SVH-Torhüter wird Profi in Kanada

Schulterschluss mit Kanada (v.l): William Youssif, Akademievorsitzender Norbert Rahn, Jose Acosta, SVH-Manager und Akademie-Vize Michael Matejka, Jose Acosta und Mitschel Dupus. Foto: Rammelsberger

Heimstetten - Justin Ammar hat in der Winterpause den Fußball-Bayernligisten SV Heimstetten verlassen. Der kanadische Torhüter hat einen Profivertrag in seiner Heimat erhalten - beim FC Edmonton in der zweiten nordamerikanischen Liga. Heimstettens Manager Ewald Matejka sieht den Wechsel mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Zum einen muss er sich um einen adäquaten Ersatz für Ammar bemühen, was nach Ende der Wechselfrist nicht einfach sein dürfte. Auf der anderen Seite hat Matejka den Karrieresprung des 22-jährigen Keepers selbst forciert. Er unterstützt die Deutschland Fußball Canadian Academy (DFCA) in Heimstetten, die Norbert Rahn vor zwei Jahren gegründet hat. Und der Sprung Ammars in den bezahlten Fußball ist für diese Akademie blanke Werbung.

Rahn war zweieinhalb Jahre beruflich in Kanada tätig. Sein Sohn spielte da in einem Verein Fußball . Als die Familie das Heimweh plagte und die Koffer quasi schon gepackt waren, sprach der Trainer, Wayne Kaiser , Norbert Rahn an, ob er nicht Probetrainings für kanadische Talente bei deutschen Proficlubs organisieren könnte. Rahn klemmte sich ans Telefon und bekam tatsächlich Termine. „Im Mai 2008 waren die ersten Spieler da“, sagt Rahn.

Die Liste der Clubs war lang und renommiert: 1. FC Nürnberg, 1. FC Köln, SV Wehen Wiesbaden, SV Wuppertal oder Rot Weiß Oberhausen. „Die Resonanz war auch gut, stand aber in keinem Verhältnis zu den Kosten für die Jungs.“ Rahn gründete daher eine Akademie, sozusagen als Pendant zu Wayne Kaisers Canadian European Football Academy in Kanada. Die Idee: Die kanadischen Kicker bezahlen einen gewissen Betrag, bekommen dafür für ein Jahr Kost und Logis, Trainingsbekleidung und ein morgendliches Training. Dazu lernen sie Deutsch und hinsichtlich des Zusammenlebens auch fürs Leben, wie Rahn sagt. „Und natürlich vermitteln wir sie an Vereine, so dass sie abends auch noch trainieren.“ Im besten Fall ist das ein Proficlub in München, doch auch Vereine aus niederen Regionen helfen den Kanadiern weiter. Rahn: „Dort gibt es zwei Spielzeiten, eine davon in der Halle. Sie dauert sechs Monate, die unter freiem Himmel nur drei. Die lernen hier vor allem die Taktik auf dem Großfeld.“

Ist eine Perle dabei, pickt sie sich Matejka heraus

Außer Ammar zeigte auch Stephen Ewashko bereits, dass der Aufenthalt in Deutschland Früchte trägt. Er zählte beim SV Heimstetten nicht zum Stammpersonal. Doch nach seiner Rückkehr nach Kanada bekam er ein Sportstipendium an der University of Victoria in Vancouver. Kürzlich habe diese Hochschule die Universitätsmeisterschaft gewonnen, Ewashko sei unter die besten zehn Spieler gewählt worden, sagt Rahn.

Über einen gemeinsamen Freund lernten sich Rahn und Matejka kennen. Der SVH-Manager zeigte sich sehr interessiert an der DFCA und stieg dort als Stellvertreter für Rahn als Vorsitzender des Vereins ein. Gleichzeitig wurde ein Kooperationsvertrag geschlossen: Alle Kanadier spielen erst beim SVH vor. Ist eine Perle dabei, pickt sie sich Matejka heraus. Als Gegenleistung findet das morgendliche Training unter der Leitung von SVH-Kicker Christoph Schmitt im Heimstettener Sportpark statt und Matejka hilft bei der Unterbringung der Kanadier bei anderen Vereinen, wenn es für die Bayernliga nicht reicht.

Monty Hains zum Beispiel hat beim Kreisligisten SV Dornach angeheuert und hat sich dort zum Leistungsträger gemausert. Jose Acosta kickt derzeit beim Landesligisten FC Pipinsried. Derzeit arbeiten Rahn und Matejka nach eigenen Angaben „eher ehrenamtlich“ für die Academy. „Das was die Jungs hier bezahlen, deckt die Kosten, die Academy muss sich tragen Doch irgendwann soll natürlich auch Profit gemacht werden. „Das würde dann aber über Sponsoren laufen“, sagt Matejka. „Oder aber über den ganz großen Wurf. Unser Ziel ist, eines von 50 Talenten groß herauszubringen“, ergänzt Rahn. In diesem Fall will die Akademie an der Ablöse zur Hälfte beteiligt sein.

Matthias Vogel

Quelle: fussball-vorort.de

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