„Ich fiebere weiterhin mit“

„Man muss sich rechtzeitig damit befassen, wie es weitergehen soll.“

Unterhaching - Engelbert Kupka blickt in unserem Interview auf fast vier Jahrzehnte als Präsident der SpVgg Unterhaching zurück

Nach 39 Jahren ist die Ära Engelbert Kupka als Präsident des Fußball-Drittligisten SpVgg Unterhaching zuende gegangen. Mit unserer Zeitung sprach der 73-Jährige über Höhen und Tiefen seiner Amtszeit sowie seine Zukunft bei den Hachingern

-Man hat Sie in Ihrer Amtszeit bei Spielen oft am offenen Fenster des Geschäftsraumes im ersten Stock als Zuschauer gesehen. Wird Ihnen der Blick künftig fehlen?

Nein. Man sieht das Spiel von der Haupttribüne oder dem Balkon ja auch wunderbar. Ich werde ab sofort in der Regel auf der Haupttribüne sitzen.

-Wie haben Sie sich nach so langer Zeit als Präsident der SpVgg nach dem Ende Ihrer Amtszeit gefühlt?

Jedes Amt ist nur auf Zeit. Man muss sich rechtzeitig mit dem Gedanken befassen, wie es danach weitergehen soll. Zu einer erfolgreichen Amtszeit gehört meines Erachtens auch ein erfolgreicher Übergang. Das ist oft noch wichtiger, als in der Amtszeit gute Dinge zu verrichten. Man braucht eine gute Mannschaft und es muss das Umfeld stimmen. Das ist uns soweit ganz gut gelungen. Deshalb war es mir gar nicht so schwer ums Herz, denn ich wollte aufhören und diesen Posten abgeben. Aber es war bisher personell das Angebot für eine Nachfolge nicht da.

-Kann man nach so langer Zeit einfach so loslassen?

Die SpVgg interessiert mich weiterhin und ich fiebere mit. Ich bin weiterhin da und werde auch den Manni Schwabl (Nachfolger von Kupka als Präsident, die Red.) und das Präsidium unterstützen, soweit ich es kann. Denkbar ist das zum Beispiel im Sponsoring-Bereich. Ich werde aber nicht in den operativen Bereich hineinreden. Diese Arbeit müssen die Neuen machen. Es ist schon so, dass man an die Vergangenheit zurückdenkt. Aber ich falle jetzt nicht in ein Loch, ich habe jetzt mit meiner Kanzlei und als Aufsichtsratsvorsitzender der Bayerischen Landesstiftung noch so viel zu tun. Da bekomme ich etwas Luft und brauche mich nicht mehr mit den aktuellen Sorgen des Vereins ins Bett legen.

-An welche Zeiten erinnern Sie sich am liebsten?

Es waren drei Bereiche. Als erstes stand der Aufstieg in die A-Klasse. Das hört sich jetzt blöd an, aber es war damals schwierig, weil wir nicht viel Geld hatten. Danach ging es weiter bis in die 2. Liga und dann in die 1. Bundesliga. Das sind die drei Etappen. Zu den schönen Zeiten gehören aber auch die großen Erfolge der Bob-Abteilung. Wir sind da ja Olympiasieger geworden. Das war eine ganz großartige Zeit. Der Grundstock dazu wurde mit Sicherheit auch durch Toni Schrobenhauser senior gelegt.

-Was waren die Rückschläge, an die Sie sich nicht so gerne erinnern?

Wenn sie mich nach Tiefpunkten fragen, dann war das mit Sicherheit der Tod von Toni Schrobenhauser senior bei einem Unfall. Das war ein ganz schwerer Schlag. Schwierig ist es geworden, als wir aus der 2. Liga abgestiegen sind. Das bedeutet, dass man nur noch Bruchteile der Einnahmen aus dem bezahlten Fußball hat. Das ist das brutale. Hier hat man vom DFB (Deutscher Fußball-Bund, die Red.) keine Lösung gefunden, das mache ich ihnen zum Vorwurf. Das geht so nicht, dies wird immer wieder zu Verwerfungen führen. Das ist etwas, was mich nachhaltig verärgert und traurig macht. Da habe ich Bauchweh, wenn ich in diesem Zusammenhang an die Vergangenheit zurückdenke. Hier muss unbedingt etwas geschehen.

-Wie beurteilen Sie Ihre Nachfolgeregelung im Präsidium?

Wir haben uns sehr um die Nachfolgeregelung bemüht. Für mich ist der Herr Dr. Beck (Dr. Rainer Beck ist in den Vorstand der SpVgg Unterhaching gewählt worden, die Red.) ein ganz wichtiger Mann, den das alte Präsidium noch geholt hat. Wir konnten ihn gewinnen, das ist eine ganz wichtige Personalie. Das Präsidium wird eine richtige Entscheidung treffen, um eine stabile Mannschaft zu bekommen, die um den Klassenerhalt spielen kann.

-Haben Sie nicht doch ein bisschen Wehmut, nicht mehr mitzuwirken?

Nein, ich werde hier ja nicht rausgeschmissen. Die lassen mich ja hier ins Stadion. Ich werde mit Sicherheit genauso mitfiebern wie früher. Wenn das operative jetzt nun weg ist, hat man mehr Freiraum und Luft. Wenn man das jetzt alles von der Seite des Zuschauers und Beobachters sieht und nicht mehr desjenigen, der jeden Punkt zu verantworten hat, dann ist das auch schön.

Das Gespräch führte

Robert M. Frank

Quelle: fussball-vorort.de

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