Ismanings Trainer im Interview

"Keine Zehn-Mann-Mauer gegen Bayern"

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Ismanings Trainer Frank Schmöller

München - Ismanings Trainer Frank Schmöller im Interview mit dem Münchner Merkur über das Testspiel gegen den FC Bayern, seine Sympathien für Uli Hoeneß - und warum er Mario Gomez vermissen wird.

Frank Schmöller, 45, kickte einst mit dem Hamburger SV gegen den FC Bayern. Heute Abend um 18 Uhr trifft der ehemalige Hachinger als Trainer des Regionalligisten FC Ismaning auf den Rekordmeister. Im Interview erzählt er, wie er die Partie im Ismaninger Stadion sieht.

Herr Schmöller, selbst Bundesligisten gehen in ein Duell mit dem FC Bayern mit der Prämisse, nur nicht abgeschossen zu werden. Wie lautet Ihr Ziel?

Naja, ein großes Ziel gebe ich bei so einem Spiel nicht aus. So eine Partie ist eine Belohnung für jeden im Verein, für das Engagement der Spieler, der Betreuer, von allen. Wir freuen uns einfach riesig und wollen zeigen, dass wir auch Fußballspielen können. Ich werde sicher keine Zehn-Mann-Mauer aufstellen, und wenn wir abgeschossen werden, können wir das schon richtig einschätzen. Für uns ist das auch nicht das „Jahrtausend-“ oder „Jahrhundertspiel“, sondern einfach ein richtig guter Test, bevor am 21. Juli die Saison startet.

Haben Sie am Dienstag den Test der Bayern in Unterhaching gesehen?

Nein, wir haben selber trainiert. Das war wichtiger. Aber diesen Gegner muss man ja auch nicht noch einmal extra beobachten. Den kennt man ja doch recht gut aus Funk und Fernsehen (grinst).

Die EM-Fahrer werden noch fehlen. Ist Ihnen das recht, oder sagen Sie: „Ich hätte meine Innenverteidiger gern mal gegen einen Mario Gomez gesehen“?

Das Spiel ist auch so attraktiv. Es sind ja einige namhafte Profis dabei, ob nun Daniel van Buyten, Dante, David Alaba oder wie sie alle heißen. Nur für die Frauen im Stadion tut es mir etwas leid, dass Gomez nicht dabei ist.

Die bizarren Rituale der Fußballstars

Mario Gomez singt bei Länderspielen nie bei der Nationalhymne mit. Der Grund: Einst hatte er vor einer U-15-Partie nicht mitgesungen und prompt ein Tor erzielt. Seither verzichtet er auf Gesang.  © dpa
Der argentinische Torhüter Sergio Goycochea (Elfmeter-Killer bei der WM 1990) hatte eine besonders bizarre Marotte: Vor wichtigen Elfmeterschießen urinierte der Schlussmann auf den Platz. Seine Mitspieler bildeten dann einen Kreis um ihn als Sichtschutz. Er wollte damit den Gegner verunsichern. © getty
Gerd Müller trug immer Schuhgröße 41. Und das, obwohl der „Bomber der Nation“ eigentlich Größe 38 hatte. Er könne sich so besser drehen, gab er als Begründung an. © dpa
Der Däne Preben Elkjaer-Larsen war schon während seiner Profizeit Kettenraucher. Zu seinen Ritualen gehörte die Zigarette in der Halbzeitpause. © getty
Michael Ballack besteht bei seinen Clubs immer auf die Trikotnummer 13. Beim Dienstantritt in London sorgte dies für Ärger mit Teamkollege William Gallas, der die „13“ zuvor getragen hatte. Ballack setzte sich durch. © dpa
Die englische Fußball-Legende Gary Lineker schoss beim Aufwärmen niemals aufs Tor. Er wollte „die Treffer aufsparen“. Wenn er in der ersten Hälfte nicht einnetzte, wechselte er in der Pause sein Trikot. © getty
Der Ex-Nationalspieler Carsten Jancker küsste nach jeder Bude seinen Ring. Damit drückte er die Liebe zu seiner damaligen Freundin aus. © dpa
Giovanni Trapattoni (Was erlauben Struuuunz?/Gespielt wie eine Flasche leer...) vetraute bei der WM 2002 auf geweihtes Wasser. Damit besprühte er vor den Partien Teile des Platzes. Seine Schwester, die Ordensfrau ist, hatte ihm die Flüssigkeit besorgt. Gebracht hat es nichts. Italien schied früh aus.  © dpa
Der legendäre Dr. Socrates (Brasilien), der bei der WM 1986 einen Elfmeter aus dem Stand geschossen hatte (und vergab), betrat immer als letzter Akteur das Spielfeld. Der Grund: Aberglaube. © getty
Bei der WM 1986 gab es für die argentinische Nationalelf fünf Wochen lang kein Hühnerfleisch. Trainer Carlos Bilardo war der festen Überzeugung: Hühnerfleisch bringt Unglück. © Getty
Bei der WM 1998 küsste der französische Nationalspieler Laurent Blanc (2.v.r.) vor Beginn jeder Partie den kahlen Kopf seines Torhüters Fabien Barthez (2.v.l.). © dpa
Der Brasilianer Jorginho, der früher für den FC Bayern seine Kickstifel schnürte, ist streng gläubig. Vor den Partien überreichte er den gegnerischen Kapitänen stets eine Bibel. © dpa
Skandalkicker Eric Cantona nahm an jedem Spieltag morgens um Punkt acht Uhr ein fünfminütiges, heißes Wannenbad. © dpa
Frankreichs Ex-Nationalcoach Raymond Domenech soll bei der Aufstellung des Teams ganz genau auf die Strenzeichen der Spieler achten. Offenbar befragt er vor Kader-Nominierungen zudem das Horoskop. © dpa
Der Brasilianer Mario Zagallo, Weltmeister als Spieler sowie als Trainer, liebt die Zahl 13. Das rührt von der Verehrung des Heiligen Antonius her. Dessen Gedenktag wird am 13. Juni gefeiert. Zagallo lebt in einem 13. Stockwerk, heiratete am 13. Januar und verlangte als Spieler immer die Nummer 13. © dpa
Adrian Mutu trägt bei Spielen immer dieselbe Unterwäsche-Marke. © dpa
Auch der frühere kolumbianische Nationaltürhüter Rene Higuita schwörte auf Konstanz bei seiner Unterwäsche. Bei ihm mussten die Hosen blau sein. Eine Wahrsagerin hatte ihm dies empfohlen. © Getty
Miroslav Klose bekreuzigt sich vor jedem Einsatz. © dpa
Udo Lattek trug als Manager des 1. FC Köln in der Saison 1987/88 einen blauen Strickpulli. Und das 14 Spieltage lang. Immer denselben. Bis zur ersten Niederlage.  © dpa
Auch der frühere englische Nationalspieler Paul Ince hat stets darauf bestanden, das Spielfeld als letzter Akteur zu betreten. © dpa
Kölns Ex-Keeper Faryd Mondragon ist streng gläubig. Er ließ sich ein FC-Handtuch weihen. Vor den Spielen betet er, er soll sogar eine Marienfigur in der Kabine haben. © dpa
Der italienische Nationalkicker Gennaro Gattuso trug bei der WM in Deutschland die ganze Zeit über den gleichen Pullover. Außerdem packte er vor allen Partien ab dem Viertelfinale den Koffer für die Heimreise. Die Rituale waren von Erfolg geprägt, Italien wurde Weltmeister. © dpa
Der Engländer John Terry pflegt eine ganz besondere Beziehung zu seinen Schienbeinschützern. Jahrelang verwendete er immer dieselben. Als er sie nach einem Champions-League-Spiel in Barcelona verlor, war er am Erdboden zerstört. Außerdem setzt er sich im Mannschaftsbus immer auf den gleichen Platz. © dpa
Felix Magath hat während seiner ersten Zeit in Wolfsburg monatelang eine grüne Krawatte getragen. So lange, wie sein Club ungeschlagen war. © dpa
BVB-Verteidiger Neven Subotic trägt zwei Armbänder, die er von seiner bosnischen Oma Milena bekommen hat. Zu seinem Ärger muss er die Bänder vor den Spielen ablegen. Das gebieten DFL-Auflagen. © dpa
Der argentinische Superstar Juan Sebastian Veron wickelte immer eine Bandage um sein rechtes Knie. 1997 hatter er sich an dieser Stelle verletzt und den Verband von da an als Glücksbringer beibehalten. © dpa
1860-Verteidiger Moritz Volz geht vor Spielen regelmäßig in die Küche und backt Kuchen. Und nicht nur einen: „ Drei müssen es schon sein“, hat der Kicker in einem Interview gesagt. © dpa
Der englische Kult-Kicker und Trainer Jack Charlton („Die Giraffe“) wechselte als Spieler immer kurz vor dem Anpfiff die Stollen aus. Nach dem Aufwärmen marschierte er erst in die Kabine, wenn er einen Torschuss erfolgreich abgeschlossen hatte.   © getty
Louis Aragonés hasst die Farbe gelb. Der ehemalige Trainer der spanischen Nationalmannschaft soll während der WM 2006 in Dortmund einen gelben Blumenstrauß zur Begrüßung abgelehnt haben. Einst bat er sogar Mannschaftskapitän Raul, ein gelbes Jersey im Training auszuziehen. © dpa
Jörg Berger (†) wechselte vor seinem Dienstantritt bei der Frankfurter Eintracht im Jahr 1998 die Trainerbank aus. Das Möbelstück seiner Amtsvorgänger Horst Ehrmanntraut und Reinhold Fanz war ihm suspekt.  © dpa
Luca Toni schraubt nach Torerfolgen immer symbolisch an seinem Ohr. Das soll heißen:  „Avete capito“ (Habt Ihr das verstanden/Habt Ihr das gesehen?)! Böse Zungen behaupten hingegen, er würde den Regler seines Hörgerätes zurückdrehen, wenn es im Stadion zu laut wird. © dpa

Welcher Bayern-Spieler imponiert Ihnen persönlich am meisten?

Am meisten bei diesem Klub imponiert mir Uli Hoeneß. Er ist ein Macher, er hat diesen Verein dahin gebracht, wo er heute steht. Das allein ist bereits sehr beeindruckend. Bei ihm kommt aber noch dazu, dass er trotz seiner enormen Erfolge immer Mensch geblieben ist. Das ist selten in einer Branche, in der es schon viele Selbstdarsteller gibt. Uli Hoeneß ist einzigartig: Wie er Fußball liebt, mit immenser Leidenschaft seine Ziele verfolgt und dennoch den Blick fürs Soziale niemals verliert.

Jetzt haben Sie die Frage nach Ihrem Lieblingsspieler elegant umdribbelt.

Sie lassen da nicht locker. Na gut: Ich muss erst einmal sagen, auch wenn die Bayern in den vergangenen zwei Jahren nicht mehr die großen Erfolge gefeiert haben, ist schon sehr beeindruckend, wie die Spieler dort mit diesem enormen Druck umgehen, Samstag für Samstag. Ich habe selber Erste Liga gespielt und weiß, wie schwer es ist, jedes Mal wieder so voll im Saft stehen zu müssen, ganz egal, ob du einen Erfolg im Kreuz oder einen Rückschlag zu verkraften hast. Wenn Sie mich nach einem Spieler gezielt fragen, nenne ich Bastian Schweinsteiger. Seine Saison war, ich sage mal vorsichtig, zwar ein bisschen verhunzt, dennoch hat er eine enorme Entwicklung hinter sich. Er ist kein „Chefchen“, wie manche behaupten. Er ist ein Chef. Alles, was er auf dem Platz anpackt, hat Hand und Fuß.

Was trauen Sie den Bayern diese Saison zu?

Die Bayern gehen sicherlich hochmotiviert in die Saison, die letzten zwei Jahre werden sie gewurmt haben. Aus meiner Sicht bräuchten sie noch einen Top-Transfer, und es wird spannend, ob sie diese Vielzahl an Negativerlebnissen zuletzt verkraften. Der neue Sportvorstand Matthias Sammer verbreitet Aufbruchstimmung, das ist auch wichtig – die Frage wird aber sein, ob es die Bayern schaffen, all die Nackenschläge der letzten Zeit in eine Jetzt-erst-Recht-Mentalität umzuwandeln. Aber wenn ihnen das gelingt, werden sie sicher Meister.

Wie schaut es in Ihrem Team aus – sind Ihre Spieler eher Anhänger der „Roten“ oder der „Blauen“?

Ach, bei uns ist alles bunt gemischt – nur einen Dortmunder haben wir nicht . . .

. . . das sind ja schon mal gute Voraussetzungen für ein Duell mit Bayern in aller Freundschaft . . .

Ja, aber wer uns vom FC Ismaning kennt, weiß, dass wir uns nicht verstecken. In so einem Spiel können wir ungemein lernen. Wir werden da nicht ängstlich sein, sondern mit Respekt und Tatendrang auflaufen. Also, wenn ich nicht ohnehin schon im Stadion wäre, dann würde ich als Zuschauer sicher kommen

Interview: Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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