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Löwen Legende Karsten Wettberg: „Widerstände reizen mich“

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Kleiner Mann ganz groß: Wettbergs Buchtitel ist Programm, ein Ende der Trainerlaufbahn nicht in Sicht.

SV Seligenporten - Karsten Wettberg ist eine Löwen-Legende, seit er vor 20 Jahren den TSV 1860 München zurück in den Profifußball geführt hat.

Heute, mit fast 70 Jahren, trainiert er immer noch, den Bayernligisten

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SV Seligenporten. Ist aber dem TSV 1860 München weiter eng verbunden.

- Karsten Wettberg, wie lässt sich ihre Tätigkeit als Bayernliga-Trainer beim SV Seligenporten mit Ihren Aufgaben beim TSV 1860 verbinden?

Bei Sechzig bin ich Scout, meine Funktion ist aber mehr oder weniger beratend. Ich betätige mich als Türöffner für Talente und kann mit meinem Netzwerk, das ich mir über Jahrzehnte aufgebaut habe, Informationen weitergeben. Den Trainerjob kann ich noch nebenbei machen. Ich bin ja seit 2002 in Rente und seitdem zum ersten Mal in meinem Leben professionell, im ursprünglichen Sinne des Wortes, als Trainer tätig.

- Bereits vor ihrem Engagement bei den Löwen waren Sie ein erfolgreicher Bayernliga-Trainer in Ingolstadt, Landshut und Unterhaching. Wie kam es schließlich zum Kontakt mit den Löwen?

Ich habe ja mit den beiden Ingolstädter Vereinen, Landshut und Unterhaching fast ein Jahrzehnt lang verhindert, dass Sechzig aufgestiegen ist. Daher war ich nicht gerade beliebt bei den Sechzger- Fans. Einmal bin ich sogar verfolgt worden, als wir mit Haching Sechzig 3:2 geschlagen haben. Nach der Pressekonferenz stand ich auf einmal alleine draußen. Da hat mich dann die Meute entdeckt und bis zum Wettersteinplatz verfolgt. Gott sei Dank war ich immer sehr gut zu Fuß und bin dort in ein Taxi gestiegen.

- Warum dann doch 1860?

Kurz vor Weihnachten 1989 ist Sechzig das dritte Mal auf mich zugekommen. In meiner dritten Saison in Unterhaching war mein Vertrag noch nicht verlängert und ich wusste, wenn ich das dritte Mal nein sage bei Sechzig, dann ist das gegessen. Also habe ich gesagt, ich komme nach der Saison. Im Januar haben sich dann die Ereignisse überschlagen. Bevor wir nach Portugal ins Trainingslager fliegen wollten, kam der Schrobenhauser zu mir und hat gesagt: „Was machst’n für an Scheiß, Coach“? Da habe ich gesagt, du Toni, ich geh nach der Saison, „ja sog hoit, was’d wuist, wuist mehra Geld oder a gressas Auto“? Na Toni, nach der Saison geh ich zu Sechzig, hab ich gesagt. Am nächsten Tag haben sie mich beurlaubt. Ungefähr 14 Tage später habe ich bei Sechzig angefangen, wo ich zuerst die Spreu vom Weizen trennen musste.

- Gab es denn schon vorher eine Verbindung zu den Löwen?

Auch wenn früher mein Klub immer der HSV war, darf man nicht vergessen: Sechzig war der Kultverein in der Bayernliga. Das Spiel gegen Sechzig war immer ein besonderes. Ich gebe auch gerne zu, Sechzig war mir immer näher als Bayern. Das Elitäre von Bayern fordert das geradezu raus.

- Wie bewerten sie den weiteren Weg der Löwen nach ihrer Zeit?

Wildmoser war die ersten Jahre wegen der sportlichen Erfolge und seiner Maßnahmen in der Infrastruktur optimal. Dann hat man in der

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Immer noch mit vollem Eifer dabei: Wettberg © sampics

Führung nicht gemerkt, dass Sechzig eine Kopie wird und nicht das Original bleibt. Entscheidend war die Stadionfrage. Aber zu sagen, einer alleine ist schuld, ist sicher nicht richtig. Auch die Kontrollorgane hätten sagen müssen: Wo ist der Plan B bei einem möglichen Abstieg? Sportlich die große Fehlentscheidung war, dass man den Pacult auf dem achten Platz entlassen und so einen Blender, wie es zweifellos der Falko Götz war, geholt hat. Das werde ich nie verstehen. Mit dem Dieter Schneider ist der Verein jetzt auf dem Präsidenten-Posten dafür so gut besetzt wie noch nie. Die ganze Familie ist natürlich blau bis zur Unterhose - ohne die Frau Schneider jemals in Unterhose gesehen zu haben.

- Wie ging es für Sie weiter nach ihrem Engagement bei 1860?

Ich hatte schöne Angebote damals. Das war aber nicht möglich. Für Sechzig hatte ich eine Ausnahmegenehmigung, die hat mir der Horst Seehofer beschafft. Ich bin der erste und einzige Postbeamte damals gewesen, der an zwei Tagen in der Woche Urlaub ohne Bezüge bekommen hat. Ich war schon über 50 damals und stand kurz davor, Oberamtsrat zu werden. Als Profitrainer hätte ich das aufgeben müssen.

- Im Frühjahr 2009 landeten Sie nach weiteren Stationen in Landshut, Ingolstadt und Regensburg schließlich in Seligenporten, wo Sie bis heute tätig sind. Wie lauten dort ihre Ziele und glauben Sie, dass dies Ihre letzte Trainerstation sein wird?

So weit denke ich jetzt noch nicht. In Seligenporten habe ich gerade per Handschlag um ein Jahr verlängert und hoffe, dass wir nächstes Jahr eine sportliche Chance haben, unter die ersten Neun zu kommen, um uns für die neue Regionalliga zu qualifizieren.

Könnte das Ende meiner Trainerkarriere sein

Ich könnte mir vorstellen, dass das der Abschluss meiner Trainerlaufbahn ist – wobei ich mir angewöhnt habe, nie nie zu sagen. Eigentlich möchte ich andere Dinge auch noch machen. Wesentlich mehr reisen, lesen, ins Theater gehen, all die Dinge, die sonst zu kurz kommen. Aber ich kann mir schon vorstellen, Seligenporten noch zwei, drei Jahre zu trainieren. Lieber würde ich aber noch mehr im Scouting bei Sechzig machen, das sage ich ganz offen. In der ersten Liga etwa. Dazu müsste ich dann als Trainer aufhören.

- Auch in der Politik sind Sie sehr engagiert.

Im Landkreis Kelheim habe ich einiges bewegt für den Sport. Gegen Widerstände vorzugehen, reizt mich.

- Was halten Sie von der Ligenreform, die ab 2012 greift?

Das ist dringend notwendig gewesen, weil die Regionalliga sich totgelaufen hat. Die Auflagen haben einige Vereine in die Insolvenz getrieben, die Amateurvereine sind im Stich gelassen worden. Für den BFV ist die neue Regionalliga Bayern ein Riesenerfolg.

- Verraten Sie uns zum Schluss noch Ihr Erfolgsgeheimnis?

Worauf ich wirklich stolz bin: Ich bin noch nie abgestiegen – auch nicht mit Sechzig. Als Trainer muss man Optimist sein. Außerdem glaube ich, dass man es nicht so lange in dem Job aushält, wenn man keine Erfolge hat. Die entschädigen für vieles. Ich arbeite aber auch gerne mit jungen Leuten zusammen. Man bleibt in der Denke jünger. Die heutige Generation ist wesentlich informierter, denen kann man nicht viel vormachen. Da ist Kompetenz und Überzeugung notwendig. Ganz wichtig ist natürlich meine Frau Gisela, mit der ich seit 42 Jahren verheiratet bin, die immer zu mir steht. Auch wenn ich nach Niederlagen nicht unbedingt so genießbar bin. Wenn einem eine Niederlage aber nicht mehr weh tut, dann muss man aufhören.

Dieser Text erschien auf der neuen Amateurfußball-Seite im Hauptsport des Münchner Merkur. Jeden Mittwoch lest Ihr dort spannende Geschichten rund um den Lokalfußball. Autoren sind Reinhard Hübner und Matthias Horner.

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