Haching-Boss Schwabl im Interview

"Kein Poker mit dem Kapital des Vereins"

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Haching-Boss Manfred Schwabl.

Unterhaching – Hinter Manfred Schwabl, 46, liegt die erste Hinrunde als Präsident der SpVgg Unterhaching. Im Interview zieht der ehemalige Profi eine Bilanz beim Tabellenvierten der Dritten Liga.

-Herr Schwabl, zum Ende der Vorrunde steht eine Bilanz an. Beginnen wir sportlich – das Fazit fällt wohl erfreulich aus, oder?

Absolut. Vor allen Dingen die Botschaft, dass wir salonfähig sind trotz unseres niedrigen Altersschnitts. Von der Spielweise wie der Konstanz her. Und auch, dass das gleichberechtigte Trainer-Duo Baum und Schromm funktioniert. Da gab es ja etwas Skepsis.

-Nach dem 7. Spieltag wurde in Sascha Bigalke der beste Mann noch verkauft – alle dachten: Das war es jetzt mit Haching. Hatten Sie auch Angst?

Die Kernfrage an die Trainer war in dieser Sache: Steigen wir ohne Bigalke ab? Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: Nein. Unser Konzept ist nicht auf Einzelne ausgerichtet. Bei den Verhandlungen kamen wir dann an den Punkt, wo wir es machen mussten. Alles andere wäre dem Verein gegenüber unverantwortlich gewesen.

-Es ist ja immer heikel, einzelne Spieler zu loben – aber wer hat denn nach Bigalkes Abgang die Kohlen aus dem Feuer geholt?

Eigentlich alle, aber da muss man ein paar Namen nennen: Stefan Riederer hat im Tor einen Riesenschub gemacht. Daniel Hofstetter kam von 1860, da wusste keiner: Ist er 6er, ist er Innenverteidiger? Er hat den Abgang von Patrick Ziegler bestens kompensiert. Maximilian Welzmüller verbindet Spiel und Kampf, das ist ein super Typ. Bei Dominik Rohracker hieß es: Was wollt ihr mit dem? Der ist in Sandhausen untergegangen. Wir haben uns erkundigt, er passt in ein offensives System wie das unsere wie die Faust aufs Auge. Dazu gefällt uns die Entwicklung von Florian Niederlechner enorm. Das ist so ein brutal oberbayerischer Dickschädel, da könnte ich Anekdoten erzählen . . .

-. . . bitte, nur zu!

Gegen Aachen haben ihn die Trainer auf die Bank gesetzt. Am Vormittag gehen wir spazieren, am Nachmittag ist das Spiel, er sagt zu mir: „Präsi, die Trainer musst du entlassen“ – weil er nicht spielen durfte. Ich sagte zu ihm: „Ruhe bewahren, du machst eine Kiste, wenn du reinkommst.“ Und so war es dann auch. Wir fanden es alle gut, dass ein Spieler da gleich das Gespräch sucht – und dann aber auf dem Platz so reagiert.

-Viele reden nun schon vom Aufstieg – Sie auch?

Nein. Absolute Priorität hat, und das muss ich allen Träumern in aller Deutlichkeit bewusst machen, die wirtschaftliche Konsolidierung des Vereins. Mit diesem Ziel bin ich angetreten, und es kann noch ein, zwei Jahre dauern, bis hier alle wieder ruhig schlafen können. Ohne Spielertransfers wird das nicht gehen . . .

- . . . bedeutet das, dass man schon im Winter wieder an einen Punkt wie zuletzt bei Bigalke kommen könnte, an dem ein Nein unverantwortlich wäre?

In einer gewissen Größenordnung sicherlich. Das muss jedem bewusst sein. Das Gute ist, wir haben uns mit der Hinrunde eine Basis erarbeitet, dass Abstieg kein Thema mehr sein dürfte. Und unser Jugendkonzept steht so gesichert, dass wir Nachrücker in den eigenen Reihen haben. Ich kann mich nicht wie ein Fahndel im Wind drehen und jetzt plötzlich sagen: Ich pfeif’ auf Konsolidierung, ich will jetzt den Aufstieg, das Risiko gehe ich ein. Ich pokere gerne mal. Aber sauber an einem Tisch – und nicht mit dem Kapital des Vereins. So sieht das ganze Präsidium die Lage, und die Trainer auch. Das Karussell wird sich so lange drehen, bis wir wirtschaftlich solide dastehen. Der Aufstieg ist ein mittelfristiges Ziel, und unsere Infrastruktur gibt das auch her. Aber ein Aufstieg muss aus Wachstum entstehen. Alles andere ist Harakiri. Und das ist mit mir nicht drin.

-Wie kann man das abwägen: Was ist rentabler – Spielerverkäufe im Winter oder doch allen Ernstes Angriff auf die Zweite Liga?

Wir werden die Spieler nicht herschenken. Wir würden die Saison ja auch so überstehen. Der Preis muss passen. Beim ersten Angebot von Köln für Bigalke habe ich einen Lachkrampf gekriegt. Wir sind hier weiter kein Flohmarkt. Dennoch: So lange wir keinen Hauptsponsor haben, scheuen wir keine Spielerverkäufe. Das dürfen wir gar nicht.

-Warum ist die Sponsorensuche schwer? Der Verein steht sportlich und in seinem Auftreten top da.

Ich bin im Sommer angetreten mit der Aussage, dass wir Ende August einen Sponsor haben. Das hat nicht geklappt, daran lasse ich mich messen. Wobei wir durchaus zwei, drei Abschlüsse hätten erzielen können – aber mit Trittbrettfahrern, die wollten wir nicht haben. Der Richtige war noch nicht dabei. Wir wollen jemanden, der unser Projekt längerfristig begleitet.

-Aachen hat Insolvenz angemeldet, bei Duisburg sammeln die Fans Pfandflaschen, um den Verein zu retten – wie sehen Sie die Entwicklung der Branche?

Das alles unterstreicht, dass wirtschaftliche Konsolidierung oberstes Prinzip ist. Ich finde auch gut, dass der DFB genau hinschaut. Das ist ein guter Gegencheck. Die Maßgabe muss immer sein, nicht mehr auszugeben als einzunehmen – und wenn ich mit der A-Jugend spielen muss.

-Vor ein paar Wochen wurde die SpVgg Unterhaching beim DFB in Frankfurt vorstellig. Klären Sie doch mal auf: Ein Rapport?

Das war kein Rapport. Es war die erste Lizenzierung unseres neuen Präsidiums. Da gehört es für mich zum Stil, dass man sich einmal vorstellt.

-Wie akut ist die Lizenz der SpVgg in Gefahr?

Es gibt noch eine Liquiditätslücke bis zum Saisonende, wir haben ja noch keinen Hauptsponsor. Aber im Sommer muss definitiv nicht zugesperrt werden, wenn wir unsere Hausaufgaben machen. Der DFB findet auch gut, dass wir total mit offenen Karten spielen. Es ist ja kein Geheimnis, dass Haching kein Budget hat, um sich wichtig zu machen. Die Schulden sind aber so, dass wir ruhig schlafen können. Nur dürfen wir auch keinen Schmarrn machen. Wir könnten uns hinstellen und uns feiern lassen, weil es sportlich läuft. Aber wir sagen eben nicht: Wir gehen jetzt den Aufstieg an, koste, was es wolle – und nach uns die Sintflut. Wir müssen weiterdenken. Da kriege ich lieber zwischendurch Prügel, wenn ab dem Winter möglicherweise bei uns sechs neue Talente auf dem Platz stehen.

Interview: Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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