, die Bayernliga ist optimal, dafür brauche ich aber zwanzig Prozent mehr Geld“. Vernünftiges Wirtschaften habe absolute Priorität.

Wie knapp es aber für den SV Heimstetten ist, können sie hier Lesen:

Der harte Abstiegskampf der Bayernliga

So bleibt dem SV Heimstetten eine Vision zwischen Landes- und Regionalliga, zwischen Ortsteil einer kleinen Gemeinde im Osten Münchens und überregionalen Ansprüchen sowie zwischen Amateur- und letztlich doch semi-professionellem Fußball. Der 42-jährige Schromm etwa ist hauptberuflich Trainer, angestellt beim BFV und beim SV Heimstetten. Und in einem Büro der Firma „Kutz&Jost Consulting“, in der beide Matejkas auch beruflich Hand in Hand arbeiten, entdeckt man mit Orhan Akkurt jenen Mann, der mit neun Toren in elf Spielen keinen unerheblichen Anteil an der nun möglichen Rettung des SV Heimstetten hat. Dank Familie Matejka.

Die Amateur-Fußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autoren sind Reinhard Hübner und Matthias Horner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

Auch interessant

Meistgelesen

Walter ist ein heißer Kandidat für die „Bayern-Treffer“-Trophäe
Walter ist ein heißer Kandidat für die „Bayern-Treffer“-Trophäe
Bürgermeister Wolfgang Panzer: Freien Eintritt bei SpVgg Unterhaching gegen KFC Uerdingen
Bürgermeister Wolfgang Panzer: Freien Eintritt bei SpVgg Unterhaching gegen KFC Uerdingen
Garching geht frühzeitig in die Rückrunde
Garching geht frühzeitig in die Rückrunde
VfR Garching in der Krise: Statistik eines Tabellenletzten
VfR Garching in der Krise: Statistik eines Tabellenletzten

Kommentare