Die Deutschen hoffen vergeblich

- Turin - Wenn man den Weltmeister in seiner Gruppe hat, kann es nicht schaden, ihn möglichst früh zu treffen. Erst recht, wenn die Stars einen Transatlantik-Flug in den Knochen haben. Die Hoffnung der deutschen Außenseiter, dass die NHL-Spieler der tschechischen Eishockey-Nationalmannschaft nach ihrer späten Ankunft in Turin ein wenig müde ans Werk gehen würden, bekam tatsächlich ein Drittel lang Nahrung. Doch dann verflog sie auch bald wieder. Nach zwischenzeitlicher Führung verloren die Deutschen doch noch mit 1:4 (1:0, 0:2, 0:2). Heute bestreiten sie gegen Olympiasieger Kanada ihr zweites Spiel, die nötigen Punkte für das Viertelfinale aber müssen sie wohl am Wochenende gegen die Schweiz und Italien sammeln.

Jaromir Jagr betrat als Letzter das Eis. Wenn man will, kann man an solchen Details die Rolle eines Spielers in einer Mannschaft ablesen. Jagr ist der unumstrittene Star der Tschechen, und tatsächlich spielte er im ersten Drittel eine prominente Rolle. Aber anders als erwartet. Einmal schlängelte er sich um zwei Deutsche herum, um dann knapp an Olaf Kölzig zu scheitern, ein anderer Auftritt jedoch hatte nachhaltigeren Einfluss auf das Spiel in dieser Phase. In der 17. Minute musste er auf die Strafbank, brummte zwei Minuten ab, kam zurück - und handelte sich sofort die nächste Strafe ein. Diesmal kam sein Team nicht mehr ungeschoren davon. Alexander Sulzer hatte von der blauen Linie abgezogen, Tino Boos fälschte den Puck ins kurze Eck ab (20.).

Das war zugegeben glücklich, zumal der Favorit im ersten Abschnitt zweimal den Pfosten traf. Doch die Deutschen hatten sich auch tapfer gewehrt und die Führung verdient. Lange hielt sie freilich nicht. Nach knapp zwei Minuten war aus dem 1:0 ein 1:1 geworden, nach weiteren 156 Sekunden ein 1:2. Beide Male vollstreckte Tomas Kaberle in Überzahl (erst saß Seidenberg, dann Goc auf der Bank).

Nun begannen die Dinge doch ihren erwarteten Verlauf zu nehmen. Olaf Kölzig stand immer öfter im Mittelpunkt und musste die Deutschen mit seinen Paraden vor einem höheren Rückstand bewahren. Zu überwinden war er zunächst selbst dann nicht, als Hejduk zum Penalty auf ihn zusteuerte (50.). So hatte doch noch Jaromir Jagr seinen Auftritt. Sein Schuss prallte von Kölzig gegen Verteidiger Goc und von da zum 1:3 ins Tor (58.). Unglücklich, aber irgendwie passend - einer musste Kölzig ja bezwingen. Dass in der Schlussminute Vyborny ins leere Tor traf, hatte nur noch statistische Bedeutung.

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