Nserekos "menschliches Drama"

Den Dress mit der Nummer 38 hat Savio Nsereko in dieser Saison zweimal für die SpVgg Unterhaching tragen dürfen. Weil der 23-Jährige „nicht ganz bei der Sache“ war, trennten sich die Wege aber. Foto: Rauchensteiner

SpVgg Unterhaching - Unter dem Betreff „Pressemitteilung SpVgg Unterhaching Nr. 63“ hat der Drittligist am Sonntag um 14.30 Uhr die „Vertragsauflösung mit Savio Nsereko“ bekanntgegeben. Alle Hintergründe dazu:

Von Martin Becker

Unterhaching – Es ist eine furchtbar traurige Geschichte. Die Geschichte eines jungen Mannes, der einst aus Uganda nach Deutschland kam und dort (sowie bei Stationen in Italien und England) sein ungeheures fußballerisches Talent einfach verschleuderte; der diverse Chancen, sich über den Fußball eine gesicherte Existenz aufzubauen, vertan hat, eine verheißungsvolle Karriere lieber diversen Eskapaden opferte. „Es ist ein menschliches Drama“, sagte Manfred Schwabl, Präsident der SpVgg Unterhaching, über den tiefen Fall des Savio Nsereko.

Wenn es stimmt, was die thailändische Zeitung „Bangkok Post“ berichtet, dann hat sich eine schier unglaubliche Geschichte zugetragen. Am 14. Oktober soll Nsereko mit umgerechnet 25 000 Euro im Gepäck nach Thailand aufgebrochen sein. Das Geld war, wie und warum auch immer, nach der Ankunft im Touristenort Pattaya schon nach wenigen Tagen aufgebraucht.

Um an neues Geld zu kommen, habe der Ex-Hachinger seine Verwandten angerufen und ihnen vorgegaukelt, man habe ihn entführt, doch für 3000 Euro Lösegeld werde er freigelassen. Doch statt Geld zu überweisen, sollen die Familienmitglieder laut Medienberichten die Deutsche Botschaft in Bangkok eingeschaltet habe. Daraufhin spürte die thailändische Polizei den 23-Jährigen auf, nahm ihn fest. Offenbar steht Nsereko momentan unter Arrest, er soll nach Deutschland abgeschoben werden.

In Unterhaching, wo die SpVgg den Offensivspieler im Sommer trotz der Vorgeschichte – unter anderem Eskapaden beim TSV 1860 München – vom AC Florenz ausgeliehen hatte, brachte es Nsereko in dieser Saison auf zwei Einwechsel-Einsätze mit 22 Spielminuten. Dass das Kapitel enden würde, deutete sich schon vor drei Wochen an, nach einem ausführlichen Gespräch. „Es stellte sich heraus, dass Savio den Kopf voll mit anderen Dingen hat und sich deshalb nicht auf Fußball konzentrieren kann“, so Schwabl. „Vor einer Woche haben wir deshalb den Schlussstrich gezogen.“ Zu diesem Zeitpunkt befand sich Nsereko schon in Thailand.

Schade. Nach vielen Stationen und Rauswürfen galt Unterhaching als letzte Chance für den an sich begnadeten Offensivspieler. „Wir sind seinem Wunsch nachgekommen, ihm erst einmal Zeit zu verschaffen, um seine persönlichen Angelegenheiten zu regeln“, sagt Schwabl. Deshalb ist über die – faktisch schon vor drei Woche erfolgte – Trennung zunächst auch Stillschweigen vereinbart worden. Ein Abkommen, das sich nach den Vorkommnissen in Thailand nicht mehr aufrechterhalten ließ.

Schwabls Resümee: „Wir hätten Savio hier gerne mehr Einsatzzeit verschafft, doch er war leider nicht ganz bei der Sache. Savio hat bei mir in vielen Gesprächen einen sympathischen und angenehmen Eindruck hinterlassen. Wir bedauern, dass es nicht geklappt hat, bereuen es aber nicht, ihm eine Chance gegeben zu haben. Für seine sportliche, aber vor allem auch seine private Zukunft wünschen wir ihm nur das Beste.“

Quelle: fussball-vorort.de

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