Wettberg duldet nur Bayern 1 im Radio

Die ungewöhnlichste Fahrgemeinschaft im Fußball

Karsten Wettberg und Sascha Steinacher trennen fast 50 Jahre. Dennoch brettern sie Woche für Woche über die A9.

SV Seligenporten - Um ihren Traum vom höherklassigen Fußball zu leben, legen viele Spieler oft hunderte Kilometer zurück. Eine der ausergewöhnlichsten Fahrgemeinschaften gibt es beim SV Seligenporten. Fast 50 Jahre trennen Karsten Wettberg und Sascha Steinacher.

von Christoph Seidl

Sascha Steinacher (26) und Karsten Wettberg (70) verbringen in der Woche mehr Zeit miteinander, als manch einer mit seiner Freundin. Neben dem Fußballplatz ist die A9 das zweite Zuhause der beiden. Seit dieser Saison kickt Steinacher für den SV Seligenporten. Höchste Zeit, nachzufragen, wie es ist, Woche für Woche mit Bayerns Trainerlegende über den Asphalt zu brettern.

Spätestens nach Wettebergs legendärem Auftritt bei bfv.tv, dem bayerischen Fußballmagazin, stellt sich die Frage: Wie schafft Steinacher das überhaupt?

Wettberg: "Die Musik der jungen Leute ist eine Katastrophe"

Auf der Pressekonferenz nach dem Bayern-Spiel verriet Wettberg der Öffentlichkeit die Regeln, die in seinem Auto gelten: "Ich arbeite gerne mit jungen Leuten zusammen. Aber ihre Musik ist eine Katastrophe. Bayern 1 ist bei mir eingeschaltet."

Für Wettberg ist die A9 ein "Verlust an Lebensqualität", da geht es nicht, dass dann im Auto auch noch die falsche Musik läuft. "Früher haben meine Beifahrer immer gesagt: Trainer, darf ich etwas anderes einschalten? Das dulde ich jetzt nicht mehr. Bayern 1 wird angehört", sagte der Coach.

Wir haben bei Sascha Steinacher nachgefragt: Ein Interview über Stunden im Stau, die Trainerlegende in Bayern und die Frage: Wie lange muss man Bayern 1 hören, um die Lieder dort mitsingen zu können?

Sascha, wie ist es, Woche für Woche mit einem 70-Jährigen über die A9 zu brettern?

(lacht) Ich hab es mir am Anfang schlimmer vorgestellt. Nein, im Ernst: Karsten Wettberg ist ein überragender Mensch. Für seine Spieler tut er alles. Mit ihm vergeht die Zeit nach Seligenporten fast doppelt so schnell. Nur die ewigen Staus machen uns schwer zu schaffen.

Als junger Mann wirst du gezwungen, Bayern 1 zu hören. Der Musikgeschmack der heutigen Generation ist eigentlich ein anderer.

Was heißt gezwungen. Es ist sein Auto, da darf er auch entscheiden, welche Musik läuft. Zumindest wissen wir bei Bayern 1 immer, wann ein Stau zu Ende ist. Ab und zu kommt auch mal ein Klassiker. Und bei Volksmusik kommt es sogar vor, dass der Karsten sagt: Was läuft denn da für ein Gedudel? Schalt um!"

Hast du es mal mit eigenen CDs, einem Ipod oder der Musik auf dem Handy versucht?

Das würde ich mich nicht trauen. Ich hab aber mal mein Handy rausgeholt, um auf der Kicker-App etwas nachzuschauen. Der Karsten hat ein sehr altes Handy. Er hat mich gefragt, ob ich ihm das auch auf seinem Handy einstellen kann. Ich musste ihm dann sagen: Coach, dafür brauchst du ein Smartphone. Jetzt will er sich auch eins holen.

Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Fahrgemeinschaft?

Karsten hat mich in der vergangenen Saison angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, bei ihm zu spielen. Ich hätte alleine nicht nach Seligenporten fahren können. Deshalb hat er gesagt: Sascha, ich nehm dich mit.

Als Bayern-Fan dürften die Gesprächsthemen für dich nicht immer einfach sein...

Es wird schon auch mal über Bayern gesprochen, aber die Löwen-Themen überwiegen am Ende doch. Karsten hat so viele Anekdoten parat. Da ist keine Geschichte doppelt.

Wettberg ist über 70, du erst 26. Wie schafft er es, zu einer jungen Truppe noch den Draht zu finden.

Das frag ich mich auch oft (lacht). Er ist halt jung geblieben. Durch sein Scouting für die Löwen ist er oft mit jungen Trainern im Kontakt und schaut sich bei deren Trainingsmethoden immer etwas ab. Er kann uns unglaublich motivieren. Wenn er etwas sagt, nimmt man ihm das einfach ab. Ich glaube, wenn er zu einem Spieler sagen würde "Spring von der Brücke, dann geht es dir besser", dann macht der das. Karsten pusht uns, das macht unseren Erfolg aus.

Nach der Hinrunde seit ihr drei Punkte hinter dem Spitzenreiter Illertissen. Dabei habt ihr zwei Spiele weniger. Wie oft schaust du dir in der Woche die Tabelle an?

Die ersten acht Spieltage habe ich nie draufgeschaut. Aber jetzt bin ich fast täglich im Netz, um auf die Tabelle zu schauen. Obwohl man weiß, dass sich in 24 Stunden nichts ändert, wenn nicht gespielt wird. Aber das ist einfach ein geiles Bild.

So langsam sollten sich die Verantwortlichen überlegen, wann die Bagger im Stadion anrollen müssen. Für die dritte Liga braucht der Verein eine Spielstätte mit 10 000 Plätzen.

Mit dem Thema Aufstieg beschäftigen wir uns gar nicht. Wir haben eine richtig gute Truppe, mit der wir uns in einen Lauf gespielt haben. Solche Spieler wie Alex Maul hat nicht jeder im Kader. Aber wir haben erst 17 Spiele hinter uns. Wenn wir im Winter immer noch vorne dabei sind, kann man neue Ziele definieren. Jetzt wäre es zu früh.

Du bist erst seit dieser Saison in Seligenporten. Zuvor hast du für den SV Heimstetten gekickt. Dort war dein Abschied nach zwei roten Karten hintereinander nicht der beste.

Fußballerisch ist es bei mir nie schlecht gelaufen. In Heimstetten stand ich am Ende nach den zwei roten Karten in einem schlechten Licht da. In Seligenporten habe ich einen Trainer, der auf mich baut. Der große Unterschied ist, dass wir hier eine Herrenmannschaft mit einer klaren Hierarchie haben.

Quelle: fussball-vorort.de

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