Konkrete Unterstützung für Garching noch nicht in Sicht

Hölzl: "Die Regionalliga war ein Versuch"

Aus bescheidenen Mitteln viel gemacht: Trotzdem muss Trainer Daniel Weber um die Regionalliga bangen. Foto: Hübner

Ostern kam in diesem Jahr zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. Zumindest für den VfR Garching. „Es sind wohl einige Geschäftsführer in Urlaub“, mutmaßte Präsident Uwe Cygan, als der Verein seine immensen Geldprobleme öffentlich machte und auf Unterstützung aus den Vorstandsebenen der großen Firmen gehofft hatte. Es habe zwar Anrufe gegeben, aber noch keine konkreten Gespräche, so Cygan. Die Zeit aber drängt, will man die sportlich durchaus erfolgreiche Mannschaft in der Regionalliga halten. Es fehlen rund 100?000 Euro, um den Spielbetrieb fürs die kommende Saison zu stemmen und das Defizit aus dieser Spielzeit auszugleichen.

Der VfR Garching gehört nun sicher nicht zu den Vereinen, die wie etwa die einstigen Bundesligisten Offenbacher Kickers oder Alemannia Aachen zum größten Teil selbstverschuldet in finanzielle Nöte geraten sind. Garching wirtschaftet äußerst sparsam, die Strukturen sind familiär, Leute wie der Fußballchef Franz Hölzl oder sein Stellvertreter Günther Niebauer arbeiten fast rund um die Uhr, das aber ehrenamtlich, die Spieler bekommen einen für diese Liga sehr bescheidenen Lohn, der Trainer Daniel Weber ist seit zehn Jahren eine Institution im Verein. Den VfR also kann Rainer Koch nicht meinen, wenn er von Klubs spricht, die „ihre Etats nicht an die Struktur der Regionalliga anpassen und sich dabei wirtschaftlich übernehmen.“ Die vierte Liga sei, mahnte der BFV-Präsident in den Aachener Nachrichten, „allenfalls eine Halbprofi-Liga. Und wer sich dort Vollprofitum leistet, kann nicht erwarten, dass ihm das andere finanzieren.“

"Gibt es einen Amateurverein, der ohne finanzielle Sorgen ist?"

Von Vollprofitum ist Garching weit entfernt, trotzdem reichen die Einnahmen bei weitem nicht. Und damit steht man nicht allein. Rund zwei Dutzend Vereine aus dem höheren Amateurbereich haben in den letzten Jahren Konkurs angemeldet, allen Klubs der dritten und vierten Liga drohe „permanent die Pleite“, weiß Hajo Sommers, Präsident des abgestürzten einstigen Bundesligisten RW Oberhausen.

„Gibt es einen Amateurverein, der ohne finanzielle Sorgen ist?“ Die Frage von Franz Faber ist rhetorisch, der Präsident des FC Unterföhring wird trotzdem, sollte die sportliche Qualifikation gelingen, das Abenteuer Regionalliga angehen, wohl wissend, dass es auf Dauer nur mit Finanzspritzen von außen gehen wird: „Unsere Rücklagen reichen für ein, zwei Spielzeiten.“ Von Zuschauereinnahmen allein kann keiner leben, Garching liegt in dieser Saison bei einem Schnitt von 475. Und das auch nur, weil man in den Heimspielen gegen die zweiten Mannschaften der Löwen und des FC Bayern, vor allem aber gegen Unterhaching dreimal die Tausender-Marke übertroffen hat, in den übrigen Spielen bewegte man sich um die 300.

Der Verband hat die Hürden, die einst für den Aufstieg in die Regionalliga zu nehmen waren, mit der Ligenreform von 2012 deutlich niedriger gemacht. Hoch sind sie aber immer noch, für viele zu hoch. So muss der SV Pullach Jahr für Jahr verzichten, auch Unterföhring hat im letzten Jahr keinen Antrag auf Zulassung gestellt. Nun will man es versuchen, in der Hoffnung, damit für potenzielle Geldgeber aus der reichen Gemeinde attraktiver zu werden. Auch Garching ist Heimat einiger großer Firmen, „von denen aber hat sich keiner gemeldet, schade“, bedauert Franz Hölzl, während Bürgermeister Dietmar Gruchmann unverdrossen an den „Patriotismus“ appelliert.

Das aber ist die Crux der Amateurklubs, die großzügigen Mäzene sind selten geworden, der Bäcker, der Autohändler oder die Fahrschule am Ort haben selbst zu kämpfen, größere Unternehmen, die sich in erster Linie wegen der Infrastruktur oder Nähe zum Flughafen hier ansiedeln, „sind lieber der 257. Sponsor des FC Bayern“, wie ein langjähriger Vorsitzender eines Münchner Klubs leidvoll erfahren musste. Selbst Traditionsvereine wie eben Aachen und Offenbach, aber auch Uerdingen, Wattenscheid, Mannheim oder Kassel, mussten leidvolle Erfahrungen machen. Oft aber, weil man sich zu Höherem berufen fühlt und schnellstens zurück möchte an die Futtertröge des Profifußballs. „Wenn ein Verein finanzielle Probleme hat, liegt es unabhängig von der Liga fast immer daran, dass er planmäßig mehr Geld ausgibt als er einnimmt“, moniert Rainer Koch. Fast immer seien es die Vereine mit dem höchsten Etat, die in der Regionalliga Probleme bekämen.

"Sponsoren wollen etwas zurückbekommen für ihr Engagement"

Das wiederum trifft auf Garching nun absolut nicht zu. 200?000 Euro für eine Saison sind sicherlich eines der schmalsten Budgets in der Regionalliga Bayern. Mit dem sportlichen Erfolg konnte die wirtschaftliche Entwicklung nicht mehr Schritt halten, „wir sind einfach an unsere Grenzen gestoßen“, muss Hölzl eingestehen. „Die Regionalliga war ein Versuch.“ Scheint aber auf Dauer nicht machbar zu sein, nicht ohne den „big spender“.

Wie aber will man den gewinnen? Sponsoren, so Michael Müller, der einst das Unternehmen clubspo11 gegründet hat, um Amateurklubs professionell zu unterstützen, „Sponsoren wollen auch etwas zurückbekommen für ihr Engagement, es geht um das Prinzip von Leistung und Gegenleistung. Da braucht es jemanden, der Struktur reinbringt. Ein Vermittler, der den Leuten sagt, das ist Werbung, das und das kann man dafür verlangen.“ Kaum ein Amateurverein aber leistet sich professionelle Hilfe, allein aber schafft er es auch nicht, der Vorstand hat schon genug damit zu tun, neben seinem Beruf den Verein am Laufen zu halten.

Ohne den großen Gönner aber müssen sie sich mit ihrer Situation arrangieren, wohl oder übel. Der Verzicht auf die sportlich erreichte Spielklasse mag im ersten Moment wie eine Niederlage wirken. In Wahrheit aber zeugt dies von verantwortungsvollem und vorbildlichem Verhalten. Aufstieg oder Klassenerhalt um jeden Preis, das kann es nicht sein, wenn man damit Gefahr läuft, den gesamten Verein mit allen anderen Abteilungen in die Insolvenz zu stürzen. Nur das ausgeben, was auch eingenommen wird, das muss der Weg in die Zukunft sein. Nicht der schnelle Erfolg mit Spielern, die in Regional- oder Oberliga Gagen beziehen, die in anderen Sportarten absolute Top-Gehälter wären. Die schwarze Null in der Jahresbilanz muss das erste Ziel sein, dazu gehört, im Zweifelsfall auch einen Abstieg zu akzeptieren.

Das Bittere am Fall des VfR Garching ist, dass er nie über seine Verhältnisse gelebt hat, Großes in unbezahlter, rein ehrenamtlicher Arbeit geleistet hat. Die Regionalliga aber unter den derzeitigen finanziellen Möglichkeiten trotzdem nicht zu stemmen ist. Es gibt, so hört man, Zeichen der Hoffnung. Falls aber der eindringliche Appell an die Wirtschaft doch im Nichts verhallt, wird man sich also zurückziehen, die höchste Amateurliga, die man sich mit viel Fleiß und Herzblut über viele Jahre redlich erarbeitet hat, wieder verlassen. Und das verdient höchsten Respekt.

FUSSBALL-AMATEURE Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de.

Quelle: fussball-vorort.de

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