Vom Underdog zur Mannnschaft der Stunde

Schmitt: "Ziel bleibt der Klassenerhalt. Definitiv"

Dynamischer Antreiber im Mittelfeld: Heimstettens Kapitän Christoph Schmitt. Foto: Hübner
+
Dynamischer Antreiber im Mittelfeld: Heimstettens Kapitän Christoph Schmitt. Foto: Hübner

SV Heimstetten - Der SV Heimstetten, im Sommer gerade noch so reingerutscht in die Regionalliga Bayern, hat sich trotz hochkarätiger Abgänge zur großen Überraschung gemausert.

Zu Hintergründen, Teamspirit, Trainer, Umfeld und persönlichen Zielen befragten wir Kapitän Christoph Schmitt.

 

-Christoph Schmitt, wie fühlt man sich als Kapitän der Mannschaft der Stunde? Nach drei Siegen in Folge ist der SV Heimstetten gerade die Überraschung der Regionalliga Bayern.

Ja, es ist ein schönes Gefühl, plötzlich gewinnen wir Spiele, die wir vorher nie gewonnen hätten. Trotzdem müssen wir aufpassen, man ist in dieser Liga auch ganz schnell wieder unten.

-Heimstetten galt nach den Abgängen Ihres Bruders Dominik, von Orhan Akkurt, Quirin Moll und den Steinachers als erster Abstiegskandidat, gekommen sind ja vorwiegend Spieler aus unteren Ligen wie Marco Bläser oder Valentin de la Motte. Wie ist da dieser Lauf zu erklären?

Natürlich haben wir uns nach den Abgängen Gedanken gemacht. Wir hatten sicher im letzten Jahr in der Spitze die bessere Mannschaft, jetzt aber sind wir in der Breite stark. Gerade Valentin und Marco sind ein Gewinn. Marco ist ein Spielertyp, den wir noch nie hatten, der ist giftig, unbequem, immer mit dem Kopf da, ergänzt sich perfekt mit Andi Neumeyer. Und wir haben in dieser Saison einen ganz anderen Teamspirit.

"Teamgeist bedeutet nicht, am Wochenende miteinander wegzugehen"

-Welchen Anteil daran hat Trainer Rainer Elfinger?

Einen großen. Er ist Pädagoge, nett und sympathisch, lässt mit seiner Art auch in diesem komplizierten Umfeld, wo vieles schwarz-weiß gemalt wird, keine Unruhe aufkommen. Er hat es auch geschafft, die Mannschaft zusammenzuschweißen, vom Charakter her ist die aktuelle Truppe besser als die letzte. Teamgeist bedeutet ja nicht, am Wochenende miteinander wegzugehen, der zeigt sich auf dem Platz.

-Die Regionalliga war im Sommer ja fast schon verpasst, nachdem Sie und Quirin Löppert in der Relegation beim Elfmeterschießen gegen Landshut nicht getroffen hatten. Was war das für ein Gefühl?

Das war ganz hart, auch aus sehr persönlichen Gründen. Ich wusste ja, dass mein Bruder seine Karriere beendet, hätten wir verloren, wäre das für ihn das letzte Spiel gewesen. Und ausgerechnet ich verderbe ihm den Abschied! Als dann auch Quirin gescheitert war, hatte ich schon abgeschlossen mit der Regionalliga. Dass es dann doch noch geklappt hat, war umso schöner. Diese Relegation war auch wichtig für den Teamgedanken, wir hatten ja in der Rückrunde einige Querelen im Verein, der Trainer hat dann Sascha Steinacher rausgenommen, den wir als Fußballer gut hätten gebrauchen können. Aber wir interpretierten es als Zeichen an die Mannschaft.

-Jetzt spielen Sie mit 27 in der Regionalliga. Was unterscheidet diese Spielklasse von der letzten Bayernliga?

Eigentlich nicht so viel. Es sind zum großen Teil weiter die gleichen Gegner, nur sind eben die U23-Teams dazugekommen. Vom Aufwand her ist es gleich geblieben, wir trainieren auch nicht mehr als im letzten Jahr. Da wir aber alle Fußball nur nebenbei spielen, sollte der Verband schon versuchen, bei Wochentagsspielen Reisen bis nach Würzburg oder Aschaffenburg zu vermeiden. Nicht jeder kann so einfach von seiner Arbeit weg.

-Beneiden Sie da manchmal die Jungs in den 2. Mannschaften, die als Vollprofis in der Regionalliga spielen können?

Beneiden? Nein, die Jungs sollen das genießen. Sie machen einen guten Job. Die meisten werden dann ja auch in fünf Jahren bei Heimstetten oder ähnlichen Klubs spielen.

"Habe schnell begriffen, dass es für die erste Liga nicht reicht"

-Sie selbst waren ja nahe dran am Profifußball, sind bei 1860 München in der Jugend ausgebildet worden. War die Bundesliga Ihr großer Traum?

Sicher träumt man davon, ich habe aber schnell begriffen, dass es für die 1. oder 2. Liga wohl nicht reicht, körperlich, aber auch fußballerisch. Natürlich war es vom Kopf her schwierig, sich auf Gegner wie Freising oder Thannhausen einzustellen, wenn man in der Jugend gegen Frankfurt und Stuttgart gespielt hat. Aber so, wie es dann für mich gelaufen ist, war es eine gute Geschichte.

-Sich mit 18, 19 von einem großen Traum zu verabschieden, eine so rationale Entscheidung zu treffen, ist sicher nicht leicht?

Klar, aber ich habe ja gesehen, dass andere einfach besser waren. Dani Baier, Marcel Schäfer, die jetzt Bundesliga spielen, aber auch Michael Kokocinski. Zudem konnte ich wegen der Schule vormittags nie trainieren, auch das hat mich zurückgeworfen.

-Nach einem Intermezzo bei Karsten Wettberg und Post/Süd Regensburg sind Sie vor gut sechs Jahren nach Heimstetten gekommen. Was reizt Sie am Amateurfußball, einfach der Spaß am Spiel?

Natürlich die Freude am Fußball. Je höher man spielt, desto reizvoller ist das. In Heim-stetten hatte ich immer gute Mitspieler und sehr gute Trainer. Außerdem kann man sich ein kleines Zubrot zum Studium verdienen.

"Ich habe beim FC Bayern mein Praxissemester gemacht"

-Sie haben Sportmanagement studiert, dürfen sich seit Oktober Diplom-Betriebswirt nennen. Wie war das Studium mit höherklassigem Amateurfußball zu vereinbaren?

Eigentlich wollte ich ja Sport an der TU studieren, aber Tanzen und Turnen liegt mir weniger. Dann habe ich das Angebot der FH Erding gesehen, das ist ein semi-virtuelles Studium, wo viel über das Internet läuft und man nur zwei-, dreimal pro Semester eine Woche am Studienort anwesend sein muss. Das ist eine coole Geschichte, ideal für Sportler, weil man sich die Zeit meist selber einteilen kann. Nur dass während der Präsenzwoche auch am Samstag Anwesenheitspflicht besteht, war ein Problem.

-Und nun wollen Sie bei einem Profiklub arbeiten?

Natürlich gerne. Ich habe ja beim FC Bayern mein Praxissemester gemacht und auch meine Diplomarbeit über den FC Bayern geschrieben. Es ist aber schwierig, im Profifußball unterzukommen, da ist der Markt doch stark begrenzt. Momentan arbeite ich bei einem unserer Sponsoren in der Marketingabteilung, mal sehen, was kommt.

-Ihr Bruder Dominik ist drei Jahre älter als Sie. War er für Sie Vorbild oder Konkurrent?

Vorbild nicht, wir sind andere Spielertypen. Er war der bessere Fußballer und wenn er meinen Fleiß und meinen Willen gehabt hätte, hätte er es weit bringen können. Ich habe mich aber immer über seine Erfolge gefreut und mich richtig geärgert, dass er es damals bei Jahn Regensburg nicht ganz geschafft hat.

-Dominik ist nun Co-Trainer in Heimstetten. Wie lange wollen Sie noch spielen?

Gerne will ich auch über die Saison hinaus hier bleiben, aber das hängt vor allem von meinen Job-Möglichkeiten ab. Wenn ich etwas Cooles im Fußball kriegen kann, im Nachwuchsbereich oder bei einer Berater-Agentur, dann würde ich wohl aufhören und mich voll auf meine berufliche Zukunft konzentrieren.

-Und vorher wollen Sie mit Heimstetten noch in die 3. Liga aufsteigen?

Das ist utopisch. Dafür fehlt Infrastruktur und auch Geld. Ich bin sicher, in unteren Ligen wird besser verdient als bei uns. Unser Ziel bleibt, nicht abzusteigen. Definitiv.

Der Artikel erschien auf der Amateursportseite. Sie erscheint jeden Mittwoch im Sportteil des Münchner Merkur. Autor ist Reinhard Hübner. Zu erreichen unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

Auch interessant

Kommentare