Memmingen verliert vor 17000 Zuschauern

Ejnar Kahric: „Klar waren wir angespannt, spätestens nach der Ankunft hier im Stadion“.

FC Memmingen - Von der Atmosphäre her war das Regionalliga-Saisonfinale beim SV Darmstadt 98 mit 17.000 Zuschauern noch einmal ein Höhepunkt für den Aufsteiger.

Beim Blick in die Vereinsanalen gab es im Bayernliga-Spiel am 16. August 1989 beim TSV 1860 München erst einmal eine fünfstellige Zuschauerzahl in der genau 104-jährigen Clubgeschichte. 10.000 war es im Grünwalder Stadion.

Damals wie diesmal: Ein Menschenmeer in blau und weiß. Das sorgte am Darmstädter Böllenfalltor sorgte für Gänsehaut. Bei den Hausherren, die sich in alte Erst- und Zweitliga-Zeiten zurückversetzt fühlten. Und natürlich bei den Gästen. „Das war ein schönes Gefühl als wir eingelaufen sind. Eine Riesenwand von Zuschauern auf der Gegengeraden“, fände es FCM-Abwehrspieler Matthias „cool, wenn wir so was jede Woche hätten“. Dann müsste er allerdings eine andere Form von Kommunikation auf dem Platz finden. „Man versteht nichts mehr vom Mitspieler“. Eines der vergeblichen Kommandos führte beispielsweise zum 0:2 (37.), als Bader seinen Kapitän Stefan Pfohmann nicht hörte und SV98-Stürmer Oliver Heil in die Gasse lief. Vorangegangen war zugegebenermaßen aber auch ein Zuckerpass von Sven Sökler, der seine starke Leistung in der Nachspielzeit der ersten Hälfte mit dem 3:0 krönte. Ein Treffer Marke „Tor des Monats“, wie der Reporter der Live-Übertragung des Hessischen Fernsehens bemerkte. Demnächst wird Söklers Kabinettstückchen auch in der ARD-Sportschau zu sehen sein. Mit dem klaren Pausen-Vorsprung war die Meisterschaftsentscheidung praktisch gefallen. Am Ende stand ein 0:4 – wobei die Allgäuer vom Ergebnis her unter Wert geschlagen wurden.

Memmingen hätte es nach dem 0:1-Rückstand durch Heil (14.) nämlich durchaus spannend machen können. Bei Candy Deckers Kopfball („Das 1:1 muss ich machen“) fehlten in der 16. Minute nur Zentimeter. Wie auch bei Maximilian Knuths Versuch (28.). So aber blieb dem FCM in der zweiten Halbzeit nur noch die Statistenrolle, als in Darmstadt schon die Feierwelle anrollte. Obwohl Ejnar Kahric im „Spiel des Lebens“ ein Andenken in Form einer mit vier Stichen genähten Platzwunde am Auge aus Darmstadt mitnahm, wird er den 28. Mai 2011 in guter Erinnerung behalten: „Für mich war das wie ein Pokalspiel, David gegen Goliath. Es war ein toller Rahmen für uns alle“.

Es war auch ein Nachmittag, der aufgezeigt hat, dass sich die Fußballwelten von Darmstadt und Memmingen schon noch ein ganzes Stück unterscheiden. Die „Lilien“ verabschieden in die 3. Liga. Der FCM beschließt die Regionalliga-Runde auf Rang 13. „Die sieben Niederlagen in Folge zum Schluss bleiben natürlich haften“, war Mattias Bader etwas betrübt. Der FCM-Vorsitzende Armin Buchmann setzte hinterher aber dennoch einen positiven Schlusspunkt: „Ich bin stolz. Außer dem FC Augsburg hat noch nie ein bayerisch-schwäbischer Sportverein vor so einer großen Kulisse gespielt“. (ass)

Stimmen zum Spiel:

Ejnar Kahric: „Klar waren wir angespannt, spätestens nach der Ankunft hier im Stadion“.

Maximilian Knuth, der zum TSV 1860 München II wechselt: „Vor 17.000 Zuschauern – das war schon ein Highlight“.

Andreas Rucht (für Harald Holzapel in der zweiten Halbzeit ins Spiel gekommen): „Das war in meinem letzten Spiel ein schöner Abschluss, leider ohne Sieg. Ich war auch beim Eröffnungsspiel des neuen Augsburger Stadions dabei. Aber von der Stimmung war das heute natürlich schon ein Unterschied“.

Stürmer Andreas Hindelang : „Das ist natürlich schöner als beim FSV Frankfurt II vor 100 Leuten zu spielen. Mit Stuttgart II habe ich in Dresden und Düsseldorf auch schon mal vor so großen Kulissen gespielt“.

 

Kapitän Stefan Pfohmann nach seinem letzten Spiel für den FC Memmingen: „Ich hatte Gänsehaut, als ich eingelaufen bin. Das wird noch lange in Erinnerung bleiben“.

SV Darmstadt 98:

Zimmermann - Brighache, Söckler, Grueter, Hesse, Bruedigam, Toch (61. Henel), Stark, Acar, Amstätter (81. Kolb), Heil (85. Anhanfouf).

FC Memmingen 07: Kirchenmaier – Rehm, Pfohmann, Bader, Holzapfel (46. Rucht) – Zobel, Maier, Kahric (46. Heger), Knuth (70. Mangler) – Hindelang, Decker.

 Tore: 1:0 (14.) Heil, 2:0 (37.) Heil, 3:0 (45. + 1) Sökler, 4:0 (79.) Heil. - Schiedsrichter: Christ (Münchweiler). – Gelbe Karten: Sökler, Amstätter / -. - Zuschauer: 17.000.

Quelle: fussball-vorort.de

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