Von der Landesliga zur Regionalliga-Stammkraft

Christian Rodenwald - auf Tuchfühlung mit dem Profifußball

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Misst sich seit dieser Saison mit den Großen der Zunft: Christian Rodenwald (li.), hier im Testspiel gegen den FC Bayern.

FC Ismaning - Er hat es gepackt: Christian Rodenwald kam vor der Saison aus der Landesliga in die Regionalliga - und hat sich auf Anhieb beim FCI durchgebissen. Mit VORORT sprach er nun über sein Jahr 2012, den Spagat zwischen Landes- und Regionalliga sowie seine persönliche Zukunft.

von Christoph Kammerlander

Christian, im Sommer hast Du den SC Fürstenfeldbruck als Kapitän in einer packenden Relegation in die Bayernliga geführt, dann kam der Wechsel nach Ismaning. Würdest Du sagen, dass 2012 Dein bis dato aufregendstes Jahr als Fußballer war und könntest Du die vergangene Spielzeit nochmal kurz Revue passieren lassen?

Christian Rodenwald ist 24 Jahre alt. Zwölf lange Jahre verbrachte er beim SC Fürstenfeldbruck, ehe der Medienmanagement-Student im vergangenen Sommer zu neuen Ufern aufbrach: Er wagte den Sprung in die Regionalliga - und packte ihn.

Rodenwald: Ja, das vergangene Jahr war definitiv mein bisher aufregendstes Jahr als Kicker. Im vergangenen Jahr gab es die Ligenreform mit der zweigleisigen Bayernliga und der Regionalliga Bayern. Die ersten acht Mannschaften sind direkt in die Bayernliga aufgestiegen und bis Platz 15 gab es die Möglichkeit, sich über die Relegation noch für die Bayernliga zu qualifizieren. Wir verloren damals in Unterföhring sehr unglücklich und zeitgleich patzte Aichach in Kirchanschöring - mit einem Sieg in Unterföhring hätten wir damals also schon frühzeitig den direkten Aufstieg realisieren können.
So mussten wir auf die Sommerpause verzichten und hatten als Landesliga-Neunter vier wirklich wichtige Relegationsspiele vor der Brust. Uns wurde damals der BOL-Meister SE Freising zugelost. Im Hinspiel erzielte ich die 1:0-Führung, kurz nach der Pause verschossen wir einen Elfmeter und in der Schlußphase mussten wir einen absolut unnötigen 1:1-Ausgleichstreffer hinnehmen. Im Rückspiel gingen wir früh mit 2:0 in Führung, doch dann erzielte Freising den Anschlusstreffer - von da an mussten wir noch ein bisschen zittern, da Freising aufgrund des Europaleague-Modus und der damit verbundenen Auswärtstorregel ein 2:2-Ausgleich bereits gereicht hätte, um weiterzukommen. Allerings erhöhten wir in der Schlussphase vollkommen verdient auf 3:1 und spielten somit dass "Finale" gegen Pullach, die sich damals gegen Eching durchgesetzt hatten. Wir gewannen dank einer starken Defensivleistung in Pullach verdient mit 1:0 und zuhause ebenfalls mit 1:0.
Somit war der Aufstieg in die Bayernliga perfekt. Wir hatten eine starke Mannschaft und als bestplatzierter "nicht-direkt-Aufstieger" ging der Aufstieg aufgrund der Relegation mit drei Siegen und einem Unentschieden letztenendes mehr als in Ordnung.
Nach insgesamt 38 Spieltagen und keiner einzig verpassten Spielminute hatte ich mir ein bisschen Pause verdient. Allerdings hatte ich nicht viel Zeit zum verschnaufen, da ich wenige Tage nach dem Aufstieg einen Anruf von Wolfgang Summer (damals sportlicher Leiter beim FC Ismaning; d. Red.) und Frank Schmöller (damals Trainer beim FCI; d. Red.) bekommen hatte und mir mitgeteilt wurde, dass sie mich gerne in Ismaning hätten. Mir fiel die Entscheidung damals nicht leicht, aber ich wollte diesen Schritt unbedingt gehen. Somit konnte ich im Jahr 2012 einen Aufstieg in die Bayernliga und meine ersten Regionalliga-Einsätze verbuchen.

In 17 von 22 Spielen bist Du in der Hinserie für den FCI auf dem Platz gestanden, Du hast also den Sprung in die Regionalliga eindrucksvoll gepackt. Hättest Du Dir das im Sommer 2012 so erträumt?

Rodenwald: Ich wusste, was ich kann und weiß nach wie vor, wo meine Stärken und auch meine Schwächen liegen. Ismaning hat wohl einen der besten Kader in der Regionalliga Bayern, auch wenn der Tabellenplatz das leider momentan nich widerspiegelt. Mir war natürlich klar, dass es nicht einfach für mich werden würde, mich in Ismaning durchzusetzen.

24.01.2013 - FC Ismaning im Test gegen TSV Aindling

 © S. Leifer
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Ich musste damals abwägen, wie meine Spielchancen stehen. Natürlich habe ich mir Hoffnungen gemacht, mich durchzusetzen, sonst wäre es sinnlos gewesen, den Schritt zu wagen. Dass es jedoch so geklappt hat, freut mich natürlich sehr. Als Fußballer will man immer spielen, egal wo.

Wie groß war für Dich die Umstellung von Landesliga auf Regionalliga? Wo liegen Deiner Ansicht nach die größten Unterschiede?

Kämpfte bereits als Kapitän in Bruck um jeden Zentimeter: Christian Rodenwald (oben).

Rodenwald: Natürlich war die Umstellung nicht einfach. Je höherklassiger man spielt, desto dünner wird die Luft. Aber wie gesagt, wir haben eine tolle Mannschaft auf qualitativ sehr hohem Niveau, von daher fiel es mir nicht allzu schwer. Unterschiede sind zum einen, dass alle 22 Mann auf dem Feld sowohl technisch als auch taktisch, äußerst gut ausgebildet sind und besonders bei den Bundesliga-Reserveteams merkt man die physischen Unterschiede und die einstudierten Laufwege. Außerdem spielt die Ballkontrolle und die Ballsicherheit eine große Rolle - das ist schon deutlich anders als in der Landesliga.

Du bist als Innenverteidiger nach Ismaning gekommen, hast auf dieser Position jedoch fast nie gespielt. Ist die Umstellung auf die Außenverteidiger-Position schwergefallen?

Rodenwald: Das stimmt, ich habe nur gegen Memmingen und die zweite Hälfte gegen Bayern Hof als Innenverteidiger absolviert, zwei weitere Partien habe ich auf der Sechs gespielt. Die meiste Zeit aber wurde ich auf den Außenverteidiger-Positionen eingesetzt. Sich von der Innen- auf Außenverteidiger-Position umzustellen ist nicht ganz einfach, gerade, wenn man plötzlich zwei Ligen höher spielt. Die Außenposition ist auch mit vielen Offensivaufgaben verbunden, aber ich denke, ich habe das - auch wenn es nicht meine gewohnte Position war - im Großen und Ganzen sehr ordentlich gemacht.

Frank Schmöller hat auf Dich gesetzt, nun habt Ihr etwas überraschend einen neuen Trainer bekommen. Wie hast Du den Trainerwechsel miterlebt und hast Du Roman Grill schon kennengelernt?

Rodenwald: Zum Trainerwechsel kann ich nicht viel sagen, da auch wir Spieler davon sehr überrascht waren und selbst nichts davon geahnt hatten. Roman Grill ist erst seit zwei Wochen unser Coach. Ich denke, dass es noch etwas Zeit braucht, bis man sich besser kennenlernt. Allerdings ist schon jetzt zu erkennen, dass er außerordentlich viel Wert auf sauberes Passspiel, Ballkontrolle, Taktik und Kommunikation legt.

Langfristig hat der FCI das Ziel 3. Bundesliga ausgegeben. Hälst Du das für realistisch?

Rodenwald: Als Spieler ist es meine Aufgabe, mich auf die anstehenden Aufgaben zu konzentrieren und vorzubereiten - das ist in erster Linie aktuell der Klassenerhalt. Wir sollten erstmal eine erfolgreiche Rückrunde spielen. Alles weitere müssen und können nur andere beurteilen.

Wenn Du zwei Ausblicke wagst: Zum einen, wo landet der FCI am Ende der Saison, zum anderen, was traust Du dir persönlich noch zu? Geling Dir eventuell noch der Sprung zum Profifußballer - und gab es diesbezüglich vielleicht schon Anfragen?

Rodenwald: Ich denke, ein einstelligen Tabellenplatz sollte das momentan angestrebte Ziel sein, alles darüber hinaus erfreut uns natürlich umso mehr. Zu mir und meiner persönlichen Zukunft kann ich sagen, dass mit Sicherheit noch nicht mein ganzen Potential ausgeschöpft ist. Doch auch diesbezüglich bin ich der Meinung, das sollten andere beurteilen. Ob und wieviel Luft noch nach oben Luft ist, wird sich zeigen.

Quelle: fussball-vorort.de

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