Spieler der Woche Shota: Erstes Tor in der Landesliga

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Der Student aus Tokio macht, wie alle Japaner, gerade schwere Zeiten durch.

BCF Wolfratshausen - Als sich nach dem Schlusspfiff alle auf ihn geworfen, ihn überschwänglich gefeiert haben, wusste Tadokoro Shota gar nicht so recht, wie ihm geschah. Fragend schaute er in die Gesichter seiner Mitspieler, hatte er vielleicht ein Tor verpasst?

Spieler der Woche:

22. Spieltag: Jonas Hummels

23. Spieltag: Orhan Akkurt

24. Spieltag: Heinz Sichort

Oder warum bejubelt man seinen Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit als habe man die Champions League gewonnen? Shota wollte hier drei Punkte, nicht einen! Der 21 Jahre alte Abwehrspieler ist Japaner, als er Ende Oktober von der Universität Tokio nach Deutschland gekommen war, konnte er kein Wort Deutsch, auch kein Englisch. „Die Verständigung war schwierig“, sagt Andreas Brunner, der Trainer des BCF Wolfratshausen. Ist sie auch immer noch, obwohl Shota am Goethe-Institut fleißig lernt. Vor dem Spiel bei Wacker Burghausen hatte er zwar die Tabelle angeschaut, aber nicht mitbekommen, dass wegen des spielfreien Wochenendes in der 3. Liga die zweite Mannschaft der Burghauser kräftig aufgerüstet war.

Neun Spieler aus Mario Baslers Kader standen in der Startelf, statt mit einem Abstiegskandidaten der Landesliga hatte man es mit einer hochbezahlten Profitruppe zu tun. Dass die zur Pause schon 2:0 führte, war für Trainer Brunner keine Überraschung, „jetzt nur nicht blind nach vorne stürmen“, warnte er in der Halbzeit. Er fürchtete ein Debakel. Doch nach Amanquahs Anschlusstreffer war plötzlich der BC Farchet am Drücker, dominierte die letzten 20 Minuten, der Ausgleich in der Nachspielzeit war nicht unverdient und machte Brunner „sehr stolz. Für die Jungs ist das super.“

Vor allem für Shota. Der Student aus Tokio macht, wie alle Japaner, gerade schwere Zeiten durch. Seine Familie, so hat er erfahren, ist wohlauf. Aber wie geht es weiter, was passiert mit dem Land? „Wie sehr ihn das beschäftigt, ist schwer zu sagen“, so Brunner. „Tadokoro lacht immer, ist immer höflich und freundlich. Er hat ein sonniges Gemüt.“ Wie es drinnen ausschaut, weiß man nicht. Und so hofft Brunner, dass Shotas erstes Landesligator in seinem vierten Spiel, ausgerechnet gegen ein Profiteam, ein bisschen Balsam für die geschundene japanische Seele war.

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Quelle: fussball-vorort.de

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