"Das war einer dieser magischen Abende"

Auch Martin Buchwieser traf im Penaltyschießen
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Auch Martin Buchwieser traf im Penaltyschießen

München - Ein Shootout für die Geschichtsbücher: 42 Schützen waren nötig, um zwischen München und Straubing einen Sieger nach Penaltyschießen zu ermitteln. Das gab es noch nie in der DEL.

Irgendwann nahmen die Anhänger auf den Rängen das ewige Shootout mit Galgenhumor. “Hey, was geht ab, wir schießen die

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ganze Nacht!“, hallte es durch die Münchner Eishalle. In einem historischen Eishockey-Penaltyschießen zwischen dem EHC München und den Straubing Tigers wollte einfach keine Entscheidung fallen, erst nach dem 42. Schützen durften die Gäste aus Niederbayern jubeln. Noch nie hatte sich ein Shootout in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) so lange hingezogen.

Am Ende, es war schon nach 22.00 Uhr, mussten die Tigers-Fans gar um ihr Heimkommen zittern - die letzte Bahn nach Straubing stand am Sonntagabend für 22.44 Uhr auf dem Plan. Zuvor hatten sich die beiden Kontrahenten ein spektakuläres Derby geliefert - und das schon in der regulären Spielzeit.

“An diesen Abend werde ich mich immer erinnern“, meinte Straubings Torhüter Dimitri Pätzold, “das war einer dieser magischen Abende“. Mit 17 Paraden war der Goalie der überragende Mann im Shootout, wobei auch Sebastian Elwing vom EHC stark parierte und 16 auf sich zustürmende Straubinger am Torerfolg hinderte - aber eben einen weniger als Pätzold.

Der Reihe nach: Mit 4:4 gingen die Teams ins Penaltyschießen, in dem zunächst drei Schützen pro Mannschaft anlaufen. Nachdem in EHC-Nationalspieler Martin Buchwieser und Justin Mapletoft von den Tigers nur jeweils ein Profi getroffen hatte, wurde die Shootout-Lotterie in Einserschritten fortgesetzt. Von da an galt: Erzielt ein Spieler ein Tor und der Gegner nicht, ist die Partie entschieden. Nun brachten es 20 Akteure auf dem Eis aber fertig, zehn Runden lang gar nicht mehr zu treffen.

Unter den Gescheiterten waren auch Buchwieser (zweimal) und Mapletoft (dreimal), die von ihren Trainern erneut das Vertrauen erhielten. Als Tobias Draxinger - Schütze Nummer 27 - für Straubing erstmals den Puck wieder im Tor unterbrachte, legte Christian Wichert aufseiten des EHC nach. So ging es weiter, mal verschossen wieder zwei, dann trafen zwei. “Die Penaltys haben Comedy-Züge angenommen“, meinte EHC-Manager Christian Winkler.

Die Trainer waren irgendwann mit ihrem Latein am Ende. “Es hätte nicht viel gefehlt, und ich hätte selbst meine Schlittschuhe nochmal angezogen“, scherzte Straubings Coach Jürgen Rumrich. So weit wollte Pat Cortina nicht gehen, “ich hätte meinen Co-Trainer Maurizio Mansi rangelassen“, meinte der Münchner Trainer. Erst als Eric Meloche - Schütze 41 - für die Tigers vorlegte und der Münchner Kapitän Stéphane Julien scheiterte, war das Spiel vorbei.

Ein Straubinger hatte übrigens beim Spektakel einen unfreiwilligen Logenplatz. Derek Hahn, Top-Scorer der Liga, saß nach einem Foul kurz vor Ende der Verlängerung beim Shootout-Marathon auf der Strafbank. Zunächst frustriert, irgendwann dann aber amüsiert saß der Kanadier die längste Zwei-Minute-Strafe seiner Karriere ab.

dpa

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