Hegen: "Dann war’s das für die nächsten zehn Jahre…"

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Ex-Natinalspieler Dieter Hegen macht das drohende EHC-Aus traurig.

München - Das drohende Ende des Eishockey-Sports in München schlägt weiterhin hohe Wellen. Ex-Kufenstar Didi Hegen spricht im tz-Interview über die Konsequenzen.

Mir persönlich tut es sehr leid, dass der EHC München kurz vor seiner Auflösung steht“, sagt Sportbürgermeisterin Christine Strobl.Gerade Gesellschafter und Geschäftsführer Jürgen Bochanski habe „viel Herzblut“ in den Klub gesteckt. Wirklich überrascht worden sei sie von den Turbulenzen beim EHC aber nicht. „Nach dem Ausstieg von Herrn Jantz als Gesellschafter, war klar, dass diese Lücke gefüllt werden muss. Das ist scheinbar bisher nicht gelungen.“

Gelingt das in den kommenden Tagen nicht, wird der Klub wohl nach Schwenningen umziehen. Strobl verteidigt die Entscheidung der Stadt, den EHC nicht per Sponsoring einer städtischen Firma vor dem Aus zu retten. Die Stadt habe vorrangig den Breiten-, oder wie etwa beim Hockey den Spitzensport zu fördern – nicht aber den Profi-Sport.

Wir haben mit Eishockey-Legende Didi Hegen gesprochen, der selbst mal in München bittere Erfahrungen machte. Das tz-Interview.

Herr Hegen, hätte die Stadt dem EHC mit einem Sponsoring helfen sollen?

Hegen: Schwer zu sagen. In Düsseldorf, wo ich lebe, hatten sie ein ähnliches Problem wie der EHC. Das ist bis heute nicht ganz ausgestanden. Da hat die Stadt der DEG 500 000 Euro gegeben. Ich habe gelesen, dass München die einzige Stadt ist, die ihren Verein nicht unterstützt. Dass der EHC vor dem Aus steht, ist bitter. Ich habe die letzten Jahre verfolgt und gemeint, nach Klubs wie den Barons und den Maddogs würde endlich ein Münchner Klub auf finanziell gesunden Beinen stehen. Ich bin traurig. München ist für mich nach wie vor etwas Besonderes.

Von 1992 bis 1994 stürmten sie für Hedos und das Nachfolgeteam Maddogs, das unter der Saison Pleite ging und dem Stammverein Hedos e.V. Millionen Schulden hinterließ.

Hegen: Das war traurig für uns Spieler. Manchen Ausländern war das egal, wo sie spielen, aber bei mir war die Nähe zu meiner Heimat Kaufbeuren ausschlaggebend. Du planst und unterschreibst – und dann musst du doch umziehen. Ich hatte Glück, dass ich zurück nach Düsseldorf konnte. Die Stars kommen immer unter. Andere bleiben auf der Strecke zurück und müssen sehen, wo sie Platz finden.

Ein Blick ins Allerheiligste des EHC München

Werfen Sie mit uns einen kurzen Blick in die Kabine des EHC München. © Mathias Müller
Schon beim ersten Blick wird deutlich: Wie in der Kabine des FC Bayern sieht es hier nicht direkt aus. Jeder Spieler hat seine eigene kleine Holz-Nische. Die Namensschilder sind aus laminiertem Papier und über zwei Haken angebracht. In der Mitte des Raums: ein Einkaufswagen. © Mathias Müller
Ein paar Fußbälle dürfen aber dennoch nicht fehlen. © Mathias Müller
Bei Martin Buchwieser reibt man sich verwundert die Augen. An seinem Platz hängt ein Bild, auf dem er US-Präsident Barack Obama die Hand schüttelt. © Mathias Müller
Die Aufklärung: „Das haben mir die Jungs geschenkt. Meine Freundin ist Amerikanerin. Sie meinten, ich solle mir einen amerikanischen Pass zulegen, ... © Mathias Müller
... damit ich mit der Nationalmannschaft wenigstens mal was gewinnen kann. Denn gefälschten Pass gab’s übrigens gleich mit dazu“, so Buchwieser. © Mathias Müller
Bei Martin Schymainski lehnt ein ganz besonderes Bild an der Wand: es zeigt seinen guten Spezl Kevin Lavallee, der gerade seinen Bizeps mit einer Hantel stählt. Er trägt ein weißes Feinripp-Shirt. © Mathias Müller
Schymainski: „Wir sind seit drei Jahren beste Kumpel und gehen öfter mal zusammen essen oder shoppen. Im Moment sitzt mir Kevin noch gegenüber. Ich kann ihn also eigentlich immer sehen. Aber sollten wir mal nicht mehr zusammen spielen, dann wird das Bild noch wichtiger. Das kommt dann nämlich mit.“ © Mathias Müller

Für die anderen Mitarbeiter des Vereins wird es noch schwieriger. Keine gute Publicity für das Eishockey.

Hegen: Ein paar Einzelfälle wird es immer geben. Und der EHC ist nicht pleite! Noch steht nicht fest, dass München nicht weiter spielen wird. Zum Beispiel in der Zweiten Liga oder der Oberliga.

Würde das Aus des EHC das Aus des Eishockey in München bedeuten?

Hegen: Sollte es so kommen, dass man ganz unten anfangen muss, war‘s das für die nächsten zehn Jahre.

Ist Eishockey auf Dauer nur für Vereine finanzierbar, die dank ihrer Talente überleben können?

Hegen: Nein. Du brauchst nicht zwingend eigenen Nachwuchs, du kannst dir auch Partnervereine nehmen. Da gibt’s tausende Möglichkeiten. München hat die ideal Position und kann den Nachwuchs von kleineren Orten wie Landshut, Garmisch, Kaufbeuren und Bad Tölz nutzen. Aber scheinbar ist das nicht so stark gelungen.

Was muss sich in München tun, damit Eishockey überlebensfähig ist?

Hegen: Man muss schauen, dass man mehr Sponsoren findet. Viele, viele kleine – dann ist man nicht mehr so sehr von den Gesellschaftern abhängig. Und die Mietbedingungen im Olympiapark sollen sehr hoch sein – da müsste man etwas tun. Dann kann Eishockey in München funktionieren. Ich würde es mir wünschen.

Martin Wimösterer

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