DEB-Team kämpft gegen Bedeutungslosigkeit

- Turin - Selbst viele treue Fans verweigerten die Gefolgschaft, die Fernsehzuschauer schalteten ab: Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat in Turin die Quittung für den Sturz in die Zweitklassigkeit und das vorzeitige Olympia-Aus bekommen. "Das ist schon brutal schmerzhaft", sagte DEB-Sportdirektor Franz Reindl am Mittwoch zum geringen Interesse an den deutschen Puckjägern. "Wenn wir nicht aufsteigen, haben wir ein Problem: Dann verschwinden wir in der Bedeutungslosigkeit."

Mit dem zehnten Platz landete das deutsche Team zwar genau auf dem Rang, den es derzeit in der Weltrangliste einnimmt. Damit hat es aus Reindls Sicht sein Soll erfüllt. Doch der Bronzemedaillengewinner von 1976 räumte ein, dass nur der Erfolg die Gunst des Publikums wieder zurückbringen wird. Vergessen sind Zeiten wie 1992, als das OlympiaViertelfinale gegen Kanada mit dem unglücklich vergebenen Penalty von Peter Draisaitl die Millionen an die Fernsehgeräte fesselte.

Gar als "übermächtig" bezeichnete Reindl inzwischen die Schweizer Mannschaft, die dank der Sensationserfolge über Kanada und Tschechien die Position als beste Nation hinter den großen Sieben festigte. Von einem ganz gewaltigen Abstand sprach Bundestrainer Uwe Krupp, der aus Verbandssicht zu den Gewinnern von Turin gehört, auch wenn er nach sieben Länderspielen immer noch auf ein Erfolgserlebnis wartet.

Es sei das Verdienst des seit zwei Monaten amtierenden Krupp, dass das deutsche Team in keiner Partie einen Einbruch erlitten habe, befand Reindl: "Er spricht die Sprache der Spieler. Er spricht auch hart und so klar, dass jeder kapiert, was er zu tun hat." Der Stanley-Cup-Sieger sieht seine Mannschaft auf Augenhöhe mit Nationen wie Italien, Kasachstan und Lettland. "Wir gehören unter die ersten Zwölf, aber nicht unter die ersten Acht", sagte Krupp. Um die verjüngte Auswahl weiter aufzufrischen, würde Reindl mittelfristig am liebsten nicht mehr als acht Ausländer pro Club in der Deutschen Eishockey-Liga zulassen. Derzeit sind zwölf erlaubt.

Für die deutschen Nationalspieler aus Nürnberg und Hamburg beginnt bereits am Freitag wieder der DEL-Alltag, Krupp verabschiedete sich am Mittwoch für einige Tage in Richtung seines Wohnsitzes Atlanta. Ob er selbst im Fall des Wiederaufstieges seinen auslaufenden Vertrag als Bundestrainer verlängert, ist offener denn je. "Ob es einzig am Aufstieg hängt, weiß ich nicht", sagte Krupp.

Bei der B-Weltmeisterschaft Ende April in Amiens wird Krupp weitgehend auf den Olympia-Kader bauen. Aus Übersee werden wohl Torhüter Olaf Kölzig und erneut Jochen Hecht von Playoff-Kandidat Buffalo fehlen, alle anderen Spieler könnten wohl nach der Vorrunde der NHL einfliegen. Auch mehr deutsche Fans erwartet Reindl in Frankreich wieder: "Der Zug nach Amiens rollt."

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