Wie geht es jetzt weiter?

Rosenheim: Ein DFB-Pokalteilnehmer ohne Mannschaft?

Hier jubelten sie noch gemeinsam. Aber wie lange noch?
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Hier jubelten sie noch gemeinsam. Aber wie lange noch?

TSV 1860 Rosenheim - Der Kapitän geht als Letzter von Bord, aber forsch voran, wenn es darum geht, sein in Not geratenes Schiff zu retten.

Zwar scheint der TSV 1860 Rosenheim nach dem überraschenden Gewinn des bayerischen Totopokals wenigstens finanziell wieder Land zu sehen, doch die Bedingungen, unter denen die Crew in stürmischer See zu arbeiten hat, sind derart miserabel, dass man nun SOS sendet.

„Unter diesen Voraussetzungen machen wir hier nicht weiter“, droht Kapitän Michael Kokocinski im Namen seiner Mannschaft, das sinkende Schiff zu verlassen. Dabei schien man gerade richtig Wind in den Segeln zu haben, hat die Regionalliga Bayern auf Platz sieben abgeschlossen und dem Favoriten Burghausen den Pokal geklaut. Dass aber solche Erfolge möglich sind, ist ein Wunder. Und nur zu erklären mit dem Charakter der Mannschaft. Die nämlich wird weitgehend ignoriert, tingelt zum Training über die Dörfer, einen eigenen Trainingsplatz hat man nicht. Sondern nur einen schwer in die Jahre gekommenen Kunstrasen, auf dem sich auch 13 Jugendmannschaften tummeln.

„Wir fühlen uns im Stich gelassen“, klagt Kokocinski. Vom Verein , vor allem von der Stadt, die man in ganz Bayern positiv repräsentiere. „Wir spielen seit drei Jahren auf einem Top-Niveau, bekommen aber keine Unterstützung.“ Es gehe nicht um Geld, klaglos habe man hingenommen, wenn die Zahlungen mal ins Stocken geraten sind, es sind die Rahmenbedingungen, die eines Regionalligisten „absolut unwürdig“ seien.

Kokocinski fordert vom Verein: „Es muss mehr Druck auf die Stadt ausgeübt, die Sponsorenakquise intensiviert werden. Wir wollen, dass das, was wir hier leisten, auch anerkannt wird.“ Wenn sich nichts ändere, sagt Kokocinski, dann ziehe er vor, sich mehr um seine Familie zu kümmern. Oder man sucht sich einen anderen Verein, „da dürfte kaum einer Probleme haben, woanders unterzukommen. Wir haben nichts zu verlieren.“ Aber die Stadt, der Verein. Ein DFB-Pokalteilnehmer ohne Mannschaft, das wäre ja fast wie der Untergang der Titanic.

Zumindest der erste Ansatz einer Lösung scheint jetzt in Sicht zu sein: Zukünftig könnte der (noch aktuelle) Hauptplatz des SV Westerndorf als Trainingsplatz für die erste Mannschaft dienen. Aktuell müssen Kokocinski & Co. aufgrund der mehr als begrenzten Verhältnisse an der Jahnstraße (Stadion und ein Kunstrasenplatz) wöchentlich über die Dörfer tingeln und entweder in Prutting, Nicklheim oder sonstwo trainieren.

Dieser Artikel erschien auf der Amateursportseite. Sie erscheint jeden Mittwoch im Münchner Merkur. Autor ist Reinhard Hübner. Sie erreichen Ihn unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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