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Wings for life: So helfen Mateschitz und der EHC!

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Von: Lena Meyer

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Heinz Kinigadner und sein Sohn Hannes © Robinson

München - Am Freitag musste sich der EHC Red Bull München Wolfsburg geschlagen geben. Einen positiven Aspekt gab es dennoch. Das Spiel war für einen guten Zweck, die Stiftung Wings for life. Die tz sprach mit Gründer Heinz Kinigadner.

Am Freitag musste der EHC Red Bull München eine bittere 3:5-Heim-Niederlage hinnehmen. Wolfsburg schlug die Red Bulls trotz zwischenzeitlicher Führung. Neben dem Sportlichen stand aber eine weitere Sache im Vordergrund: Die Stiftung Wings for life, die sich der Heilung von Querschnittlähmungen nach Knochenmarksverletzungen verschrieben hat. 2004 wurde sie von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz und dem zweimaligen Motocross-Weltmeister Heinz Kinigadner gegründet. Die EHC-Cracks unterstützen sie seit Langem. Freitag wurde in speziellen Trikots gespielt, die demnächst versteigert werden. Auch ein Teil der Eintrittsgelder geht an Wings for life. Heinz Kinigadner und sein Sohn Hannes, der seit einem Motorradunfall querschnittsgelähmt ist, waren in der Halle. Die tz sprach mit Kinigadner über die Stiftung und wie ihm sein guter Freund Mateschitz in der wohl schwersten Zeit beistand.

Herr Kinigadner, 2004 gründeten Sie gemeinsam mit Dietrich Mateschitz die Stiftung Wings for life. Der Anstoß hierfür war tragisch…

Kinigadner

: Das stimmt. 2003 hatte mein Sohn Hannes einen Unfall bei einem Benefiz-Motocrossrennen in der Nähe von Salzburg. Er brach sich den fünften Halswirbel, verletzte sich sein Rückenmark und ist seither querschnittsgelähmt. Ich habe mir als Vater sofort gedacht, dass das nicht so bleiben darf und habe Forscher auf der ganzen Welt kontaktiert. Dabei kam heraus, dass es mehrere Forschungsansätze in dieser Hinsicht gab. Das Problem war, dass kaum Fördermittel durch Staat und Pharmaindustrie zur Verfügung gestellt wurden. An diesem Punkt haben Didi (Dietrich Mateschitz, d. Red.) und ich entschieden zu handeln.

Woher kannten Sie beide sich?

Kinigadner:

Wir haben uns Anfang der 90er-Jahre bei einer Rallye kennengelernt. Didi ist passionierter Motorradfahrer. Wir haben uns immer mal wieder getroffen und Touren unternommen. Am Tag von Hannes’ Unfall war ich gar nicht in Österreich, sondern bei einem Rennen am Sachsenring. Als ich benachrichtigt wurde, habe ich Didi angerufen, um ihn nach einem guten Arzt zu fragen. Es war ein Samstag und ich brauchte einige Zeit, um nach Salzburg zu kommen. Er hat sofort geholfen, den Oberarzt in der Unfallklinik kontaktiert und war bereits vor Ort, als Hannes eingeliefert wurde. Er hat mich sehr unterstützt und wir haben gemeinsam die Idee zur Stiftung entwickelt.

Wie geht die Stiftung vor?

Kinigadner

: Mittlerweile unterstützen wir weltweit diverse Forschungsprojekte. Alle haben ein großes, langfristiges Ziel: Eine Heilung für Querschnittslähmung zu finden. Dieser Prozess ist extrem aufwendig. Beispielsweise ist bewiesen, dass sich verletzte Nerven im zentralen Nervensystem wieder regenerieren können. Allerdings gibt es Stoffe, die diesen Prozess hemmen. Ein Ansatz ist es, diesen Vorgang der Hemmung zu stoppen. Und bevor eine Heilung möglich ist, braucht es viele dieser Ansätze. Jedes Jahr bewerben sich viele Forscher bei uns, die um eine Förderung für ihre Projekte ansuchen.

Kann man abschätzen, wie lange es bis zu ersten Maßnahmen dauern wird?

Kinigadner:

Leider nicht. Bevor mit der klinischen Forschung begonnen werden kann, muss die Grundlagenforschung abgeschlossen sein. Es gibt hierbei viele Erfolge, die enorm wichtig, aber für einen Betroffenen zu wenig greifbar sind. Ich denke aber, dass in etwa zehn Jahren konkrete Maßnahmen ergriffen werden können, von denen die Betroffenen direkt profitieren. Ob das bedeutet, dass eine Querschnittslähmung komplett geheilt werden kann, bleibt abzuwarten. Ich bin zuversichtlich.

Eine Ihrer Spendenaktionen ist der Wings for life World Run, der auch von vielen Prominenten und Sportlern unterstützt wird.

Kinigadner:

Genau. Der Wings for life World Run ist aber vor allem ein Event für jedermann. Am 7. Mai fällt der Startschuss in verschiedenen Städten zur selben Zeit. Dann laufen alle für diejenigen, die es nicht mehr können. Es freut mich ungemein, dass immer so viele Unterstützer dabei sind. Es gibt darüber hinaus aber auch unzählige, kleinere Projekte und Spendenaktionen. Manche unterstützen uns, indem sie bei privaten Feiern keine Geschenke möchten, sondern sich eine Spende für uns wünschen.

Sie waren Motocross-Fahrer, sind zweimaliger Weltmeister. Was sagen Sie heute zu Profis in Risiko-Sportarten? Wie sehr sollte man sich Gefahren vergegenwärtigen?

Sie waren Motocross-Fahrer, sind zweimaliger Weltmeister. Was sagen Sie heute zu Profis in Risiko-Sportarten? Wie sehr sollte man sich Gefahren vergegenwärtigen?

Kinigadner:

Das ist ein ganz schwieriges Thema. Es kommen immer wieder Eltern auf mich zu, die mich um Rat fragen, weil ihre Kinder Motocross fahren wollen. Mich fasziniert der Motorradsport weiterhin und ich halte es für falsch, komplett auf das zu verzichten, was einem Freude bereitet. Dennoch halte ich mich nicht mehr für so unverletzlich, wie ich es früher getan habe. Als Risiko-Sportler sollte man sich der Gefahr bewusst sein und Sicherheit an die erste Stelle setzen. Unfälle können überall passieren, die häufigsten Querschnittsverletzungen passieren nicht im Extremsport, sondern im Straßenverkehr und durch Stürze.

Interview: Lena Meyer

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