Wolfratshausen: Jetzt hilft nur noch Sokrates

Zurück im Team: Marco Höferth (re.) läuft nach einem Spiel Absenz gegen Eichstätt wieder für den BCF auf.
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Zurück im Team: Marco Höferth (re.) läuft nach einem Spiel Absenz gegen Eichstätt wieder für den BCF auf.

BCF Wolfratshausen - Im letzten Heimspiel der Vorrunde (Samstag, 15 Uhr) sucht der BCF Wolfratshausen händeringend nach Auswegen aus dem Talkessel der Bayernliga Süd. Allerdings ist der Gegner VfB Eichstätt auswärts noch ungeschlagen.

Hätte Eichstätts Trainer Jürgen Steib einst nicht die Laufbahn bei der Polizei eingeschlagen, der Beruf eines Philosophen wäre eine echte Alternative gewesen. „Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden“, ließ der Fußballcoach dieser Tage auf einer Internetplattform verlauten. Gut, der Ausspruch ist nicht ganz neu, und Steib war auch nicht der Urheber: Im fünften Jahrhundert vor Christus kreierte der Grieche Sokrates diese bis in die Neuzeit überlieferte Wortschöpfung. Steibs Intention war es, seiner aktuell auf einer kleiner Erfolgswelle surfenden Mannschaft die Schwere der heutigen Aufgabe zu erläutern.

Soll heißen: Nur weil der BCF Wolfratshausen zuletzt viermal verloren hat, werde die Partie für die Gäste aus dem Altmühltal kein Selbstläufer werden. Für seine Eleven gelte weiter, „wie immer ran an die persönliche Schmerzgrenze“. Werden die besten Ergebnisse doch stets mit Hilfe eines einwandfreien Teamgeists gezielt. Das wünscht sich Reiner Leitl für seine Farcheter schon länger. Nur will die Umsetzung irgendwie so gar nicht mehr klappen. Aber was klappt in diesen Tagen überhaupt beim BCF: Seit Wochen fehlt der Mannschaft ein Physiotherapeut. Ein Nachfolger für Paul Wardenga, der den Klub kurz vor dem Saisonstart verlassen hat, ist nicht in Sicht. Zwei Kandidaten versuchten sich, waren aber alsbald wieder verschwunden.

„So kann es nach dem Winter nicht weitergehen“, rumort es in Leitl. Ohnehin klagt der BCF seit längerem über zahlreiche Verletzte. Doch gebe es niemanden, der „an der Mannschaft herumschrauben“ könne, klagt der Coach. Hinzu kommt die bekannte Ausfallquote während der Übungseinheiten. Ohne die nötige Mindestanzahl von Akteuren lassen sich wichtige Spielformen nicht einüben. Es dürfte eine Frage der Zeit sein, wann Leitl die Faxen dicke hat. „Wenn’s geht, dann geht’s – wenn nicht, dann eben nicht.“ Eine Art von Mentalität, die dem 53-Jährigen „nicht gefällt“. Legt seine Mannschaft den „Schalter nicht bald um, wird das nichts mehr“.

Erste Anzeichen von Resignation klingen durch. Die Situation werde „nicht leichter“, und seine Elf komme „auf dem Zahnfleisch“ daher. Noch einmal hält der frühere Zweitliga-Profi fest, dass sein Kader in der aktuellen Verfassung nicht konkurrenzfähig sei. Das Rezept für die heutige Partie ist demnach noch einfacher strukturiert als ohnehin schon: Der BCF will aus einer kompakten Abwehr heraus spielen und setzt auf die vermeintlichen Vorteile des Kunstrasens. Laufbereitschaft und Einsatz verstehen sich von selbst. „Ohne geht es nicht“, stellt Leitl klar. Damit liegt Farchets Trainer mit dem Altgriechen Sokrates im Gleichklang. Der nämlich wusste schon damals: „Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen.“

BCF Wolfratshausen

Schwinghammer – Arkadas, Kasperek, Schubert, da Cunha, Guèye, Sene, Höferth, Duswald, Lipotic, Schuhmann; Wernthaler, Klar, Gerg, Gobitaka.

Quelle: fussball-vorort.de

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