Aufstiegsinterview mit Tobi Strobl

„Bei meinem Ziehvater Höß hab’ ich Welpenschutz“

Voll angekommen in Pipinsried: Der junge Spielertrainer Tobias Strobl hat auch den Präsidenten begeistert.
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Voll angekommen in Pipinsried: Der junge Spielertrainer Tobias Strobl hat auch den Präsidenten begeistert.

FC Pipinsried - Nach einer sensationellen Rückrunde ist der FC Pipinsried in der Bayernliga angekommen. Trainiert von einem 25-Jährigen, der zum Einstieg in die Trainerkarriere gleich den härtesten Job im heimischen Amateurfußball angetreten hat.

Tobias Strobl aber überzeugte selbst Klubchef Conny Höß.

Tobias Strobl, Glückwunsch zum Aufstieg. Was war eigentlich schwieriger im ersten Trainerjahr: Die Mannschaft zu coachen oder Pipinsrieds Fußball- Faktotum Conny Höß zufrieden zu stellen?

Ganz klar: Schwieriger war, Connys Ansprüchen gerecht zu werden. Der Mann ist einfach brutal erfolgshungrig, lebt für den Verein. Und wenn er nur den leisesten Verdacht hat, ein Trainer oder Spieler gibt mal nicht alles, kann er schon mal ungemütlich werden. - Und kritisiert richtig bissig, meist öffentlich. Natürlich hätte man manche Dinge lieber intern regeln sollen, aber er ist halt so, der Verein ist sein Lebenswerk. Ich habe mir angewöhnt, immer das Positive aus seiner Kritik herauszuziehen, überlege, womit er Recht hat. Und wenn ich die Mannschaft oder mich ungerecht behandelt fühlte, habe ich ihn halt direkt darauf angesprochen, dann haben wir die Sache ausgesprochen und geregelt. Aber so oft kam es ohnehin nicht vor, ich habe den Eindruck, ich genieße bei ihm noch Welpenschutz.

Viel zu kritisieren gab es zuletzt ohnehin nicht mehr, Sie haben schon einen Spieltag vor Schluss klar gemacht, was Sie bei Ihrem Amtsantritt angekündigt haben: Den Aufstieg in die Bayernliga. Haben Sie daran im Winter noch geglaubt?

Im Winter schon, den Glauben verloren habe ich nach dem Spiel Mitte März gegen Bobingen.

Das ging zu Hause 1:2 verloren, war dann aber bis zum letzten Spieltag die letzte Niederlage. . .

Nach der Partie habe ich gesagt, ab heute ist der Aufstieg kein Thema mehr, jetzt erwarte ich nur noch, dass jeder um seinen neuen Vertrag kämpft. Es gab ein Donnerwetter von mir, es war, da habe ich mich selbst überrascht, eine richtig gute Ansprache. Ich habe an die Ehre appelliert, gesagt, es reicht nicht, 70, 80 Prozent zu geben. Ich will Spieler mit Herz sehen, ihr spielt für den Verein und auch für mich. Die ganze Woche über wurde dann wenig gesprochen, ich habe den Jungs die kalte Schulter gezeigt. Und am Samstag kam die Explosion gegen Landsberg, die erste Halbzeit war das beste, was die Mannschaft in dieser Saison gezeigt hat. Als wollte sie mir beweisen, dass sie charakterlich okay ist, dass sie gecheckt hat, was ich verlange. Von da an lief es.

Danach wurden 28 von 30 möglichen Punkten geholt. Was eigentlich hat Sie geritten, als Sie, Trainer- Novize und gerade mal 24, schon vor Saisonbeginn die Bayernliga als Ziel ausgegeben haben?

Ich wollte damit sicher nicht den Eindruck erwecken, dass ich mich für den besten Trainer halte. Aber ich habe schon in den ersten Trainingseinheiten erkannt, dass die Qualität im Kader da ist. Was in der letzten Saison am Ende gefehlt hat, war das Selbstvertrauen. Das kommt zurück, wenn man jedes Wochenende seine Leistung abruft.

Das hat ja auch Höß meist recht vehement gefordert. Haben Sie ihn manchmal zum Teufel gewünscht?

Eigentlich nie. Halt, während der Spiele schon manchmal. Wir führen 4:0 gegen Nördlingen und er schreit weiter von draußen rein, weil er noch mehr will. So ist er eben, aber nach dem Schlusspfiff war das vergessen.

Höß hat Sie ja als seine große Trainer-Entdeckung angepriesen, er schien von Anfang an sehr viel von Ihnen zu halten. Hat sich da im Verhältnis etwas geändert im Fußball-Alltag?

Nein, er ist mein Ziehvater, er hilft mir, wo es nur geht. Und ich versuche, ihn auch mal runterzuholen. Wir sind beide bereit, etwas voneinander anzunehmen, es gab keine größeren Streitigkeiten.

Als Spielertrainer standen Sie in 32 der 34 Partien selbst auf dem Platz. Hat das Vor- oder eher Nachteile?

Vorteile, wenn man den richtigen Co-Trainer hat, was in der Rückrunde der Fall war. Aber es ist natürlich auch ein Risiko. Man macht sich angreifbar, wenn man auf dem Platz dann das falsch macht, was man im Training angesprochen hat. Im Bobingen- Spiel war ich der schlechteste Mann, musste dann aber die Ansprache halten, um die Jungs aufzurütteln. Das war schon hart.

Was waren die größten Schwierigkeiten im ersten Trainerjahr?

Aus den Spielern eine echte Mannschaft zu formen. Das ist nicht so leicht, wenn die Leute von überall her kommen, da gibt es nicht den Teamgeist wie etwa in Raisting, wo die Jungs seit ihrer Jugend zusammen spielen. Es ist hier besser geworden, aber noch immer nicht perfekt.

Was hat Sie an sich selbst am meisten überrascht?

Überrascht war ich, wie schnell ich gelernt habe, vor vielen Leuten zu reden. Da war ich vorher unsicher, schon in der Schule. Jetzt bin ich auch in dieser Hinsicht erwachsen geworden.

Wenn man mit 25 schon Trainer eines Bayernliga- Aufsteigers ist, steht einem die Fußballwelt doch offen. Wie sind Ihre Planungen für die persönliche Zukunft?

Erst einmal will ich hier weitere drei Jahre gut arbeiten, der Vertrag wurde bis 2016 verlängert, wobei ich die Laufzeit selbst wählen konnte. Ich glaube, das ist eine gute Zeitspanne, jetzt wollen wir uns in der Bayernliga festsetzen, möglichst nichts mit dem Abstieg zu tun haben und weiter guten Fußball zeigen. Mein Traum ist, danach Co-Trainer in der Regionalliga zu werden.

Das Interview führte Reinhard Hübner.

Er schreibt für die Amateursportseite im Münchner Merkur. Sie erscheint jeden Mittwoch. Den Autor erreichen Sie unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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