Trainer Athanasios Kiourkas verteidigt die Vereinsphilosophie und weist Fehler von sich

Kiourkas: ,,300€ für einen Deutschen? Das ist pervers"

Anasthasios Kiourkas, Trainer SC Fürstenfeldbruck

Nach dem Abwenden der Insolvenz und dem damit verbundenen finanziellen Kollaps, befindet sich der SCF dennoch sportlich im freien Fall. Die Situation ist dramatisch: Mit nur 13 Zählern liegt der SCF auf einem Abstiegsplatz. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt bereits sieben Punkten. Mit einem möglichen Abstieg würde der Verein ein historisches Novum in der Clubgeschichte beschreiten. Nie hat der Verein seit Erhebung der Datenbanken  unterhalb der Bezirksliga gespielt. Keine einfache Aufgabe für Trainer Athanasios Kiourkas. Er kämpft zudem mit Vorwürfen: ,,Das Fürstenfeldbrucker Umfeld sieht die Konstellation der Mannschaft nicht nur aus sportlichen Gründen kritisch. Die Identifikation der Spieler steht und fällt mit der Nationalität", so der Grieche. Der Vorwurf lastet schwer: Im Kader spielen kaum bayerische Spieler mit Fürstenfeldbrucker DNA. Die Anhänger vermissen auch Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. 

Trainer Kiourkas verteidigt die Kaderstruktur des einstigen Bayernligisten und mahnt an: ,,Bei Athletic Bilbao spielten auch früher nur Basken. Dort hat man das System schon ein bisschen aufgeweicht und die Clubsatzung angepasst. Es ist heutzutage unmöglich nur Spieler zu bekommen, die fest verwurzelt sind mit dem Verein. Ähnlich verhält sich das in Fürstenfeldbruck. Ich hätte auch gern eine Mannschaft, die nur aus bayerischen Spielern besteht. Heutzutage kann man diese Spieler aber nicht zwingen, bei uns zu spielen. Deshalb müssen wir andere Wege gehen“, sagt Trainer Kiourkas.Die Zusammenstellung des Kaders steht bei Trainer Kiourkas nicht zur Debatte. ,,Wir hätten gern mehr Ehemalige und deutsche Spieler zum SCF geholt. Der Haken an der Sache ist nur: Wir bekommen diese Spieler nicht.“ Diese Spieler zu holen, würde laut Kiourkas mehr auf der Phantasie des Fürstenfeldbrucker Umfeldes, denn auf Realität beruhen: „Wir gehen nicht wahllos vor bei den Transfers.  Wir müssen unsere Kontakte nutzen, um junge, hungrige Spieler zu bekommen. Nicht jeder begeistert sich dafür, in der Bezirksliga bei uns zu spielen.“Zu den sportlichen Problemen bei der Spielersuche gesellt sich die finanziell schwierige Lage hinzu. Kiourkas: „Wenn Spieler für den selben Aufwand, den wir betreiben, andernorts 300 € bekommen, dann sollen sie eben dort hingehen. 300 € im Monat für einen Spieler in der Bezirksliga? Das ist doch pervers. Wir sind immer noch im Amateurfussball.“ Die sportlichen und finanziellen Fehler der Vergangenheit konnte Kiourkas in seiner noch kurzen Traineramtszeit nicht beheben. Für eine sportlich positive Entwicklung benötigt die Mannschaft ihm zu Folge mehr Zeit: „Als ich im Sommer herkam, standen wir vor der Herausforderung, eine komplett neue Mannschaft zusammen zu stellen. Wir hatten vor Saisonbeginn nur drei Spieler aus der Vorsaison dabei. Dass man dabei alle Kontakte und Netzwerke nutzt, die zur Verfügung stehen, ist doch selbstverständlich“. Kiourkas beschwört das Umfeld darauf, geduldig zu bleiben: „Hier muss zunächst einiges neu zusammen wachsen. Das Umfeld benötigt dafür Ruhe und Geduld. Dann kann es uns als Verein gelingen, wieder nach oben zu gelangen. Aber das braucht Zeit.“Zum Vorwurf der sprachlichen Barriere fordert Kiourkas die Beendigung des in starren Mustern verhafteten Denkens der Anhänger: ,,Die Fans fragen sich, wie wir uns unterhalten auf dem Platz. Dazu kann ich nur sagen: das ist eine Scheindiskussion. Wir gehen höflich miteinander um und verurteilen niemanden für seine Herkunft. Ich selbst bin Grieche, fühle mich aber wie ein Deutscher. Wer entscheidet überhaupt darüber, was typisch Bayerisch oder typisch für Fürstenfeldbruck ist? Die Leute müssen von dem Gedanken weg kommen, nur nach Hautfarbe oder Religion zu urteilen. Wir fühlen uns wie ein Teil von Fürstenfeldbruck.“Trainer Kiourkas sieht sich nicht nur als Trainer, sondern auch als Vermittler: Er will das Umfeld wieder auf die Seiten der Fürstenfeldbrucker Mannschaft ziehen: „Wir brauchen die Unterstützung der Fans. Nur mit dem Zusammenhalt im Verein werden wir die Klasse halten.“

Text: Fabian Schönrock

Quelle: fussball-vorort.de

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