SCF-Schatzmeister Fischer im Interview

Nach Altpräsidenten will neuer Großsponsor die Schatulle öffnen

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Der Wimpel ist schon da: Schatzmeister Gerhard Fischer kommt das Bayern-Gastspiel wie gerufen. foto: loder

SC Fürstenfeldbruck - Nach dem FC Bayern ist vor dem TSV Affing. Während die Bayernliga-Elf des SC Fürstenfeldbruck nach der heutigen Testspiel-Kür am Sonntag bei den Schwaben wieder zur Liga-Pflicht zurückkehren muss...

Nach dem FC Bayern ist vor dem TSV Affing. Während die Bayernliga-Elf des SC Fürstenfeldbruck nach der heutigen Testspiel-Kür am Sonntag bei den Schwaben wieder zur Liga-Pflicht zurückkehren muss, arbeiten die Verantwortlichen im Hintergrund fieberhaft an einer Lösung der finanziellen Schieflage – die schon jetzt offenbar keine mehr ist. Zumindest, seit der neue kommissarische Schatzmeister Gerhard Fischer frischen Wind in den finanziell zuletzt arg klammen Verein gebracht hat. Die Erfahrung hat er: Fischer ist beruflich im Bereich Consulting, Organisation und Prozessvorbereitung tätig. Vor einigen Wochen hat er das Amt als Schatzmeister vom aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Alfred Januschke übernommen.

-Herr Fischer, wie hat sich die Kassensituation nach Ihrer Amtsübernahme dargestellt?

Alle im Verein sind zuletzt enger zusammen gerückt, von den Altpräsidenten über die Alte Liga bis zur Jugendabteilung. Gemeinsam konnten wir das Loch aus der Vergangenheit schließen. Diese Zusammenarbeit aller im Verein war sehr wichtig. Die Zahlung der Spielergehälter ist damit gesichert.

-Wie ist das Zusammenrücken zu verstehen? Haben vor allem die früheren Präsidenten noch einmal die Geldschatulle geöffnet?

Ja, so ist es.

-Das könnte man nun als kurzfristige Brandbekämpfung abtun. Was passiert, damit es dem Verein auch langfristig wieder besser geht?

Über Vizepräsident Eckard Lutzeier sind wir an einem größeren Sponsor für die Zukunft dran. Mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen, da noch nichts vertraglich fixiert ist. Die finalen Gespräche sind erst in 14 Tagen.

-Reicht ein Großsponsor für eine sorgenfreie Zukunft überhaupt aus?

Wir müssen natürlich weiter nach Geldgebern suchen. Mir ist dabei egal, wie viel ein Sponsor zahlt, denn: Kleinvieh macht auch Mist. Wir suchen im Team: Eckard Lutzeier nimmt den Erstkontakt auf. Meine Frau Nelly übernimmt die administrativen und organisatorischen Arbeiten. Wir wollen die Sponsoren wieder mehr ins Boot holen und transparenter arbeiten. Wir müssen das Vertrauen der Geldgeber zum Verein wieder neu aufbauen.

-Wie würden Sie sich selbst als Schatzmeister beschreiben?

Mein Vater war Bänker. Von ihm habe ich gelernt, dass man nur ausgibt, was man auch einnimmt, und dass man auch immer etwas auf der hohen Kante haben sollte. Ich bin daher eher konservativ. Das heißt aber nicht, dass ich auf dem Geld sitze und nur anhäufen will. Aber die Ausgaben müssen sich finanziell darstellen lassen.

-Kann man unter dieser Prämisse in der Winterpause auf dem Spielermarkt noch einmal zuschlagen?

Ich glaube, dass die Mannschaft qualitativ gut genug ist, um die Liga zu halten – vor allem, wenn die Unruhe im Umfeld weg ist und die Mannschaft in Ruhe arbeiten kann.

-Qualitativ vielleicht. Aber auch quantitativ? Verletzungsausfälle haben den SCF zuletzt hart getroffen.

Das ist richtig, insofern würden neue Kräfte sicher nicht schaden. Dazu müsste man aber eigentlich jetzt schon tätig werden, und das können wir noch nicht. Wenn sich später noch etwas ergibt, und sich der Spieler auch finanzieren lässt, dann erscheint das durchaus möglich. Das hängt aber von der Größenordnung ab. Ich will auf keinen Fall in zwei Jahren finanziell wieder da stehen, wo wir in letzter Zeit waren.

-Unabhängig von der Liga: Welche Strategie wird für die kommende Saison ausgegeben?

Für die neue Saison muss vor allem ein sauberer Budgetplan aufgestellt werden. Priorität Nummer eins ist: Die Spielzeit muss vorab finanziell zu 100 Prozent abgesichert sein. Der Verein hat schließlich auch eine repräsentative Aufgabe für die Stadt Fürstenfeldbruck. Wir müssen weg von den schlechten Schlagzeilen.

-Apropos schlechte Schlagzeilen: Es kursieren immer wieder Gerüchte über noch ausstehende Gehaltszahlungen an frühere Spieler.

Das klären wir derzeit noch ab. Bis jetzt ist in meinen Augen aber alles abgegolten, ich habe noch keine offenen Zahlungen gefunden. Aber auch da bin ich konservativ. Ich will das erst schwarz auf weiß sehen, bevor ich mich aus dem Fenster lehne und endgültig sage: Das stimmt, oder das stimmt nicht.

-Kann sich der SCF die Bayernliga langfristig leisten?

Wir sind nicht bereit, die derzeit kursierenden Gehälter auf dem Spielermarkt mitzugehen. Wir müssen deshalb noch mehr auf die Jugend bauen. Da müssen wir so intensiv arbeiten, dass wir die Spieler aus dem eigenen Nachwuchs an die erste und zweite Mannschaft heranführen können. Generell glaube ich: Wenn wir solide wirtschaften, dann kommt auch der sportliche Erfolg wieder.

Interview: Andreas Daschner

Quelle: fussball-vorort.de

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