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Meister gegen die (H)eißbären: Die Halbfinalisten im Check

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Von: Günter Klein

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Der EHC Red Bull München startet gegen die Eisbären Berlin in die Halbfinal-Serie. Meister gegen Ex-Meister - eine klare Sache? Nein, wie unser Vergleich zeigt.

Es geht weiter im großen Playoff-Theater, gegeben wird ab heute (19.30 Uhr) das Halbfinale, erneut sind Siebenakter möglich. Der EHC München war Hauptrunden-Sieger und trifft auf den Achten der „regular season“. Eine klare Sache muss das aber nicht werden, wie unser Vergleich zeigt.

Torhüter: Im Paket haben die Münchner Danny Aus den Birken und David Leggio mehr zu bieten als Petri Vehanen/Marvin Cüpper. Allerdings haben sich beide Teams für eine Nummer-eins-Lösung in den Playoffs entschieden. Somit ist es ein Duell Aus den Birken – Vehanen. Der Finne Vehanen, der bald 40 wird, ist ein Goalie von internationalem Renommee und in den anspruchsvollen Playoffs gegen Mannheim heißgelaufen (Gegentorschnitt 1,90, Fangquote über 94 Prozent). Vorteil Berlin

Verteidigung: Wirkt beim EHC nicht so stark wie in der Vorsaison, ein Stratege wie der nach Wolfsburg gewechselte Jeremy Dehner fehlt. Trotzdem offensivstark: Abeltshauser, Quint, Joslin, Boyle sind auch torgefährlich. Die Eisbären bringen in der Defensive viel Routine ein (Hördler, Baxmann, Constantin Braun) und haben mit Jonas Müller ein herausragendes Talent. Vorteil München

Sturm: Beim EHC findet man sogar in der vierten Reihe noch Nationalspieler. Keith Aucoin, Michael Wolf und Mads Christensen sind Scoring-Maschinen, Dominik Kahun steuert Kreativität bei, Frank Mauer Tempo, Yannic Seidenberg spielt die vielleicht beste Saison seiner Karriere. Auch die Eisbären können mit ihrer Offensive wuchern: Darin Olver hat zur Form seiner guten Jahre zurückgefunden, Nick Petersen ist einer der besten Angreifer der Liga, die nachträglich verpflichteten Charles Linglet (zuvor in Tampere und Minsk aktiv) und Louis-Marc Aubry aus der nordamerikanischen AHL haben eingeschlagen. Vorteil München

In der Form seines Lebens: Yannic Seidenberg.
In der Form seines Lebens: Yannic Seidenberg. © GEPA Pictures

Trainer: Don Jackson ist mit sechs Deutschen Meisterschaften das Maß aller Dinge in der DEL. Voriges Jahr hat er auch in München gezeigt, wie man ein Team punktgenau auf die Playoffs vorbereiten kann. Uwe Krupps Erfolge bisher: WM-Platz vier mit der Nationalmannschaft 2010 – und ein paar gute Jahre in Köln, wo er 2015 allerdings entlassen wurde. Bei den Eisbären tat er sich schwer, im Dezember und Januar wurden fast täglich Krupp-Krisengeschichten geschrieben. Der Klub reagierte mit einer Vertragsverlängerung und stellte ihn nicht in Frage. Seit dem Absichern der Pre-Playoffs geht es spürbar aufwärts. Vorteil München

Saisonverlauf: Der EHC agierte von September bis Dezember souverän, im Januar ließ die Form nach (anders als im Meisterjahr, als man nach dem Jahreswechsel konstant an Souveränität zulegte). Das Viertelfinale, 4:0 gegen Bremerhaven gewonnen, war ein solide erledigtes Stück Arbeit. Vielleicht fehlt durch das frühe Ende und die lange Pause von neun Tagen der Wettkampfrhythmus – womöglich ist der EHC dadurch aber top erholt. Berlin erlebte eine gebrauchte Saison, eine Niederlagenserie brachte den Ex-Meister an den Rand der Nicht-Playoff-Zone – allerdings sind zur rechten Zeit tragende Spieler wie Marcel Noebels von Verletzungsausfällen, in seinem Fall bedingt durch einen Kreuzbandriss, zurückgekehrt. In den Playoffs gegen Mannheim präsentierte sich eine mental völlig veränderte Berliner Mannschaft. Vorteil Berlin

Motivation: In München wird offen über die Meisterschaft gesprochen – das will der Geldgeber Red Bull so. Berlin fügte sich in den vergangenen Jahren in die Rolle eines Nur-noch-bessere-Mittelklasse-Klubs – was sich vor ein paar Wochen änderte. Manager Peter John Lee musste zu Chef Phil Anschutz nach Los Angeles, erstellt wurde ein neues Konzept, das eine stärkere Kontrolle durch und Einflussnahme der Amerikaner vorsieht. Und als Zielsetzung, jedes Jahr Meister zu werden. Seitdem haben einige altgediente Eisbären-Cracks deutlich zugelegt im Engagement. Das Positiverlebnis Halbfinal-Qualifikation setzt Kräfte frei. Die Eisbären sind heißgelaufen – somit Heißbären. Vorteil Berlin

Umfeld: München tut sich nach wie vor schwer, Zuschauer zu mobilisieren, Bremerhaven als erster Playoff-Gegner war zu schwach und unprominent, um überschwängliche Begeisterung auszulösen. Ernsthafte Playoffs gehen aber auch in München (Gastbeitrag: Liebe Münchner, geht zum EHC und erlebt Eishockey!). Berlin musste Einbußen hinnehmen, erstmals seit Eröffnung der schmucken Arena am Ostbahnhof gab es Spiele mit weniger als 10.000 Zuschauern. Doch jetzt ist die Euphorie zurück, schon die Feierlichkeiten zum Erreichen von Platz acht waren ausufernd heiter. Und es gibt weiterhin den großen harten Kern derjenigen, die den Ostkult um den Klub leben („Dy-na-mo!“). Vorteil Berlin

Stadion: Kernige alte Eissporthalle (Oberwiesenfeld) gegen hochmoderne Mehrzweckhalle, in der sich Eishockey oft ganz anders darstellt. Die Münchner Profis sind die dichte Atmosphäre im eigenen kleinen Stadion gewöhnt und empfinden das Spielen in großen Arenen als Anreiz. Vorteil München

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