Rosenheim verweigert Spielverlegung

Kein Goalie: Feldspieler muss beim SCR ins Tor

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Einer von vier: Auch Niklas Treutle steht gegen Rosenheim nicht im SCR-Tor.

Garmisch-Partenkirchen - Vier Torhüter hat der SC Riessersee lizensiert, keiner ist in der Lage, das heutige Spiel bei den Starbulls Rosenheim zu bestreiten. Weil sich die Rosenheimer weigern, die Partie zu verlegen, muss jetzt ein Feldspieler ins Tor...

Es ist der Höhepunkt einer großen Feindschaft, die sich aus einer Rivalität entwickelt hat. SCR-Manager Ralph Bader und die Starbulls-Funktionäre Wilhelm Graue und Karl Aicher standen im mit harten Bandagen geführten Streit um die Einführung der DEL auf verschiedenen Seiten, Riessersees Trainer Toni Krinner und Rosenheims Coach Franz Steer sind sich ebenfalls nicht grün.

Im Laufe der Saison hat sich die Situation hochgeschaukelt und erreichte einen ersten Höhepunkt, als die Rosenheimer versuchten, den Transfer von Niklas Treutle von Red Bull München per Förderlizenz zu den Riesserseern zu hintertreiben. Jetzt ist die Lage eskaliert.

Der SC Riessersee kann für das heutige erste Spiel der Zwischenrunde keinen gesunden Torhüter aufbieten. Bryan Hogan laboriert an den Folgen eines Anrisses des Syndesmosebands im rechten Fuß, Niklas Treutle zog sich beim Training in München eine Verletzung des kleinen Fingers der rechten Hand zu, die mit fünf Stichen genäht werden musste. Korbinian Sertl und Daniel Schmidt liegen mit einem Magen-Darm-Infekt flach. Die Rosenheimer ficht das nicht an. Sie weigerten sich gestern Abend, einer Spielverlegung zuzustimmen.

Bader hatte dem Zweiten Vorsitzenden Karl Aicher in einer Telefongespräch die personelle Notlage geschildert, doch der war hart geblieben. „Er hat gesagt, wir sollen doch den Junioren-oder den 1b-Torwart reinstellen.“ Bader erwiderte, dass Schmidt der 1b-Schlussmann sei und die SCR-Jugend über keinen eigenen Goalie verfüge. Der von ihm ebenfalls kontaktierte DEL2-Ligenleiter Jörg von Ameln ließ ebenfalls nicht mit sich handeln. Sollte der SCR nicht antreten, werde die Partie als verloren gewertet, teilte von Ameln mit. Nachdem er sich mit Krinner besprochen hatte, entschieden Manager und Trainer, in Rosenheim aufzulaufen und einen Feldspieler ins Tor zu stellen. „Wer dies sein wird, darüber haben wir noch nicht entschieden“, sagt Krinner.

Deutlich - ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen - macht der ehemalige Internationale deutlich, was er über das Verhalten der Rosenheimer denkt. „Auf so einen Sieg brauchen sie wirklich nicht stolz zu sein. Das ist der Gipfel der Unsportlichkeit.“ Krinner weist darauf hin, dass die Rosenheimer in der Vorsaison den Lausitzer Füchsen sofort entgegengekommen waren, als die sich in derselben misslichen Situation befanden wie jetzt der SC Riessersee. „Damals haben sie einer Verlegung ohne Zögern zugestimmt“, sagt er.

Ein flaues Gefühl in der Magengegend beschleicht ihn bei dem Gedanken, was seinem Feldspieler, der das Wagnis auf sich nimmt und sich ins Tor stellt, alles passieren könnte, „wenn Pucks mit einer Geschwindigkeit von 130 bis 140 Stundenkilometern auf ihn zugeflogen kommen. Damit haben selbst gelernte Goalies ihre Probleme. So etwas kann lebensgefährlich sein“. Er fordert die Liga und das Schiedsrichterwesen auf, dafür zu sorgen, dass nichts passiert und „der Spieler geschützt wird“. Er könne nicht dafür garantieren, dass der Ersatzmann das ganze Spiel durchhält und nicht schon nach fünf Minuten die Schnauze voll hat und vom Eis geht.

Der 46-jährige ehemalige DEL-Coach verfügt über einen reichen Schatz an Erfahrungen, „aber so etwas habe ich noch nie erlebt und das schlägt dem Fass den Boden aus. Selbst den schlimmsten Feind würde ich nicht so behandeln“. Auch er vermutet, dass die Rosenheimer Reaktion eine Retourkutsche ist, weil die Riesserseer dem selbsternannten Meisterschaftsfavoriten sportlich ins Gehege gekommen sind. Die Bilanz der direkten Duelle spricht in der gerade laufenden Saison für den SCR. Von vier Begegnungen entschieden die Garmisch-Partenkirchner drei für sich.

Peter Reinbold

Quelle: tz

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