Rosenheim-Gäste Illertissen unter der Lupe

"Wir wollten eigentlich nur überleben - nun sind wir Erster"

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Wo man auch hinsieht, der FV Illertissen scheint derzeit allgegenwärtig zu sein. Am Samstag gestiert der Spitzenreiter in Rosenheim.

TSV 1860 Rosenheim - FV Illertissen? Als stolzer Tabellenführer kommen die Gäste an diesem Samstag (14 Uhr) zum TSV 1860 Rosenheim ins Jahnstadion. Nun winkt sogar der Aufstieg in die 3. Liga. Oder droht er?

von Reinhard Hübner

FV Illertissen? Noch vor einem halben Jahr konnte kaum einer in Bayern etwas anfangen mit diesem Verein. Illertissen, obwohl im bayerischen Schwaben gelegen, spielte die letzten Jahrzehnte aus geographischen Gründen in Baden-Württemberg mit, ist erst vor dieser Saison in den Bayerischen Fußball-Verband gewechselt. Und mischt jetzt die Regionalliga auf.

"In unserem Stadion wäre Drittligafußball nie und nimmer möglich"

Noch wiegelt man dort ab, will zumindest bis Weihnachten warten, ehe man sich vielleicht mit dem Thema beschäftigt. Ludwig Kränzle, Klubchef und Sponsor in Personalunion, sieht schon im Stadion eine unüberwindbare Hürde: „Da wäre Drittligafußball nie und nimmer möglich.“ Selbst im Umkreis von 30 Kilometern gebe es keine einzige geeignete Sportstätte, auch finanziell sei das Projekt „nicht zu stemmen“. Aber was soll er sich da jetzt Gedanken machen? „Ich bin überzeugt, die 2. Mannschaften greifen noch richtig an.“

Das aber sagt er seit Wochen. Und oben in der Tabelle steht nun schon seit dem 3. Spieltag relativ ungefährdet der FV Illertissen, dessen Saisonziel es war, „einfach zu überleben in dieser Liga. Wir wussten ja gar nicht, was uns erwartet“, so Kränzle. Hermann Schiller, der Spielleiter, war zwar von Anfang an „überzeugt vom Kader und Trainer“, doch dass es so gut laufen würde, hat auch er nicht erwartet: „Da sind viele Mosaiksteinchen zusammengekommen“, sagte er. Und nennt als Hauptgrund die Arbeit von Trainer Holger Bachthaler, der im Sommer das Amt von seinem Vater übernommen hat.

FVI ein ganz harter Brocken für das Kathrein-Team

Illertissen hat schon einige bekannte Namen in seinem Aufgebot, Torhüter Patrick Rösch war einst mit 1860 München und den Benders Deutscher Meister der B-Junioren, Tobias Heikenwälder spielte einst für den FC Augsburg, Rain und Memmingen, Lukas Kling, in Augsburg ausgebildet, beim 1. FC Nürnberg und in Aindling. Marc Hämmerle stand bei Wacker Burghausen schon mal auf dem Sprung in den Profikader. Kling wird wie Michael Passer in Rosenheim gesperrt fehlen, trotzdem ist die Mannschaft natürlich ein ganz harter Brocken für das Kathrein-Team. „Trotz vieler Ausfälle fahren wir optimistisch nach Rosenheim“, sagt Trainer Bachthaler und hofft, „etwas Zählbares mitnehmen“ zu können.

Sein Gegenüber Dirk Teschke verspricht einen „heißen Fight, wir wollen uns gegen den Tabellenführer natürlich achtbar aus der Affäre ziehen.“ Man hat ja auch was gut zu machen, beim Hinspiel in Illertissen unterlagen die Sechziger sang- und klanglos 0:3 und ermöglichten dem Gastgeber den Sprung an die Tabellenspitze, die Illertissen bisher nicht mehr abgab. Selbst bei einem Rosenheimer Sieg, für Teschke das „klare Ziel“ in diesem Schlagerspiel, würde der FVI Tabellenführer bleiben, so groß ist der Vorsprung. Die Sechziger müssen neben den langfristigen Absenzen wie die von Michael Kokocinski und Florian Pflügler wohl auch auf den verhinderten Valentin Hauswirth verzichten, fraglich ist, ob Thomas Masberg, der einst in Burghausen mit Hämmerle zusammenspielte, seine muskulären Probleme rechtzeitig in Griff bekommt.

Nach Tod von Prof. Anton Kathrein liegt dunkler Schatten über Rosenheim

Auch wenn sich durch den Tod des Sechziger-Sponsors, des Unternehmers Prof. Anton Kathrein, ein dunkler Schatten über das Spiel gelegt hat, hofft Abteilungsleiter Hans Klinger auf ein Fußballfest. Vor möglichst großem Publikum, schließlich verspricht der Wetterbericht beste Voraussetzungen. Bisher nämlich ist man bei 1860 schon ein wenig enttäuscht, auf wie geringe Resonanz attraktiver Regionalliga-Fußball in Rosenheim trifft. „Ohne die Zuschauer gegen Bayern und die Löwen wäre der Schnitt in etwa auf Bayernliga-Niveau“, bedauert Klinger. Ob der Tabellenführer nun wieder mal mehr Besucher ins Jahnstadion lockt? Eigentlich sollte man inzwischen auch hier den FV Illertissen kennen. Und schätzen.

Quelle: fussball-vorort.de

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