FC Pipinsried und SC Fürstenfeldbruck – Beide Vereine haben mir ideell sehr viel gegeben

Michael Schrodi spielte einst für Pipinsried und Bruck.

Von 1995 bis 1997 spielte Michael Schrodi beim FC Pipinsried, danach mit kurzer Unterbrechung (FC Ismaning) bis 2005 beim SC Fürstenfeldbruck. Vor dem Derby beider Vereine aus dem Norden Dachaus und dem Westen Münchens erinnert sich der jetzt 34-jährige Noch-Gröbenzeller, der jetzt nach Olching umzieht und für die SPD in den Bundestag einziehen will.

Der FC Pipinsried und der SC Fürstenfeldbruck sind beide Dinos in der Landesliga. Was macht den Unterschied?
 Pipinsried ist tatsächlich noch ein Dorf, dort geht es familiär zu, die Anhänger sind eine verschworene Gemeinschaft. Dort wird Fußball gelebt. In Fürstenfeldbruck ist alles größer. Auch die Konkurrenz mit anderen Sportarten. In Pipinsried gibt’s Fußball und sonst gar nichts.

Wo wird jetzt der bessere Fußball gespielt?
 Da will ich mir kein Urteil anmaßen. Ich bin seit fünf Jahren raus aus dem Geschäft. Aber mit dem Herzen bin ich beiden Vereinen verbunden und verfolge ihren Weg.

Die ersten Acht in der Landesliga dürfen in die neue Bayernliga. Wer von beiden Vereinen ist dabei?
Bruck gehört auf jeden Fall da hin.

Und Pipinsried?
 Ich habe absolute Hochachtung vor Konrad Höß. Was er aus dem Verein gemacht hat, ist einmalig und nicht zu kopieren. Der FC gehört da hin, wo er sich qualifiziert. Und wenn es die Bayernliga ist, wäre dies ein weiterer toller Erfolg.

Warum sind in der Vergangenheit mehr SCF-Spieler nach Pipinsried gegangen als umgekehrt?
Also bei mir war’s umgekehrt. Auch bei Florian Hönisch. Ansonsten glaube ich: Wenn jemand in Bruck unzufrieden war oder ist, bietet ihm Höß eine Perspektive. Der SCF wiederum sucht gezielt nach Personal und schaut, dass der Spieler dem Verein auf seiner Position weiterhilft.

Wie sind Sie damals nach Pipinsried gekommen?
Ich spielte damals bei der A-Jugend des SC Olching. Ein Kollege hatte Verwandte in Pipinsried und Konrad Höß wurde auf mich aufmerksam gemacht. Der hat mich dann verpflichtet. Wohl auch, weil ich nichts gekostet habe. Später hat er mir gestanden, nicht ernsthaft daran geglaubt zu haben, dass ich es in die Stamm-Elf schaffen würde. Nach dem Prinzip: Schafft er’s, ist es okay; schafft er’s nicht, haben wir nichts verloren.

Machte sich das auch finanziell bemerkbar?
In Pipinsried war ich der Jungspund, beim SCF wurde ich zum Leistungsträger und dann auch besser bezahlt. Aber beide Vereine haben mir ideell viel gegeben: Bei Pipinsried konnte ich mich als 18-jähriger in der Herrenmannschaft beweisen, mit dem SCF stieg ich in die Bayernliga auf.

Was ist dran an dem Gerücht, dass zumindest früher die Spieler in Pipinsried nach dem Donnerstags- Training ihr Auto in der einzigen Zapfsäule am Ort volltanken durften?
Das stimmt schon. Ein Sponsor hatte eine Zapfsäule, an der wir tanken konnten. Allerdings war die Tankstelle nicht in Pipinsried, sondern noch etwas weiter draußen im Dachauer Hinterland. Zuvor ging es jeden Donnerstag noch zu den Clubabenden mit den Fans ins Wirtshaus zum Lampl. Das war schon skurril. Da stand der Höß und hielt seine Rede, die jede Woche irgendwie gleich war: Wie klein der Verein ist, doch wie gut wir sind, was der Verein schaffen kann und so.

Dann muss es ja später in Bruck richtig langweilig gewesen sein? Beim SCF war alles etwas ungezwungener. Wir waren damals innerhalb der Mannschaft aber eine wirklich verschworene Gemeinschaft. Und damals war es auch noch Pflicht, nach dem Abschlusstraining ins Vereinsheim zu gehen. Es gehörte einfach dazu, auch wenn man manchmal keine Lust dazu hatte. Aber für eine Mannschaft ist es wichtig, sich in diesem Rahmen auszutauschen.

Wehmut?
Nein, ich vermisse den Fußball nicht. Ich zehre noch immer an den sehr schönen Erinnerungen. Wenn ich etwa in der Sportschau Bundesliga- Profis sehe, gegen die ich selbst noch gespielt habe. Marcel Schäfer vom VfL Wolfsburg etwa. Der war früher bei den Münchner Löwen, als wir mit dem SCF gegen die gespielt haben. Der hat gegen mich kein Land gesehen und stand trotzdem zwei Wochen später plötzlich auf dem Rasen im Olympiastadion. Oder Stefan Kiesling, der jetzt in Leverkusen ist. Als er noch in Nürnberg war, haben wir gegen deren Amateure gespielt und 1:0 gewonnen. Ich leistete mir gegen Kiesling ein taktisches Foul und kassierte die Ampelkarte.

Mit 29 Jahren haben Sie ihre Karriere relativ früh beendet. Wären Sie fit genug, um noch mal anzugreifen?
Auf keinen Fall. Ich lebte damals von meiner Schnelligkeit. Und dazu ist regelmäßiges Training nötig. Wenn ich im Spätherbst abends daheim am Schreibtisch sitze und aus dem Fenster schaue, denke ich oft: Gottseidank muss ich nicht raus und bei der Saukälte trainieren.

Wer gewinnt?
Pipinsried war für den SCF immer ein unangenehmer Gegner. Die kantige Spielweise liegt den Bruckern nicht. Aber es waren auch immer große Derbys. Ich wünsche den Zuschauern ein so unterhaltsames Match wie damals, als wir mit dem SCF schon 0:3 zurück lagen und dann noch 3:3 gespielt haben.

Interview: Peter Loder

Quelle: fussball-vorort.de

Auch interessant

Kommentare