SERIE: Olympiastarter aus Oberbayern - Teil 2

DEB reist mit sieben EHC-Spielern zu den Olympischen Spielen

Er soll der Mann im Zentrum werden: Auf Dominik Kahun (Mitte) hält Bundestrainer Marco Sturm (hinten) große Stücke. Auch Felix Schütz (l.) und Matthias Plachta (r.) stehen im Olympia-Kader.
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Er soll der Mann im Zentrum werden: Auf Dominik Kahun (Mitte) hält Bundestrainer Marco Sturm (hinten) große Stücke. Auch Felix Schütz (l.) und Matthias Plachta (r.) stehen im Olympia-Kader.

Deutsches Eishockey-Team reist mit vielen Debütanten zu den Spielen nach Südkorea. Von den 30 Vor-Nominierten hat der Bundestrainer Marco Sturm einige aussortiert. 

München – Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm hatte schon am vorletzten Wochenende alle 30 Spieler angerufen, die im vorläufigen Olympia-Kader stehen würden und sie auch alle informiert, ob sie mit einer endgültigen Bestätigung ihres Platzes am 23. Januar rechnen dürften. Wichtig war ihm allerdings: Ein jeder hält noch schön dicht, bis alles offiziell ist.

Frank Mauer (München)

Daran haben sich die Cracks gehalten, auch wenn die Medien bei ihnen nachbohrten. Wie bei Frank Mauer vom EHC München. „Egal, was jetzt noch kommt“, sagte er, „es ist für mich ein Riesenerfolg, nominiert zu sein“. Seit Sturm vor zweieinhalb Jahren als Bundestrainer übernahm, hat er den schnellen Stürmer Mauer noch für kein Turnier berücksichtigt. „Oft war was mit Verletzungen“, sagt der 29- Jährige, „und ich hatte auch nicht so das Standing.“ Nun kam Sturm an ihm nicht vorbei. Dass Frank Mauers Grinsen bis weit über die Ohren ging, als er am Freitag seine Situation darlegte, war ein klares Indiz: Ich bin dabei! Seit gestern ist es amtlich.

Frank Mauer ist einer von neun Olympia-Startern des Münchner Eishockeyclubs – wenn man Patrick Dallaire, den Torwarttrainer, der wie schon bei der WM im vergangenen Mai einen Job im Mitarbeiter-Stab von Marco Sturm einnehmen wird, und David Leggio als einen der Goalies im amerikanischen Team dazurechnet. Die deutsche Nationalmannschaft, die in ihren Vorrundenspielen auf das nordische Trio Schweden, Finnland, Norwegen treffen wird, ist mit sieben Spielern vom EHC München, dem Deutschen Meister der Jahre 2016 und 2017, bestückt.

Für das urbayerische Element steht allerdings nur Patrick Hager. Er ist vor dieser Saison von den Kölner Haien gekommen. München konnte mit der noch besseren sportlichen Perspektive und (wohl) auch dem höheren Gehalt locken, jedoch war für Hager auch ein Anreiz, dass er seinem Heimatort Rosenheim näher kam. Natürlich gehört zum Vergütungspaket beim EHC auch, dass ihm ein Dienstwagen zur Verfügung gestellt wird – „doch so oft es geht, fahre ich mit dem Zug zum Training“. Rosenheim-München-Pendler sollten im Meridian also aufmerksam hinschauen: Der junge Mann mit den versteckten Muskelpaketen und dem stabil wirkenden Rumpf – ein Nationalspieler und nun auch Olympia-Teilnehmer.

Kanadier, die für Deutschland spielen

Ein vergleichbar ursprüngliches Bairisch wie Hager hätte Konrad Abeltshauser gesprochen, der aber (wir berichteten vor einer Woche) den Cut im Kader nicht schaffte und auf Abruf gestellt wurde. So sind die Spieler, die den EHC in Pyeongchang vertreten werden, eben überwiegend Nicht-Bayern.

Zwei stammen aus Übersee, und es ist nicht das Übersee am Chiemsee. Man hört es schon am Klang der Namen: Verteidiger Daryl Boyle und Stürmer Brooks Macek kommen aus dem nordamerikanischen Kulturkreis.

Warum sie für Deutschland spielen dürfen? Sie haben nachgewiesenermaßen deutsche Vorfahren, die irgendwann ausgewandert sind. Angesichts des Riesenangebots an guten Eishockeyspielern in Kanada und den USA ist es eine Karriereoption, in eine deutsche Liga zu wechseln; mit deutscher Staatsangehörigkeit fällt es dann noch leichter, einen gut dotierten Platz zu finden.

Brooks Macek (München)

Macek kam 2013 als 21- Jähriger von Calgary nach Iserlohn. „Ehrlich: Dass ich einmal für die deutsche Nationalmannschaft spielen könnte, daran habe ich damals nicht gedacht.“ Er wusste auch noch gar nicht, ob er in das Eishockey auf der in Europa breiteren Spielfläche passen würde. Doch er fand sich schnell zurecht, scorte von den ersten Spielen an, seine jetzige Saison, die fünfte (und zweite in München) übertrifft alle vorangegangenen. „Brooks Macek is hot“, sagt sein Trainer Don Jackson.

Macek hatte in Kanada in noch keiner der höheren Profiligen gespielt, der heute 30- jährige Boyle schon. In der American Hockey League entdeckte ihn der gut vernetzte Larry Mitchell, damals Trainer in Augsburg, nun Sportdirektor in Ingolstadt, er wusste um die Familiengeschichte mit dem deutschen Einschlag und holte ihn in die DEL. Als Boyle vor einigen Jahren beim Deutschland-Cup in München seine ersten Länderspiele bestritt, waren die Eltern so stolz, dass sie Flüge nach München buchten, um dabei zu sein.

Als Kind sah Kahun die Tschechen siegen

Aus Tschechien stammt Dominik Kahun, den Marco Sturm als Führungsspieler der Nationalmannschaft aufbauen will. Kahun war knapp drei Jahre alt, als die Tschechen 1998 in Nagano bei der erstmaligen Teilnahme der NHL-Profis bei Olympischen Spielen die Goldmedaille gewannen. Er sagt, er habe das schon bewusst mitbekommen, und dass es ihn geprägt habe. Das Eishockeyspielen erlernte er aber erst nach der Übersiedlung der Familie nach Deutschland, er stammt wie der gebürtige Heidelberger Frank Mauer aus der Mannheimer Schule. Mit 17 ging Kahun nach Kanada, und so wie er in der DEL aufzockt, ist es nicht auszuschließen, dass der Sprung in die NHL mit Verspätung – er ist 22 – und über den Umweg DEL gelingt.

Nur drei der 25 Südkorea-Reisenden haben schon Olympia-Erfahrung, den anderen fehlt sie in der Vita, auch weil die Deutschen sich 2014 nicht qualifiziert hatten. Darum erfüllen sich im Februar Lebensträume, bei einigen könnte es die letzte Gelegenheit sein – wie bei Yannic Seidenberg, 34. Der Schwenninger, dessen Bruder Dennis in der NHL spielt und einer von nur drei deutschen Stanley-Cup-Gewinnern ist, ist nach einem erfüllten Mittelstürmerleben auf seine alten Tage Verteidiger geworden. Es begann mit gelegentlichen Aushilfen – bis Don Jackson in München erkannte, „dass Yannic alles genau so macht, wie man es von einem Verteidiger erwartet.“ Naturtalent! Das sich jeden Sommer mit seinem Bruder in Amerika unter Anleitung von Privattrainern auf die Saison vorbereitet. Spezialität: In den Liegestütz gehen und ihn, wenn man unten ist, halten – mindestens drei Minuten.

Das Münchner Olympia-Aufgebot komplettiert Danny Aus den Birken, gebürtiger Düsseldorfer, der in seiner 16. Profi-Saison steht und seine (internationale) Karriere in München, wohin er 2015 wechselte, noch einmal anschieben konnte. Als Meistertorwart 2017 wurde er auch für Sturm wieder interessant.

Ein Erdinger auf Weltreise

In seinen ersten Jahren in der DEL arbeitete der EHC München eng mit den Tölzer Löwen zusammen. Die haben sich inzwischen aber zu den Nürnberg Ice Tigers umorientiert. Die Kooperation hat den Franken zwei herausragende Sturmtalente beschert, die man in Pyeongchang sehen wird: Yasin Ehliz, 25, und Leo Pföderl, 24.

Yasin Ehliz (Nürnberg)

Beide sind sehr heimatverbunden. In Yasin Ehliz’ Namen wird in Tölz jedes Jahr ein Nachwuchsturnier ausgetragen, sein Vater Abdullah hat auch schon ein Frauen-Länderspiel Deutschland – Türkei organisiert, das ein Publikumserfolg war. Die Halle in Tölz heißt mittlerweile „Wee Arena“ – benannt nach der Firma von Yasins Onkel Cengiz, der auch Hauptsponsor der Löwen ist.

Pföderl hat einen Mordsschuss, seine Kraft bezieht er von der Arbeit auf dem Bau, denn er hat Maurer gelernt und übt den Beruf in den Sommermonaten auch noch aus.

Noch drei weitere oberbayerisch geprägte Spieler finden sich im Olympia-Kader. Timo Pielmeier, Torwart vom ERC Ingolstadt, der 2014 Deutscher Meister wurde und nach einem Durchhänger wieder eine stabile Saison spielt. Einer Garmisch-Partenkirchner Eishockey-Familie entstammt Marcus Kink. Schon sein Vater Georg war Nationalspieler (in den 70er-Jahren), er selbst bekam sein Rüstzeug beim SC Riessersee. Seit elf Jahren stürmt Kink für die Adler Mannheim.

So sesshaft ist der Erdinger Felix Schütz nicht. Der Angreifer der Kölner Haie hat die bunteste Karriere der deutschen Nationalspieler hinter sich – mit Auslandsstationen in Nordamerika, Russland und Schweden. Nun fliegt er nach Südkorea. Wer weiß, vielleicht spielt er noch mal für einen Verein dort.

Günter Klein

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